Börse im Höhenflug: Peru - der neue Liebling der Investoren

Börse im Höhenflug: Peru - der neue Liebling der Investoren

, aktualisiert 31. Juli 2011, 11:05 Uhr
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Tänzer bei einer Parade in Lima

von Alexander BuschQuelle:Handelsblatt Online

Das einst düstere Andenland hat sich gewandelt. Seit einiger Zeit ist Peru sogar Wachstumssieger in Lateinamerika. Die Börse in Lima war in den vergangenen Jahren der Star unter den Aktienmärkten der Emerging Markets.

Sao PauloDer moderne Flughafen Limas, die neuen Hochhäuser für die Mittelklasse der Acht-Millionen-Metropole, die glitzernden Shopping-Malls in den Städten des Lands – kein Zweifel: Peru erlebt getrieben vom Wachstumsboom ein grundlegendes Face-Lift.

Das düstere Andenland, das jahrzehntelang unter der Terrorgruppe „Leuchtender Pfad“ sowie unter Hyperinflation litt, hat sich in etwas mehr als einer Dekade grundlegend gewandelt. „Peru erlebt eine der beeindruckendsten Erfolgsgeschichten der Weltwirtschaft“, sagt der Investmentbanker Walter Molano von BCP Sec. Die Börse in Lima war in den vergangenen Jahren der Star unter den Aktienmärkten der Emerging Markets.

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Seit 15 Jahren wächst Peru meist doppelt so stark wie die anderen lateinamerikanischen Länder. In den vergangenen fünf Jahren waren es im Schnitt sieben Prozent jährlich. Etwa die Hälfte des Wachstumsbooms ist investitionsgetrieben: Vor allem in Bergbau und Energie investieren in- und ausländische Konzerne massiv.

Zudem ist das Land weltweit die Nummer zwei als Produzent von Kupfer und Silber. Auch bei Gold, Zink, Blei und anderen Metallen gehört Peru zu den führenden Lieferanten für Fernost. Gleichzeitig baut das Pazifikland seine reichen Öl- und Gasreserven aus. 51 Milliarden Dollar wollen die Unternehmen bis 2016 in Minen, Kraftwerke sowie Öl- und Gasfelder investieren.

Es sieht alles so aus, als würde Peru sich neben Chile und Brasilien dauerhaft als der dritte Star Südamerikas etablieren. „Peru ist in den letzten Jahren zum Liebling der Investoren in Südamerika geworden“, beobachtet Gray Newman von der Investmentbank Morgan Stanley. Zumal auch der Staat außerordentlich solide wirtschaftet: Die Staatsverschuldung ist mit zehn Prozent der Wirtschaftsleistung extrem niedrig. Die Devisenreserven mit über einem Viertel des BIP am höchsten in Südamerika. Die Leistungsbilanz ist fast ausgeglichen und auch der Staatshaushalt ist im Plus, als fast einzigem Land der Region.


Die Börse hat sich vom Wahlschock erholt

Dennoch: Noch ist es nicht sicher, ob Peru der endgültige Aufstieg vom armen Andenland zur Wirtschaftsmacht gelingen wird. Das wird sich in den nächsten Monaten entscheiden. Denn mit dem Amtsantritt von Ollanta Humalas richtet sich die Aufmerksamkeit der Investoren auf den Präsidentenpalast in Limas Zentrum: Welche Politik wird der ehemalige Militär und Linksnationalist als Präsident verfolgen?

Die Börse reagierte unmittelbar auf den Amtsantritt: Die Kurse der Blue-Chips in Lima, wie die des Bergbaukonzerns Southern Copper oder von Buenaventura fielen – Anleger befürchten, dass die Konzerne künftig höher besteuert werden. Zwar hat sich die Börse vom Wahlschock – Minus zwölf Prozent – nach der Wahl Humalas wieder erholt. Doch kontroverse Maßnahmen der neuen Regierung dürften die Kurse schnell abermals auf Talfahrt schicken. Ein Teil der Investoren befürchtet, dass Humala seinem einstigen Vorbild Hugo Chávez folgen könnte und dessen Sozialismus des 21. Jahrhunderts aus Venezuela auch in Peru einführen könnte. Nach einer Umfrage des Forschungsinstituts Apoyo wollen ein Fünftel der Unternehmen ihre geplanten Investitionen erst einmal verschieben. Sie befürchten Steuererhöhungen und eine mögliche Verstaatlichung der Bergbauindustrie.

Dass sich die Börse von ihrem Absturz aber rasch wieder erholte, zeigt auch: Nicht alle erwarten, dass Humala als Präsident seinen Kollegen Chávez imitieren wird. „Die Regierung dürfte wenig Interesse daran haben, es sich mit den privaten und ausländischen Konzernen zu verscherzen“, sagt Newman von Morgan Stanley.

Die politische Alternative für Humala ist die, welche sein anderes Vorbild, der brasilianische Ex-Präsident Luis Inácio Lula da Silva in Brasilien erfolgreich angewandt hat: Dieser hat mit sozialem Ausgleich bei stabiler Wirtschaftspolitik Brasilien zur Weltwirtschaftsmacht gemacht. Humala pries im Wahlkampf Lula als sein Vorbild – und nicht mehr Chávez.

Mit diesem Versprechen ist Humala gewählt worden, daran wird er gemessen werden von seinen Wählern. Denn der Wirtschaftsboom Perus in den vergangenen Jahren hat dem Land neuen Reichtum gebracht – wenn auch nicht für alle. Weiterhin ist ein Drittel der Bevölkerung arm. Nur wenn es gelingt, diese Armut zu reduzieren, wird das Land langfristig politisch stabil bleiben, was wiederum der Wirtschaft zugute kommen dürfte.

Quelle:  Handelsblatt Online
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