Börse: Undurchsichtiger Aktienhandel

KommentarBörse: Undurchsichtiger Aktienhandel

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Annina Reimann

von Annina Reimann

Immer mehr Aktiengeschäfte laufen nicht mehr über die Börsen, alternative Plattformen machen das Geschäft. Für Privatanleger ist das eher schlecht. Ein Kommentar von Annina Reimann.

Die Deutsche Börse und die Nyse Euronext wähnen sich auf ihrem Weg zur angestrebten Fusion einen Schritt weiter: Er habe von europäischen Aufsichtsbehörden positive Rückmeldung für den Zusammenschluss erhalten, sagte Nyse-Euronext-Chef Duncan Niederauer Anfang der Woche: „Wir werden mit Sicherheit 2011 Entscheidungen treffen.“

Mitte der Woche holte sich Niederauer Verstärkung von Deutsche-Börse-Chef Reto Francioni und warb bei Investoren und Analysten in Eschborn bei Frankfurt für die Fusion: Sie bringe finanzielle Vorteile, attraktive Wachstumschancen und innovative Produkte.

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Wachstum haben die Börsen auch bitter nötig. Nicht nur die New Yorker verlieren Handelsumsatz an außerbörsliche Handelsplattformen. Auch die Deutschen gaben seit Anfang 2009 mehr als zehn Prozentpunkte Marktanteil am Handel mit Dax-Aktien an die alternativen Handelsplattformen Chi-X, Turquoise, BATS und Co. ab.

Börsenhandel neu verteilt

Heute liegt der Dax-Marktanteil der Deutschen Börse bei unter 70 Prozent. Auch das Volumen ist mau: Handelten Börsianer vor der weltweiten Finanzkrise 2007 noch für 2443 Milliarden Euro über die elektronische Handelsplattform Xetra, so lag das Volumen 2010 nur noch bei etwa der Hälfte.

Um wenigstens bei den Privatanlegern nicht noch Marktanteile zu verlieren, öffnet der Frankfurter Börsenhandel – nicht der auf Xetra – seit voriger Woche statt um 9.00 Uhr schon um 8.00 Uhr.

Die Börse folgt damit der bei Privaten sehr erfolgreichen Börse Stuttgart und will Wertpapierhandelshäusern wie Lang & Schwarz in Düsseldorf, die mit außerbörslichem Handel frühmorgens gutes Geld verdienen, wieder ein Stück Geschäft abnehmen. Lösen wird das die Erosion der Umsätze nicht: Weit unter zehn Prozent des Handelsvolumens entfallen auf Privatanleger.

An der Börse vorbei

Banken wollen Gebühren sparen und vor allem die Handelsspannen aus Kauf- und Verkaufskursen selbst einstreichen. Daten des Informationsdienstes Fidessa zeigen, dass im Mai rund 60 Prozent des weltweiten Handels mit Siemens-Aktien über außerbörsliche Plattformen (OTC, englisch für  "over the counter") lief. Bei Privatkunden gehen Banken außerdem zunehmend dazu über, Aktienkäufe und -verkäufe von Kunden intern miteinander zu verrechnen. Für Anleger kann dies ein Problem werden: Geschäfte, die über die Börse liefen, sind transparent, der Handel wird offiziell überwacht. Was eine Bank intern in ihren Handelssystemen treibt, ist sehr viel weniger gut nachvollziehbar.

Zudem entzieht der Trend zum OTC-Handel den Börsen Liquidität. Börsenkurse sind um so fairer, je mehr Marktteilnehmer an ihrem Zustandekommen beteiligt sind. Wenn ein Großteil der Geschäfte in dunklen Räumen abläuft, verliert der Börsenpreis seine Qualität.

Darunter leiden diejenigen, die am wenigsten Marktmacht und die geringste Chance haben, einen eigenen Preis durchzusetzen: die Privaten.

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