Börse in Athen wieder geöffnet: Griechischer Börsencrash mit Ansage

Börse in Athen wieder geöffnet: Griechischer Börsencrash mit Ansage

, aktualisiert 03. August 2015, 12:28 Uhr
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Die Börse in Athen öffnet wieder nach fünf langen Wochen. Zuvor war die Eröffnung mehrfach verschoben worden.

von Andreas Toller

An der Athener Börse wird wieder gehandelt. Zum Start ging es 22 Prozent bergab. Einen Monat lang war der griechische Aktienmarkt geschlossen, es gibt viel nachzuholen. Wer leidet und wer profitiert?

Nach einem Monat Däumchendrehen können die Athener Börsenhändler demnächst endlich wieder Aktien handeln. Die Börse in Athen hat an diesem Montag den Handel wieder aufgenommen. Und wie erwartet ging es zunächst steil nach unten. Mit einem Minus von 22 Prozent beim Börsenindex Athex Composite ging es sogar etwas schneller abwärts als von Aktienhändlern zuvor erwartet. Viele hatten mit einem Kursrutsch zwischen 15 und 20 Prozent gerechnet.

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Wie der Vorsitzende der Wertpapieraufsichtsbehörde des Landes, Konstantinos Botopoulos, am vergangenen Freitag verlauten ließ, sollte die Athener Börse am Montag wieder öffnen, nachdem es in der vergangenen Woche mehrfach Verzögerungen gegeben hatte. Allerdings stand am Freitag noch ein Dekret des Finanzministeriums zu den Details der Handelsregeln aus, dass inzwischen vorliegt. Händler warteten schon seit Wochen darauf, endlich wieder ihre Tätigkeit aufnehmen zu können.

Freier Börsenhandel nur für Ausländer

Die Europäische Zentralbank hatte der Wiedereröffnung des Aktienmarktes bereits Anfang der Woche zugestimmt. Da der Handel für Griechen aber eingeschränkt werden sollte, verspätete sich der Börsenstart. Hintergrund waren Probleme mit den IT-Systemen der Banken, die die Beschränkungen umsetzen müssen. Für ausländische Investoren sollen diese nicht gelten.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte die Vorschläge zur Wiedereröffnung des Handels akzeptiert, nachdem sie zuvor deutlich gemacht hatte, dass es ohne Handelsbeschränkungen für Griechen nicht ginge. Zunächst war noch die Rede davon, dass Griechen nur mit einem beschränkten Budget an der Börse handeln dürften, zuletzt sollten sie ganz vom Börsenhandel ausgeschlossen werden. Nun ist eine Regel in Kraft getreten, die Griechen nur dann den Börsenhandel erlaubt, wenn sie dafür Geld aus dem Ausland dafür zurücktransferieren oder mit Bargeld zahlen. Da Bargeld in Griechenland derzeit nur begrenzt verfügbar ist - 420 Euro dürfen Griechen pro Woche von ihren Konten abheben - dürfte diese Handelsbeschränkung das Handelsvolumen deutlich bremsen.

Die Börse wurde wie die Banken in Griechenland am 26. Juni geschlossen. Wenige Stunden später verkündete Griechenlands Regierungschef Alexis Tsipras das Referendum zu dem von den Gläubigern geforderten Reformprogramm. Damals mussten auch die hellenischen Banken schließen. Die Banken konnten jedoch nach einer dreiwöchigen Zwangspause bereits am 20. Juli wieder ihre Schalter öffnen, nachdem klar war, dass Griechenland über ein drittes Hilfspaket mit EU-Kommission verhandelt. Der Kapitalverkehr der Banken ist aber weiter beschränkt. Bis auf weiteres bleibt es noch bei der beschränkten Bargeldauszahlung und dem Verbot von Geldtransfers ins Ausland im Rahmen der Kapitalverkehrskontrollen.

Die Geldhäuser von Thessaloniki bis Kreta leiden schon seit Monaten unter starken Einlagenabflüssen, die Ankündigung eines Referendum beschleunigte den Bankrun. Verängstige Bankkunden hatten aus Sorge, das Land könnte aus dem Euro ausscheiden, in Scharen ihre Konten geräumt. Die Institute sind deshalb in hohem Maße auf sogenannte Notfall-Liquiditätshilfen ihrer Athener Notenbank angewiesen, die von der EZB genehmigt werden.

Festhalten, es geht steil abwärts

Die Wiedereröffnung des Börsenhandels war zwar mit Spannung erwartet worden, verlief jedoch nicht ohne Schwierigkeiten. Eigentlich stehen Kapitalverkehrskontrollen einem normalen Börsenbetrieb entgegen, bei dem Anlagegelder international zirkulieren. Nun bestimmen ausschließlich ausländische Akteure über die Kursbewegungen.

Sicher ist, dass nach einem Monat voller Wendungen und Verhandlungen sich die Einschätzungen zu griechischen Aktien gründlich geändert haben. Das muss der Markt zunächst einpreisen. Dementsprechend eröffnete die Börse mit einem Minus von 22 Prozent. Besonders stark stürzten wie erwartet die Bankaktien ab. Die vier größten Banken lagen allesamt 30 Prozent im Minus, die nicht als systemrelevante Bank geltende Bank of Cyprus verlor hingegen nur 15 Prozent. Auch der Börsenbetreiber selbst, Hellenic Exchanges, sowie die Aktie des Hafenbetreibers Piräus Port Authority verloren 30 Prozent.

Am letzten Handelstag vor der Schließung der Athener Börse notierte der Athex Composite bei 797 Punkten und damit gut 40 Prozent über dem Allzeittief vom Mai 2012 und knapp 88 Prozent unter dem Allzeithoch vom Herbst 2007. Nach der Zwangspause und dem Crash zur Wiederöffnung des Handels notiert der Index nun bei 623 Punkten.

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