Börse in Japan: Monetäres Pearl Harbour

KommentarBörse in Japan: Monetäres Pearl Harbour

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Seit 1989 die Japanblase geplatzt ist, ist Japan nicht wieder aus den Schwierigkeiten heraus gekommen. Es lohnt sich, auf einen weiterhin schwachen Yen zu setzen

von Frank Doll

Getragen von einem schwachen Yen laufen die Kurse am Kabutocho stramm nach oben. Doch spätestens, wenn die Bank of Japan noch mehr Geld druckt, droht dem Yen der Kollaps.

Seit dem Platzen der großen Spekulationsblase von 1989 ist die japanische Wirtschaft nie mehr richtig auf die Beine gekommen – trotz zahlreicher staatlicher Konjunkturprogramme und geldpolitischer Lockerungen der Bank of Japan (BoJ). Dass die japanische Notenbank nun ihre ohnehin schon expansive Geldpolitik noch weiter lockert, wirkt vor diesem Hintergrund wie ein Akt der Verzweiflung.

Mit knapper Mehrheit von fünf zu vier Stimmen beschloss der geldpolitische Ausschuss der BoJ am vorvergangenen Freitag, die jährliche Ausweitung der Geldbasis durch Staatsanleihenkäufe auf rund 80 Billionen Yen, umgerechnet 704 Milliarden Dollar, zu erhöhen.

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Bisher lag diese Zielgröße bei 60 bis 70 Billionen Yen pro Jahr. Dem überraschenden Beschluss der BoJ folgte unmittelbar ein Schwächeanfall des Yen. Gegenüber dem Dollar brach der Kurs über eine bis 1998 zurückreichende Abwärtstrendlinie T1 aus (Punkt 1, siehe Chart).

Die Kursentwicklung des Dollar in Yen seit 1989

Die Kursentwicklung des Dollar in Yen seit 1989

2002 und 2006 endeten an T1 noch zwei Abwertungsrunden (2, 3). Jetzt dürfte sich die Schwäche des Yen fortsetzen. Das signalisiert auch eine umgekehrte Schulter-Kopf-Schulter-Formation (SKS-Formation). Aus dieser lässt sich ein Kursziel von mindestens 125 Yen pro Dollar ableiten.

1996 sorgte der Abschluss einer umgekehrten SKS-Formation für eine ausgeprägte Yen-Schwäche bis auf knapp 150 Yen pro Dollar (4). Bei etwa 125 Yen verläuft gegenwärtig eine bis 1986 zurückreichende Abwärtstrendlinie T2.

Internationaler Währungskrieg

Spätestens bei einem Ausbruch über T2 hätte Japan die nächste Runde im internationalen Währungskrieg eröffnet. Über den schwachen Yen exportiert das Land sinkende Preise und sinkende Wachstumsraten in den Rest der Welt, weil dort die Preisgestaltung der Exportprodukte über den Haufen geworfen wird. Das trifft alle Volkswirtschaften, die im Export stark mit Japan konkurrieren, vor allem Deutschland, China und andere asiatische Staaten.

Japan ist hoch verschuldet, die Quote liegt bei gut 240 Prozent der Wirtschaftsleistung. Etwa 40 Prozent der Steuereinnahmen gehen für den Zinsdienst drauf. Die größten Eigentümer japanischer Staatsanleihen (JGB) sind japanische Pensionskassen.

Allein der Government Pension Investment Fund (GPIF), der größte Pensionsfonds der Welt, hielt per Ende Juni umgerechnet 600 Milliarden Dollar oder 53,4 Prozent seiner Gesamtanlagen in heimischen Anleihen. Diese Quote soll jetzt auf 35 Prozent reduziert werden. Dafür will der GPIF unter anderem den Anteil von Fremdwährungsanleihen von 11 auf 15 Prozent erhöhen.

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Wenn sich dieser Trend fortsetzt und weitere Pensionskassen und Sozialversicherungen aus JGB in andere Währungen umschichten, dann drückte das den Yen weiter und schiebt die Renditen der Staatspapiere nach oben. Zweifel an der Schuldentragfähigkeit der Regierung ­kämen auf.

Spätestens wenn die BoJ dann noch mehr Geld druckt, droht dem Yen der Kollaps. Die BoJ hätte die Hoheit über Währung und Anleihenmarkt verloren. Gelder würden fluchtartig das Land verlassen.

Noch aber laufen die Kurse am Kabutocho, getragen von einem schwachen Yen, stramm nach oben. Befeuert wird die Hausse von den geplanten Aktienkäufen des staatlichen Pensionsfonds und der Notenbank selbst. Der GPIF plant für umgerechnet 86 Milliarden Dollar den Kauf japanischer und für gut 100 Milliarden Dollar den Kauf ausländischer Dividendentitel.

Die BoJ will ihre Aktienbestände durch den Kauf von Indexfonds um gut 40 Prozent auf umgerechnet 88 Milliarden Dollar erhöhen. Ohne Währungsabsicherung sollten Anleger in Tokio aber nicht mitspielen.

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