Bild: dpaDie im Mai oder Juni erwartete Wiederaufnahme von Börsengängen in China dürfte sich einem Zeitungsbericht zufolge noch bis Juli verzögern. Die Behörden machten sich Sorgen über den Zustand der Wirtschaft und würden deshalb erst im dritten Quartal wieder IPOs zulassen, hieß es in dem amtlichen "China Securities Journal". Die Börsenaufsicht hatte die Genehmigung von Börsengängen im Oktober eingestellt, um das Angebot zu drosseln, den Aktienmarkt zu stabilisieren und die Qualität der IPOs zu verbessern. Viele Branchenkenner hatten erwartet, dass die Behörde im Mai oder Juni eine Wiederaufnahme ankündigen wird.
Im vergangenen Jahr bot sich an den westlichen Märkten ein ganz ähnliches Bild - wenn auch nicht ausschließlich krisenbedingt.
Bild: dpaRheinmetall/KSPG
Der Rüstungskonzern Rheinmetall wollte seine Autosparte ursprünglich Mitte 2012 auf das Börsenparkett schicken. Nachdem die IPO bereits einmal verschoben wurde, blies Rheinmetall den Börsengang der Autosparte KSPG (früher Kolbenschmidt Pierburg) im September 2012 vorerst ab.
Der Grund für die Absage war - zumindest indirekt, die Eurokrise: Aufgrund der nach wie vor hohen wirtschaftlichen und politischen Unsicherheiten in der Eurozone sah man für einen überschaubaren Zeitraum keine Voraussetzungen für einen Börsengang von KSPG, teilte die Rheinmetall AG in Düsseldorf mit.
KSPG stellt Motorteile und Abgassysteme her und gehört mit rund 30 Standorten auf der ganzen Welt zu den Top 100 der Autozulieferer. Größter Kunde der Rüstungssparte ist mit etwa 30 Prozent Umsatzanteil die Bundeswehr. Der Anteil ausländischer Kunden wächst. Getragen von guten Geschäften in der Autosparte hatte Rheinmetall im ersten Halbjahr 2012 Gewinn und Umsatz gesteigert. Der Überschuss stieg um rund 9 Prozent auf 82 Millionen Euro. Der Umsatz kletterte um 9 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro. Während sich die Autosparte in guter Verfassung präsentierte, schrumpften in der Rüstungssparte die Ergebnisse. Bei der Halbjahresbilanz im August sprach Eberhardt von einer „besonderen Herausforderung“, die Unternehmensziele in der Rüstungssparte in den kommenden Monaten zu erreichen. Hintergrund sind rückläufige Verteidigungsausgaben in Europa und den USA
Prognose: Ein Börsengang von KSPG bleibe eine Option für die Zukunft, „wenn mit Blick auf die Märkte das erforderliche Maß an nachhaltiger Stabilität gegeben sei“.
Bild: dpa/dpawebTalanx
Nur einen Tag vor dem Rüstungskonzern Rheinmetall ließ der Versicherer Talanx seinen Börsengang platzen - dabei hätte es der größte deutsche Börsengang des Jahres werden sollen.
Grund für die Absage: Der Vorstandschef Herbert Haas blies plötzlich zum Rückzug, weil die Anleger nicht bereit waren, genug für die Aktie zu bezahlen. Versicherungsanalyst Christian Muschick von Silvia Quandt Research vermutet, dass die Struktur von Talanx institutionellen Investoren, beispielsweise großen Aktienfonds, zu kompliziert erschien. Schließlich besteht rund die Hälfte des Geschäfts aus der Mehrheitsbeteiligung an der weltweiten Nummer drei der Rückversicherer, der Hannover Rück.
Talanx-Vorsitzender Haas schob den Banken die Schuld für die Absage in die Schuhe. Die Institute, die den seit langem geplanten Schritt des deutschen Branchendritten aufs Parkett betreuten, hätten die tatsächliche Risikobereitschaft der Investoren falsch eingeschätzt. Dabei habe Talanx gar keine überzogenen Vorstellungen gehabt. „Das war kein Griff nach den Sternen“, erklärte der Vorstandschef.
Am zweiten Oktober 2012 hat sich Talanx - entgegen der Prognosen der Analysten - doch noch aufs Parkett gewagt. Der Versicherer habe sich auf eine "lange Rennstrecke begeben, die schon lange nicht mehr befahren wurde", erklärte Vorstandschef Herbert Haas den Schlingerkurs des Unternehmens. Immerhin: Das Börsendebüt war zwar zittrig, ist aber gelungen.
Bild: REUTERSGraff
Ende Mai 2012 sagte der britische Edel-Juwelier Graff Diamonds seinen für die erste Juniwoche geplanten Milliarden-Börsengang in Hongkong ab.
Grund: "Anhaltend fallende Aktienmärkte stellten ein signifikantes Hindernis dar, die Transaktion zum jetzigen Zeitpunkt durchzuführen", hieß es in einer Mitteilung des Konzerns. Auch das Debakel um die Facebook-Aktie 2012 dürfte dem Unternehmen den Wind aus den Segeln genommen haben.
Prognose: Die IPO ist bis auf unbestimmte Zeit verschoben
Bild: dpaFormel I
Am ersten Juni 2012 wurde der Börsengang der Formel Eins vorerst auf Eis gelegt. Drei Milliarden Dollar hätte der Schritt auf das Parkett in Singapur bringen sollen. die Börse dort hatte bereits grünes Licht gegeben, die Ausgabepreise hätten Ende Juni festgelegt werden sollen.
Der Grund für die Absage war, wie bei vielen anderen Unternehmen auch, die Unruhe auf den Märkten.
Prognose: 2013 könnte das Jahr des Formel 1-Börsenganges werden. "Im vergangenen Jahr dachte ich, dass die Märkte nicht bereit wären. Aber jetzt wird es wahrscheinlicher, dass sich eine Gelegenheit bieten könnte", sagte Bernie Ecclestone im März in einem Interview auf der offiziellen Formel-1-Internetseite.
Bild: REUTERSEvonik
Am 1 Juni 2012 cancelte der deutsche Chemiekonzern Evonik den für Ende Juni geplanten Börsengang. Zuvor war der Gang aufs Parkett bereits zwei mal verschoben worden.
Grund: Auch der Chemiebranche verhagelte die Eurokrisen die IPO - und zwar auf gleiche Art wie dem Versicherer Talanx. Wegen der Unsicherheit der Märkte wollten die Anleger nicht so viel für eine Aktie zahlen, wie es sich die RAG-Stiftung gewünscht die. Die Stiftung hält 74,99 Prozent an dem Unternehmen.
Am 25. April 2013 ging der Chemiekonzern dann doch an die Börse. Die Papiere von Evonik konnten am ersten Tag an der Börse leichte Gewinne verzeichnen.
Bild: dpaOsram
Gut einen Monat später, am 26. Juli, ruderte Siemens beim Börsengang seiner Licht- und Leuchtentochter Osram zurück. Ende 2011 wurde die IPO noch auf den September 2012 verschoben. Noch Anfang Juli hatte man am Börsenstart im Herbst 2012 festgehalten.
Grund: "Wir spüren eine zunehmende Investitionszurückhaltung bei unseren Kunden und einen stärkeren konjunkturellen Gegenwind", begründete Vorstandschef Peter Löscher den Schritt.
Prognose: Anfang Mai 2013 wurde bekannt, dass Osram noch im Juli 2013 an die Börse soll.
Die im Mai oder Juni erwartete Wiederaufnahme von Börsengängen in China dürfte sich einem Zeitungsbericht zufolge noch bis Juli verzögern. Die Behörden machten sich Sorgen über den Zustand der Wirtschaft und würden deshalb erst im dritten Quartal wieder IPOs zulassen, hieß es in dem amtlichen "China Securities Journal". Die Börsenaufsicht hatte die Genehmigung von Börsengängen im Oktober eingestellt, um das Angebot zu drosseln, den Aktienmarkt zu stabilisieren und die Qualität der IPOs zu verbessern. Viele Branchenkenner hatten erwartet, dass die Behörde im Mai oder Juni eine Wiederaufnahme ankündigen wird.
Im vergangenen Jahr bot sich an den westlichen Märkten ein ganz ähnliches Bild - wenn auch nicht ausschließlich krisenbedingt.
Das Unternehmen musste eine erste Zeichnungsfrist erst verlängern und die Preisspanne deutlich verringern, bis die Aktie am vergangenen Donnerstag schließlich zum denkbar niedrigsten Kurs von 15,50 Euro an der Frankfurter Börse notierte.
Damit blieb Hess deutlich hinter den Erwartungen von Fondsmanagern zurück, die der Aktie vor dem Börsengang einen Preis zwischen 18 und 18,50 Euro zugetraut hatten.
Am Ende mögen die hohen Schulden für die bescheidene Performance verantwortlich sein. Hess hatte sie aufgenommen, um mehr Großprojekte – unter anderem im Nahen Osten – zu stemmen; zukünftig will sich das Unternehmen vor allem darüber einen Namen machen. Konkret sind im ersten Halbjahr 2012 allein die kurzfristigen Verbindlichkeiten um über 50 Prozent auf knapp 50 Millionen Euro gestiegen.
Ob von den 35,5 Millionen Euro, die Hess nun an neuem Kapital einstreichen konnte, immer noch rund zehn Millionen Euro in die Schuldentilgung fließen werden, ist fraglich. Ursprünglich hatte das Unternehmen mit frischem Kapital von bis zu 52,9 Millionen Euro gerechnet.
Ehrgeizige Prognosen
Auch die ehrgeizigen Umsatzprognosen, die Hess in Aussicht stellte, mögen Investoren weiterhin zu hoch erschienen sein. Der größte Schwachpunkt, der geringe Nettogewinn (1,3 Millionen Euro 2011, 1,6 Millionen Euro prognostiziert für 2012), bleibt. Der ließe sich nur steigern, wenn die Prognosen zum Umsatzwachstum auch so eintreffen – dafür müsste der Markt der LED-Leuchten wie erwartet wachsen und Hess mehr Großprojekte – auch mit Hilfe der Tochter Emdelight – an Land ziehen.
o2 im schwierigen Umfeld
Angesichts der zurückhaltenden Investoren könnte es auch für die Telefónica Deutschland, besser bekannt unter der Marke o2, schwer werden. Am Montag endet die Zeichnungsfrist für 250 Millionen Aktien. Die Tochter der spanischen Telefónica kämpft seit geraumer Zeit um Marktanteile und kann zukünftig kaum auf Umsatzsteigerungen hoffen.
Der Börsengang zum jetzigen Zeitpunkt geschieht auch aus Verzweiflung – die spanische Mutter steckt in Geldnot. Innerhalb der ohnehin engen Preisspanne von 5,25 bis 6,50 Euro pro Aktie hat sich ein derzeitiger Graumarktkurs von 5,70 bis 5,80 Euro eingependelt. Damit könnten Telefónica Deutschland rund 1,5 Milliarden Euro an neuem Kapital zufließen.























