Börse: Welche Chancen der Computerhandel Anlegern bringt

Börse: Welche Chancen der Computerhandel Anlegern bringt

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Duell der Computer

von Yvonne Esterházy, Annina Reimann und Elke Pickartz

Der superschnelle Handel per Computer dominiert die Börsen. Welche Gefahren der automatische Handel für die Finanzmärkte birgt und wo sich Chancen für Anleger bieten.

Ein Handelsraum in einem Londoner Nobelviertel an einem Montagmorgen. Es herrscht Stille. Auf einem Flachbildschirm flimmern streng geheime Handelsmodelle: Eine rote Zickzackkurve leuchtet, daneben drängen sich amöbenartige Gebilde ins Zentrum eines Kreises, ein dreidimensionaler Würfel öffnet sich einer hügligen Grafiklandschaft. Der Mathematiker, der die Modelle ausgetüftelt hat, deutet auf den rechten Rand des Würfels: „Die rote Ecke ist ein Warnsignal, die hellblauen und grünen Balken zeigen, dass alles gut ist.“ Mit seinem Fonds erzielt er zweistellige Renditen, seinen Namen will er nicht gedruckt sehen.

Börsengeschäft in Millisekunden

Er ist Hochfrequenzhändler, ein Exemplar jener geheimnisvollen Spezies, deren Software in Millisekunden nach programmierten Handlungsanweisungen (Algorithmen) automatisch massenweise Kauf- und Verkaufsaufträge in den digitalen Börsen-Orbit feuert und dabei minimale Kursunterschiede zwischen Börsen nutzt.

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Er handelt nicht selbst, das macht sein Computer. Und doch wirkt er, als stehe er unter Strom. Fünf Stunden Schlaf reichen ihm, er arbeitet bis zwei Uhr morgens.

Der Markt schläft nie – und im Kampf um Sekundenbruchteile konkurriert der Fondsmanager mit Investmentbanken, Hedgefonds und Tradern, die auf eigene Rechnung handeln. Was zählt in diesem Kampf, sind gute Programme, hochgerüstete Rechner und schnelle Datenverbindung zu Marktplätzen. Um einige Tausendstelsekunden schneller zu sein, stellen Hochfrequenzhändler ihre Zentralrechner direkt neben den Servern der Börsen auf. Für die Nähe zu den Börsen zahlen sie umgerechnet bis zu 150.000 Euro im Jahr. Am Montag erst stellte die Deutsche Börse den Hauptrechner ihres Handelssystems Xetra in das Rechenzentrum der Frankfurter Equinix, in dem auch die Server der Algo-Trader eingemietet sind. Vorher stand der Xetra-Rechner einige Kilometer weiter entfernt.

Möglichst kurzer Code

Wichtig ist auch, dass die Programme knapp geschrieben sind. „Bei jeder Zeile meines Codes frage ich mich: Ist sie nötig? Die Präzisionsarbeit ist mit Formel-1-Technik vergleichbar“, sagt der Londoner. Besonders komplex sind die Modelle, bei denen Geschwindigkeit zählt, nicht. Am billigeren Handelsplatz wird gekauft und andernorts teurer verkauft. „Das sind statistische Modelle von der Stange, entscheidend ist nur, wie ich sie kombiniere.“

Ortswechsel. In Frankfurt referiert Ex-Börsenmitarbeiter Martin Steinbach vor 60 Managern über Algo-Handel. Gespannt lauschen sie dem heutigen Ernst & Young-Berater, schreiben eifrig Tipps in ihre Blöcke. „Haben Sie schon überlegt, Ihre Firmennachrichten maschinenlesbar zu machen?“, fragt Steinbach. Ahnungslose Stille. „So ziehen Sie Algo-Trader an, die Strategien auf Nachrichten ausrichten, das erhöht das Handelsvolumen in Ihren Aktien“, erklärt Steinbach. Aktien, die viel gehandelt werden, also liquide sind, locken neue Investoren an.

Doch Algo-Trader bringen nicht nur die erwünschte Liquidität in den Handel. Notenbanker und Börsenaufseher warnen vor den Gefahren des schnellen Handels, bei dem nur noch Maschinen entscheiden. Er kann Trends verstärken und Kurse stark schwanken lassen – bis hin zum Crash: „Die Computer verselbstständigen sich. Es wird schwierig, in den Handelshäusern Leute zu finden, die einem sagen, warum das Programm gerade so agiert“, sagt ein Börsenaufseher.

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