Börse Frankfurt: Merkel-Kandidatur wird Märkte nur kurz beruhigen

Börse Frankfurt: Merkel-Kandidatur wird Märkte nur kurz beruhigen

, aktualisiert 21. November 2016, 07:41 Uhr
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Die erneute Kandidatur der Kanzlerin dürfte die Märkte beruhigen.

Quelle:Handelsblatt Online

Die Ankündigung von Angela Merkel, bei der Bundestagswahl 2017 erneut anzutreten, wird sich nach Einschätzung von Analysten zumindest kurzfristig positiv auf die Märkte auswirken. Langfristig steht weiter Trump im Fokus.

Düsseldorf/FrankfurtZum Wochenbeginn dürften die Märkte vor allem auf die erneute Kandidatur von Bundeskanzlerin Angela Merkel schauen. Ihre Ankündigung sei für die Märkte und Europa insgesamt eine positive Nachricht, sagte Carsten Nickel von Teneo Intelligence. Selbst wenn die Menschen nicht mit sämtlichen ihrer Entscheidung übereinstimmten, würden sie Merkel kennen und wüssten, was von ihr zu erwarten sei, sagte Nickel.

„Merkel ist ein Stabilitätsanker für Europa und die Märkte“, sagte Carsten Brzeski, Chefvolkswirt bei der ING Diba. Beim Euro und und Dax werde ihre Ankündigung einer erneuten Kandidatur allerdings nur „eine kurzfristige Erleichterung“ auslösen. „Der Merkel-Effekt wird nicht nachhaltig sein“, sagte Brzeski. Der künftige US-Präsident Donald Trump und US-Notenbank-Chefin Janet Yellen hätten an den Märkten derzeit einen deutlich stärkeren Einfluss. Vorbörslich notierte der deutsche Leitindex mit 20 Punkten im Plus kaum verändert auf 10.682 Punkten.

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Für die Europäische Zentralbank (EZB) sei Merkels erneute Kandidatur „eine kleine Erleichterung“, sagte Holger Schmieding, Chefvolkswirt bei der Berenberg Bank. Merkel sei die Unabhängigkeit der EZB im Gegensatz zu vielen ihrer Unionskollegen „sehr wichtig“. Die CDU-Vorsitzende werde auch künftig ihre Kritik an der EZB „niedriger hängen als einige ihrer Parteifreunde“, sagte Schmieding.

Die Aktienbörse in Tokio hat am Montag zugelegt. Händler verwiesen zur Begründung auf die Yen-Schwäche angesichts der Wahl von Donald Trump zum neuen US-Präsidenten. Anleger setzen darauf, dass Trump die Staatsausgaben erhöht und dadurch das US-Wirtschaftswachstum ankurbelt. Das dürfte zu steigenden US-Zinsen führen. Investoren zogen daher Geld aus Schwellenländern ab, um es in den USA anzulegen. Der schwächere Yen lässt bei den japanischen Firmen die Kassen stärker klingeln, wenn im Ausland erwirtschaftete Gewinne nach Japan transferiert werden. Aktien wie die des Auto-Herstellers Toyota stiegen um 0,7 Prozent.

Der Tokioter Leitindex Nikkei der 225 führenden Werte stieg am Montag im Verlauf um 0,45 Prozent auf 18.057 Punkte. Der breiter gefasste Topix legte 0,8 Prozent auf 1439 Stellen zu.


Weltwirtschaft unter Trump bleibt beherrschendes Thema

Die Zukunft der Weltwirtschaft unter einem US-Präsidenten Donald Trump bleibt das beherrschende Thema an den Börsen. Allerdings wachsen Zweifel, dass die von Trump geplanten milliardenschweren Konjunkturprogramme einen Wirtschaftsboom in den USA befeuern. „Dieses Wunschszenario wird höchstwahrscheinlich nicht zur Realität werden“, warnt Portfoliomanager Joe Foster vom Fondsanbieter VanEck. „Vielmehr überwiegen aus unserer Sicht die Risiken, die sich durch die Wahl Trumps zum US-Präsidenten ergeben.“ Der Milliardär hatte sich im Wahlkampf für Strafzölle und die Begrenzung der Einwanderung starkgemacht.

In der alten Woche kam der Dax kaum vom Fleck und scheiterte mehrfach an der charttechnisch wichtigen Marke von 10.800 Punkten. Mit jedem erfolglosen Versuch, diese Schwelle zu überspringen, steige das Risiko eines größeren Ausverkaufs, warnen Börsianer. Neben der Verunsicherung über die Trump'sche Politik würden die zu erwartenden dünnen Umsätze die Kursbewegungen in der neuen Woche verstärken. Die Wall Street bleibt am Donnerstag wegen des US-Erntedankfestes Thanksgiving geschlossen und handelt am Freitag verkürzt. Am Mittwoch nehmen sich japanische Investoren eine Auszeit.

Den Experten der Bank HSBC zufolge bleiben Dax & Co. dagegen trotz der Verunsicherung über den wirtschaftspolitischen Kurs der USA attraktiv. Aktienstratege Christian Jasperneite von der Bank M.M. Warburg traut dem deutschen Leitindex sogar einen Test der Schwelle von 12.000 Punkten zu. „Im Moment gehen wir davon aus, dass Trump keinen Handelskrieg anzetteln wird, der nur Verlierer kennen würde - auch in Amerika selbst.“ Anlagestratege Stefan Scheuerer von Allianz Global Investors rechnet mit einer „Trumpflation“, was Aktien tendenziell beflügeln und Anleihen unter Druck setzen würde.

Auch die US-Börsen haben nach der Nach-Wahl-Rally zuletzt auf die Bremse getreten. Hier werden die Anleger weiter aufmerksam die Auswahl von Trumps Regierungsmannschaft verfolgen, um Rückschlüsse auf den Kurs in der Wirtschaftspolitik zu erhalten. „Die Erwartung, dass es 2017 ein gesundes Konjunkturprogramm geben wird, ist groß“, sagte Analyst Alan Gayle vom Broker RidgeWorth Investments. „Sollte es einen Hinweis geben, dass diese Erwartung voreilig ist, dann wird sich der Markt sehr schnell selbst korrigieren.“


Spekulationen auf rasche Zinserhöhung

Die Hoffnungen auf einen US-Wirtschaftsboom befeuern auch die Spekulationen auf anziehende Inflation und rasche Zinserhöhungen der Federal Reserve. „Trump, obwohl noch nicht im Amt, scheint das Deflationsgespenst endgültig vertrieben zu haben“, sagt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Aus diesem Grund werden Investoren am Mittwoch die Protokolle der jüngsten Sitzung der US-Notenbank auf Hinweise hierauf durchsehen. Am selben Tag werden die Auftragseingänge langlebiger US-Güter und Zahlen zum Eigenheimabsatz veröffentlicht.

Börsianer rechnen damit, dass die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) bei ihrer Sitzung im Dezember die Leitzinsen anhebt, die aktuell in einer Spanne von 0,25 bis 0,50 Prozent liegen. Für das kommende Jahr erwarten die Commerzbank-Experten dann zwei weitere Zinserhöhungen um je 25 Basispunkte.

Spekulationen darauf treiben nicht nur die Renditen der US-Bonds, sondern von Staatsanleihen weltweit. Hier drohe eine weitere Gefahr für die Börsen, warnt Stephen Jen, Teilhaber des Hedgefonds Eurizon SLJ. „Es wächst das Risiko, dass die Zinsen für die immer noch fragilen Volkswirtschaften Europas und der Schwellenländer zu hoch werden.“ Informationen zur Stimmung der europäischen Verbraucher erhalten Anleger am Dienstag. Der Ifo-Index, der die Stimmung in den deutschen Chef-Etagen widerspiegelt, steht am Donnerstag auf dem Terminplan.

Von Unternehmensseite sind in der neuen Woche kaum kursbewegende Neuigkeiten zu erwarten. Zu den wenigen Firmen, die nach dem Höhepunkt der Berichtssaison noch Geschäftszahlen vorlegen, gehören der Chip-Hersteller Infineon am Mittwoch und der Stahlkonzern Thyssenkrupp am Donnerstag.

Quelle:  Handelsblatt Online
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