
In den USA sprechen sich die meisten Wissenschaftler und Regulierer klar gegen ein Verbot von Wetten auf fallende Kurse aus. "Wenn die Zeiten turbulent werden, ist die Versuchung groß, Leerverkäufe dafür verantwortlich zu machen. Aber in der Realität tut man dem Markt damit keinen Gefallen", sagte James Angel, Wirtschaftsprofessor an der Washingtoner Georgetown-Universität.
Angel und andere Fachleute verweisen auf die Erfahrungen, die US-Behörden im Krisenherbst 2008 mit dem Verbot dieser von Profi-Händlern als "Alltagsgeschäft" betrachteten Art von Wertpapiertransaktion gesammelt haben. Dabei leiht man sich eine Aktie, um sie an der Börse zu verkaufen. Die Hoffnung: Wenn der Kurs fällt, erwirbt man sie zu einem günstigeren Preis zurück. Die Differenz zwischen dem hohen Verkaufserlös und niedrigeren Rückkaufpreis ist dann der Gewinn. Zumindest in der Öffentlichkeit ist die Annahme weit verbreitet, dass diese Strategie unnötig Druck auf Aktienkurse ausübt und zu einem Dominoeffekt führt.
Verbot nach der Lehman-Pleite
Als die Kurse der US-Institute nach dem Kollaps der Investmentbank Lehman Brothers Mitte September 2008 einbrachen, drängte die Politik die Aufseher deshalb zum Handeln. Die Börsenaufsicht SEC untersagte für die Zeit vom 18. September bis zum 8. Oktober 2008 jegliche Leerverkäufe für 799 Finanzaktien. Die Folge: Die Kurse zogen kurzfristig an - um dann allerdings noch innerhalb dieser Zeitspanne wieder voll auf den alten Abwärtstrend einzuschwenken. Die Maßnahme sei der "größte Fehler" seiner Amtszeit gewesen, urteilte Ende 2008 der damalige Chef der Börsenaufsicht SEC, Chris Cox, über seinen Notfallerlass. Die auf Druck der Politik eingeführte Maßnahme habe die Situation eher verschlimmert als verbessert.














