Börsen: Ein Crash ist jederzeit möglich

KommentarBörsen: Ein Crash ist jederzeit möglich

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Ben Bernanke auf dem Bildschirm auf dem Parkett des New York Stock Exchange. Die Fed wird ihr Liquiditätsprogramm auf absehbare Zeit nicht beenden.

von Frank Doll

Die größte Blase aller Zeiten ist geplatzt. Die Notenbanken haben die Kontrolle über die von ihnen manipulierten Finanzmärkte verloren. Der globale Zinsanstieg bedroht Weltwirtschaft und Währungen, die Gefahr sozialer Unruhen wächst.

Der flächendeckende Kurssturz an den Finanzmärkten hat nichts mit einem geldpolitischen Richtungswechsel der US-Notenbank zu tun. Auf der jüngsten Sitzung des Offenmarktausschusses der Federal Reserve (Fed) am Dienstag und Mittwoch dieser Woche wurde diesbezüglich nichts Neues beschlossen. Außerdem wissen die Akteure an den Märkten sehr gut, dass die Fed ihr akademisch mit "Quantitative Easing" (QE) bezeichnetes Liquiditätsprogramm mit Blick auf die amerikanischen Staatsschulden, einer sich rapide abschwächenden Weltwirtschaft und nicht zuletzt mit Blick auf die eigene Existenz auf absehbare Zeit nicht beenden wird.

Am Mittwoch und Donnerstag sind nur weitere Spekulationsblasen geplatzt, die von den Notenbanken in den vergangenen Jahren geschaffen wurden. Dazu gehören unter anderem die Kreditblasen in Japan, China und den USA, die Immobilienblasen in Australien und Kanada sowie die Blase am US-Aktienmarkt. Tatsächlich haben die Notenbanken das Vertrauen der Anleger verspielt und damit die Kontrolle über die von ihnen manipulierten Märkte.

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Angestochen wurden die Spekulationsblasen bereits am 9. Mai 2013. Dieser Tag wird womöglich als Tag des Beginns einer weiteren großen Finanzkrise in die Geschichtsbücher eingehen. An diesem Tag übersprang die japanische Währung Yen nach einem vorherigen fast 30-prozentigen Wertverlust gegenüber dem Dollar die psychologisch wichtige Marke von 100 Yen pro Dollar. Mit dem steilen Anstieg der Renditen japanischer Staatsanleihen einen Tag später kam es zu einem ersten Beben an den Finanzmärkten. Seitdem nimmt die Volatilität an den Finanzmärkten ständig zu. Zuerst beim Yen, anschließend bei japanischen Aktien, den Anleihen- und Aktienmärkten der Schwellenländer und zuletzt an den chinesischen und amerikanischen Anleihenmärkten.

Der Welt droht eine beispiellose Finanzkrise. Im Mittelpunkt der Krise stehen die Staatsschulden der Industriestaaten sowie deren Notenbanken und Währungen. Takeshi Fujimaki, ein früherer Berater von Starinvestor George Soros, geht davon aus, dass sich der scharfe Zinsanstieg in Japan fortsetzen wird. Die BoJ habe alle Werkzeuge zur Manipulation des Anleihemarktes verschlissen und jetzt die Kontrolle verloren. Behält Fujimaki recht, wäre Japan in Kürze bankrott.

Brasilianische Bilder und schlaflose Nächte in Peking

Unruhe auch am chinesischen Anleihemarkt. Die Rendite der bis zum Januar 2016 laufenden Staatsanleihe (Kupon: 3,1 Prozent) sprang am Mittwoch um 39 Basispunkte auf 3,74 Prozent. Die jetzt inverse Renditekurve in China ähnelt jener in den USA vor Beginn der Rezession Ende 2007. Noch schlimmer: Die jüngste Explosion der Refinanzierungskosten der chinesischen Banken erinnert stark an den sich damals im explodierenden Ted-Spread spiegelnden Vertrauensverlust unter den US-Banken vor der Lehman-Pleite. In der vergangenen Woche hatten die Overnight-Repo-Sätze mit 25 Prozent vorübergehend einen Rekordwert erreicht. Das Gegenparteirisiko ist auch im chinesischen Interbankenmarkt angekommen. Am Freitag ist die chinesische Notenbank dann mit einer Liquiditätsspritze von 50 Milliarden Yuan beigesprungen.

Diese Maßnahme zielt nach Marktbeobachtern unter anderem ab auf Finanzierungsprobleme der Industrial and Commercial Bank of China (ICBC), der gemessen an ihren Vermögenswerten größten Bank der Welt. Nach Schätzungen der Ratingagentur Fitch summierte sich die gesamtwirtschaftliche Kreditvergabe einschließlich des Schattenbankensystems Ende 2012 auf rund 200 Prozent der chinesischen Wirtschaftsleistung. 2008 lag der Wert noch bei 125 Prozent. Höhe und Wachstumstempo der chinesischen Kredite übertrifft damit jenes in Japan und Südkorea vor dem Ausbruch der dortigen Bankenkrisen 1990 und 1998. Regierung und Notenbank in China stecken in einem Dilemma. Die bereits wieder überhitzten Immobilienpreise bei gleichzeitiger Konjunkturabschwächung erhöhen die Gefahr sozialer Unruhen. Die Bilder aus Rio de Janeiro dürften den Machthabern in Peking schlaflose Nächte bereiten.

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7 Kommentare zu Börsen: Ein Crash ist jederzeit möglich

  • Kann man bei Japan - USA - China noch davon ausgehen,
    daß die Probleme national und hausgemacht sind, so dürfte
    die Tragik bei der BRD liegen, daß sie mit den Programmen
    des Triumvirats von EZB - ESM - Bankenunion von einem
    'Europa' mit einem - Germany's Asset Stripping - fertig ge-
    macht wird! AfD!

  • Lieber Frank Doll, vielen Dank für Ihre Zeilen.
    Jedes Mal, wenn ich einen Ihrer Artikel lese, spüre ich ganz deutlich, daß ich in der Beurteilung der Finanzlage noch nicht der Verblödung anheim gefallen bin!!!Sie geben vielen von uns das Gefühl wieder, daß nicht alle Journalisten nur noch an ihre beschi...Karriere denken, sondern durchaus kritisch und nicht stromlinienförmig berichten. Das ist eigentlich für uns das Wichtigste, wissen wir doch schon längst, was die Glocke geschlagen hat.

  • Bis fast zum Ende habe ich das für einen SciFi-Jux gehalten ...
    AfD!

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