Börsenaufsicht ermittelt: Insiderhandel bei Warren Buffetts Ketchup-Deal?

Börsenaufsicht ermittelt: Insiderhandel bei Warren Buffetts Ketchup-Deal?

Die US-Börsenaufsicht verdächtigt bislang unbekannte Anleger, frühzeitig von der Milliardenübernahme gewusst und mit Börsengeschäften ein Vermögen gemacht zu haben. Die Spur führt nach Europa.

Die 23 Milliarden Dollar schwere Übernahme des amerikanischen Ketchup-Königs H.J. Heinz bekommt einen bitteren Beigeschmack. Die US-Börsenaufsicht SEC hat auffällige Börsengeschäfte entdeckt und vermutet verbotenen Insiderhandel. Nun stellt sich die Frage: Wer könnte den Deal ausgeplaudert haben? Es geht um viel Geld.

Die SEC ließ am Freitag per Eilbeschluss von einem Gericht das Vermögen in einem Depot einfrieren, über das die verdächtigen Geschäfte liefen. Wer die Besitzer des Depots sind, ist allerdings vollkommen unklar. Es handele sich entweder um ausländische Anleger oder um Anleger, die über das Ausland gehandelt hätten, erklärte die Börsenaufsicht.

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Die Ermittler konnten die Spur bis zu einem Konto in Zürich zurückverfolgen. Die SEC hegt den Verdacht, dass die Besitzer des Kontos durch einen Tipp Wind von der anstehenden Heinz-Übernahme durch Starinvestor Warren Buffett und den Finanzinvestor 3G Capital bekommen hatten. Sie hätten daraufhin am Mittwoch massenhaft sogenannte Optionen gekauft, so die Mutmaßung. Durch diese lässt sich mit einem geringen Einsatz auf ein Kursplus wetten.

Diese Aktien hat Buffett im Depot

  • Coca Cola

    Anzahl der Aktien: 200 Millionen

    Anteil am gesamten Unternehmen: 8,73 Prozent

    Anteil in Buffetts Portfolio: 21,6 Prozent

  • Wells Fargo

    Anzahl der Aktien: 320 Millionen

    Anteil am gesamten Unternehmen: 6,51 Prozent

    Anteil in Buffetts Portfolio: 19,56 Prozent

  • American Express

    Anzahl der Aktien: 151,6 Millionen

    Anteil am gesamten Unternehmen: 12,67 Prozent

    Anteil in Buffetts Portfolio: 19,56 Prozent

  • Procter & Gamble

    Anzahl der Aktien: 79,1 Millionen

    Anteil am gesamten Unternehmen: 2,74 Prozent

    Anteil in Buffetts Portfolio: 9,83 Prozent

  • Kraft Foods

    Anzahl der Aktien: 58,8 Millionen

    Anteil am gesamten Unternehmen: 3,4 Prozent

    Anteil in Buffetts Portfolio: 5,8 Prozent

  • Wal Mart

    Anzahl der Aktien: 39 Millionen

    Anteil am gesamten Unternehmen: 1,1 Prozent

    Anteil in Buffetts Portfolio: 4,26 Prozent

  • Wesco Financial

    Anzahl der Aktien: 5,7 Millionen

    Anteil am gesamten Unternehmen: 80,1 Prozent

    Anteil in Buffetts Portfolio: 4,32 Prozent

  • Conoco Phillips

    Anzahl der Aktien: 34,2 Millionen

    Anteil am gesamten Unternehmen: 1,93 Prozent

    Anteil in Buffetts Portfolio: 3,43 Prozent

  • US Bancorp

    Anzahl der Aktien: 69 Millionen

    Anteil am gesamten Unternehmen: 3,59 Prozent

    Anteil in Buffetts Portfolio: 3,51 Prozent

  • Johnson & Johnson

    Anzahl der Aktien: 10,3 Millionen

    Anteil am gesamten Unternehmen: 0,5 Prozent

    Anteil in Buffetts Portfolio: 2,7 Prozent

    Stand: 14.08.2012, Quelle: SEC, eigene Recherchen

Nach Kenntnis der SEC kauften die Anleger Optionen für 90.000 Dollar. Als die Übernahme am Donnerstag offiziell verkündet wurde, sprang die Heinz-Aktie um 20 Prozent hoch. Durch die Hebelwirkung der Optionsgeschäfte sahnten die unbekannten Anleger aber noch weit mehr ab. Sie machten laut SEC einen Reibach von 1,7 Millionen Dollar.

Zusammen mit dem ursprünglichen Einsatz liegen damit nun Werte von 1,8 Millionen Dollar in dem fraglichen Depot. Wenn die Unbekannten an ihr Vermögen heranwollten, müssten sie vor Gericht erscheinen und ihr Handeln erläutern, sagte SEC-Mitarbeiter Sanjay Wadhwa.

Bekannt ist: Die Geschäfte wurden über die US-Investmentbank Goldman Sachs abgewickelt, die selbst allerdings nicht Gegenstand der Ermittlungen ist. Das Wall-Street-Haus kooperiert nach eigenen Angaben mit der SEC.

Sollte sich der Verdacht des Insiderhandels erhärten, wäre das insbesondere für Warren Buffett ein Schlag. Der 82-jährige Chef und Hauptaktionär der Investmentholding Berkshire Hathaway legt besonderen Wert auf saubere Geschäfte. Schon vor zwei Jahren trennte er sich wegen zweifelhafter Aktienkäufe von seinem wichtigen Manager und möglichen Nachfolger David Sokol.

Vermögen hat nicht gereicht Starinvestor Buffett wollte New Yorker Börse kaufen

Dass Warren Buffett einmal zu wenig Geld haben sollte, klingt nahezu unmöglich. Für den Kauf der New Yorker Börse hat dann aber auch sein Vermögen nicht gereicht. Der Invetsmentguru wurde überboten.

huGO-BildID: 26742781 FILE- In this Tuesday, June 5, 2012, file photo, Warren Buffett, chairman and CEO, Berkshire Hathaway, Inc., speaks during the Economic Club of Washington's 25th anniversary celebration dinner in Washington,. Warren Buffett's Berkshire Hathaway Inc. said Tuesday, June 12, 2012, it is offering to buy the mortgage division and loan portfolio of Residential Capital LLC, which filed for bankruptcy protection in May. (Foto:Cliff Owen, File/AP/dapd) Quelle: dapd

Das Problem bei den Ermittlungen nach dem möglichen Leck ist, dass es zahlreiche Mitwisser bei der größten Übernahme in der Lebensmittel-Branche gab: beteiligte Anwälte und Banker, das Management von Heinz und die Seite der Käufer. Sie werden sich nun Fragen der Börsenaufseher gefallen lassen müssen.

Insiderhandel ist verboten, weil Börsengeschäfte auf Basis vertraulicher Informationen andere Anleger benachteiligen. Es gab in den USA zuletzt eine ganze Reihe von Verurteilungen in derartigen Fällen.

Bereits am späten Donnerstag hatten erste Spekulationen über verdächtige Optionsgeschäfte sowie ein Eingreifen der SEC die Runde gemacht. „Irreguläre oder hochgradig auffällige Optionsgeschäfte vor einer Fusion oder Übernahme sind ein ernstes Warnsignal, dass Anleger möglicherweise unlauter mittels geheimer Informationen gehandelt haben“, sagte SEC-Ermittler Daniel Hawke.

Weitere Artikel

Der Name von Buffetts Partnerfirma 3G Capital fiel bereits in einem anderem Fall von möglichem Insiderhandel im vergangenen Jahr. Dieses Mal ging es um die Übernahme der Fastfood-Kette Burger King im Jahr 2010. Die Börsenaufsicht SEC ließ vergangenen September das Vermögen eines Bankers einfrieren, weil sie verbotenen Handel witterte. Der Insidertipp soll dabei von einem Geschäftspartner von 3G gekommen sein. Gegen den Finanzinvestor selbst wurden keine Vorwürfe erhoben.

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