Börse Frankfurt: Spekulationen lassen Dax hoch im Plus schließen

Börse Frankfurt: Spekulationen lassen Dax hoch im Plus schließen

, aktualisiert 09. Dezember 2011, 17:55 Uhr
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Händler an der Börse Frankfurt: Die Woche endete für den Dax freundlich.

Quelle:Handelsblatt Online

Eine Handelstag im Zeichen der Schuldenkrise endete mit hohen Gewinnen. Spekulationen um chinesische Investitionen beflügelten heute den Dax. Gerüchte um bilaterale Kredite an den IWF machten zusätzlich die Runde.

Düsseldorf„Während noch am Morgen die ersten Resultate vom EU Gipfel in Brüssel für Skepsis gesorgt hatten, profitierten die Aktienmärkte vor allem von Äußerungen der Bundesbank, wonach bilaterale Kredite an den Internationalen Währungsfonds (IWF) grundsätzlich als erwägenswert angesehen werden.“, fasste Gregor Kuhn von IG-Markets die Situation am Markt zusammen. „Über den IWF soll das Kapital dann wieder zur Stützung angeschlagener Euro-Staaten zur Verfügung gestellt werden.“

Die Beschlüsse des EU-Gipfels zur Bewältigung der Euro-Schuldenkrise konnten die trübe Grundstimmung an den Märkten nicht grundsätzlich vertreiben können. Nach deutlichen Vortagesverlusten sorgte die schnelle Einigung auf eine Schuldenbremse zwar für etwas Erleichterung. Viele Marktteilnehmer hätten sich im Kampf gegen die Krise aber eine stärkere Rolle der Europäischen Zentralbank (EZB) gewünscht.

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„Die Ergebnisse sind keine Enttäuschung, aber sie reichen auch noch nicht aus, um Ruhe in den Markt zu bringen“, sagte Analyst Heino Ruland von Ruland Research. Dass die EZB Kreisen zufolge weiterhin Staatsanleihen von Problemländern für bis zu 20 Milliarden Euro pro Woche kaufen will, besänftigte viele Investoren aber vorerst.

Für steigende Kurse sorgte zudem die Nachricht, dass China mit zwei neuen Fonds im Gesamtvolumen von 300 Milliarden Dollar in Europa und den USA investieren will. Vor allem Bankenwerte konnten von diesen Meldungen profitieren. Die US-Börsen öffneten mit steigenden Kursen, was dem Dax einen kräftigen Schub verlieh.

Der Dax legte nach Eröffnung der Wallstreet nochmal kräftig zu und schloss 1,9 Prozent höher bei 5.986 Punkten. Der EuroStoxx50, der Leitindex der Eurozone, gewann 2,4 Prozent. Der Euro erholte sich wie die europäischen Aktienmärkte von seinen frühen Verlusten und kostete mit 1,3387 Dollar fast einen halben US-Cent mehr als am Vorabend in New York. Der Bund-Future fiel um 72 Ticks auf 136,10 Punkte.

Zweifel an Gipfelbeschlüssen hoch

Von Euphorie war bei den Börsianern allerdings nichts zu spüren, da viele weiter Zweifel hatten, ob die beschlossenen Maßnahmen ausreichen, um die Euro-Schuldenkrise in den Griff zu bekommen. In der Nacht waren die EU-Staaten einer Fiskalunion zwar nähergekommen, allerdings stellte sich vor allem Großbritannien gegen eine Änderung des EU-Vertrages der 27 Mitgliedsstaaten. Dafür vereinbarten die Euro-Länder, dass sie strengere Spar- und Kontrollauflagen in einem Vertrag festlegen wollen.

Außerdem einigten sich die EU-Regierungen auf einen schnelleren Einsatz des dauerhaften Euro-Rettungsschirms ESM und die stärkere Einbindung des Internationalen Währungsfonds (IWF) bei der Stabilisierung der Euro Zone.

Am Freitag schlossen sich neun EU-Länder, und damit drei mehr als zunächst angenommen, den Euro-Ländern an - nur Großbritannien steht abseits. Einige Staaten wollen in ihren Parlamenten über die Beschlüsse abstimmen lassen.

Positiv bewerteten Analysten, dass es nach wochenlangem Hickhack überhaupt eine Lösung gab. Enttäuschend ist aus ihrer Sicht dagegen, dass kein stärkeres Eingreifen der EZB vorgesehen ist und noch viele Details der Hebelung des Rettungsschirms EFSF offen sind. „Die gute Nachricht: Man hat sich frühzeitig geeinigt. Die schlechte Nachricht: Es gibt keine positiven Überraschungen“, fasste Volkswirt Holger Schmieding von der Berenberg Bank zusammen. „Wenn die EZB nicht mehr macht als bisher angekündigt, dann ist das Risiko sehr groß, dass das Gipfelergebnis nicht ausreicht, um die Krise zu beenden.“


Europaweit Bankenwerte gefragt

Zu den größten Gewinnern zählten europaweit Bankenwerte - der Branchenindex stieg um 2,6 Prozent. Im Dax gehörten die Anteilsscheine der Deutschen Bank mit einem Plus von 4,7 Prozent zu den größten Gewinnern, die Papiere der Commerzbank schlossen 3,7 Prozent höher. Am Donnerstag waren sie allerdings um fast zehn Prozent eingebrochen.

Börsianer begründeten die Gewinne vor allem mit den Meldungen über die EZB und China. Dass die Europäische Zentralbank offenbar bereit sei, weiterhin pro Woche bis zu 20 Milliarden Euro an Staatsanleihen zu kaufen, sei „nicht so schlecht“, sagte ein Händler. „Am Donnerstag hatten manche Marktteilnehmer noch befürchtet, dass die EZB nun gar nicht mehr aktiv wird.“ Auch dass China anscheinend Geld für Europa in die Hand nehmen wolle, komme gut an. Es müsse jedoch abgewartet werden, ob sich hinter den geplanten Fonds etwas fundamental Neues verberge, warnte ein anderer Börsianer. „Vielleicht schichten die Chinesen ihr Geld auch einfach nur um.“

Weiterhin hatten Analysten von Goldman Sachs den europäischen Bankensektor hoch gestuft, während sie gleichzeitig auf einen fallenden Dax spekulierten.

Europäischer Anleihemarkt durchwachsen

An den europäischen Anleihemärkten hatte sich am Freitag keine eindeutige Reaktion auf die Ergebnisse des richtungsweisenden EU-Gipfels zur Schuldenkrise eingestellt. Während die Renditen in den kurzen Laufzeiten größtenteils rückläufig waren, stiegen sie in den langen Laufzeiten eher an. Händler nannten als Grund, dass in der wichtigen Frage der Beteiligung privater Gläubiger bei künftigen Solvenzproblemen von Staaten noch keine Klarheit herrsche.

Die EU-Staaten wollten offensichtlich nach den Regeln des Internationalen Währungsfonds (IWF) verfahren. Demnach wäre eine Einbeziehung privater Investoren immer noch möglich, aber an Bedingungen geknüpft. Auch an den Anleihemärkten der Euro-Schwergewichte Italien und Spanien war die Reaktion nicht eindeutig. In den kürzeren Laufzeiten von zwei und fünf Jahren gaben die Renditen nach, im längeren Bereich von zehn Jahren stiegen sie leicht an.

Am Donnerstag waren die Staatstitel nach Tagen der Entspannung stark unter Druck geraten, nachdem Mario Draghi, der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) einer Ausweitung der umstrittenen Anleihekäufe der Notenbank eine klare Absage erteilt hatte. In den Kernländern Frankreich, Belgien und Österreich sorgten die Gipfelergebnisse hingegen für Entspannung. Dort waren die Renditen über alle Laufzeiten rückläufig. In Finnland und den Niederlanden stiegen die Renditen hingegen leicht an.


Schuldenkrise verdrängt Konjunkturmeldungen

Aufgrund der Schuldenkrise wurden Konjunkturmeldungen kaum beachtet. Die USA veröffentlichten um 14:30 Uhr ihre Handelsbilanz. Trotz einer Rekordzahl von Einfuhren aus China ist das Handelsdefizit der USA im Oktober geschmolzen. Die Differenz zwischen Exporten und Importen sank wie von Experten erwartet auf 43,5 Milliarden Dollar, teilte das US-Handelsministerium am Freitag mit. Im September betrug der Fehlbetrag noch 44,2 Milliarden Dollar.

Weiterhin wurde der sogenannte Michigan-Index veröffentlicht (16 Uhr). Das Konsumklima-Barometer kletterte im Dezember auf den höchsten Stand seit einem halben Jahr. Der Indikator legte um 3,6 auf 67,7 Punkte und damit den vierten Monat in Folge zu, ergab die am Freitag veröffentlichte Umfrage von Thomson Reuters und der Universität Michigan. „Die Meldungen über die aktuelle Konjunkturentwicklung fielen besser aus“, hieß es zur Begründung. Vor allem die sinkende Arbeitslosigkeit habe sich positiv auf die Stimmung ausgewirkt.

Die Bundesbank korrigierte in ihrem am Freitag veröffentlichten Konjunkturausblick ihre Prognose für die Entwicklung der deutschen Wirtschaftsleistung im kommenden Jahr kräftig nach unten. Die Währungshüter rechnen nun nur noch mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,6 Prozent nach 3,0 Prozent im laufenden Jahr. Vor sechs Monaten hatten die Währungshüter für 2012 noch eine Wachstumsrate von 1,8 Prozent prognostiziert. „Erst Ende 2012 dürfte wieder eine leichte Beschäftigungszunahme zu verzeichnen sein“, heißt es in dem Bericht.

Börsenneuling legt schwachen Start hin

Der chinesische Schuhhersteller Ultrasonic hat bei seinem Debüt auf dem Frankfurter Börsenparkett Kursverluste verbucht. Die Papiere notierten am Freitagvormittag bei 8,50 Euro und damit gut 5,6 Prozent unter dem Ausgabepreis von neun Euro.

Ultrasonic hatte am unteren Ende der Zeichnungsspanne 700.000 Aktien an den Mann gebracht und damit 6,3 Millionen Euro eingenommen. Der von der BankM organisierte Börsengang war als „Safe IPO“ angelegt worden, der unabhängig vom tatsächlichen Interesse der Investoren stattfindet. Für Ultrasonic-Gründer und Vorstandschef Qingyong Wu ist die Börsennotiz an sich von Wert, weil sie dem Unternehmen in China besseren Zugang zu den Banken verschafft.

Nach Angaben der Deutschen Börse sind bislang 37 chinesische Unternehmen in Frankfurt an die Börse gegangen, davon neun im Prime Standard. Die Hürden für einen
Börsengang sind in Deutschland niedriger als an den Finanzmärkten in Shanghai und Hongkong.

Quelle:  Handelsblatt Online
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