Börsengang von Alibaba: Chinas Megakonzern greift an

Börsengang von Alibaba: Chinas Megakonzern greift an

von Andreas Toller und Stephan Happel

Chinas Internet-Riese Alibaba will beim Börsengang mehr Geld einsammeln als je ein Unternehmen zuvor. Damit will der Konzern Amazon und Ebay überholen. Aber Geld allein wird dazu nicht reichen.

300 Millionen Kunden soll Alibaba haben. 80 Prozent aller Online-Käufe in China wickelt der Konzern ab. Der Warenumsatz ist dreimal so groß wie der von Amazon. Und dabei verdient Alibaba viel besser also als der amerikanische Online-Händler, die Auktionsplattform Ebay - und sogar also der Online-Krake Google. Vom unmittelbaren Handelsumsatz des Unternehmens von rund acht Milliarden Dollar im vergangenen Geschäftsjahr bleibt fast die Hälfte. 3,6 Milliarden Dollar, als Gewinn in den Alibaba-Kassen. Die Gewinnmarge ist damit mehr als doppelt so hoch wie beim Großverdiener Apple.

Seine Gewinne bringt Alibaba jetzt im ganz großen Stil an die New Yorker Börse. Weil es Ausländern verboten ist, Anteile an einem chinesischen Unternehmen zu besitzen, überträgt Alibaba alle Gewinne an eine Gesellschaft im Steuerparadies Cayman Islands.

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Diese Form, chinesisches Recht zu umgehen, haben auch andere Unternehmen aus dem Reich der Mitte schon erfolgreich praktiziert, um Aktien im Ausland verkaufen zu dürfen. Alibabas Aktien sollen ab Freitag, 19. September, an der Wall Street notieren - und zuvor bis zu 24,3 Milliarden Dollar von Investoren weltweit einsammeln. Mehr hat noch kein Unternehmen zuvor durch einen Börsengang kassiert.

Der Aufstieg von Alibaba

  • Chinesischer Riese

    Chinas größter Online-Händler Alibaba will bei seinem Börsengang in New York alle Rekorde knacken. Ein Überblick.

    Quellen: rtr / Unternehmen

  • 1999

    Der frühere Englischlehrer Jack Ma gründet Alibaba mit 17 Mitstreitern in seiner Wohnung. Alibaba.com ist die erste Internet-Handelsplattform in China.

  • 2002

    Die Firma arbeitet bereits profitabel.

  • 2003

    Alibaba startet das Internet-Auktionshaus Taobao sowie das Online-Zahlungssystem Alipay.

  • 2005

    Yahoo steigt bei Alibaba ein und zahlt eine Milliarde Dollar für einen 40-Prozent-Anteil. Alibaba übernimmt Yahoo China. Quasi über Nacht ist Alibaba nun in fast allen lukrativen Internetbereichen stark.

  • 2007

    Alibaba.com geht am 6. November an die Hongkonger Börse. Die Plattform nimmt dabei 1,5 Milliarden Dollar ein.

  • 2011

    Alibaba gründet Ali Finance, einen Ableger, der klassische Dienstleistungen einer Bank anbietet.

  • 2012

    Alibaba.com gibt sein Listing an der Börse in Hongkong wieder auf, um den Weg für einen Mega-Börsengang des gesamten Konglomerats in den USA frei zu machen. Yahoo beginnt zudem damit, seinen Anteil an Alibaba zu verringern und hält seit September 2012 nur noch 24 Prozent.

  • 2013

    Alibaba ernennt Firmen-Urgestein Jonathan Lu zum Nachfolger von Konzernchef und -Gründer Ma. Ma begleitet sein Unternehmen nur noch als Verwaltungsratschef. Alibaba steigt zudem bei der chinesischen Twitter -Version Weibo ein und verschafft sich damit ein Standbein im rasant wachsenden Markt mit Internet-Netzwerken.

  • 2014

    Das chinesische Amazon -Pendant strebt an die New Yorker Börse. Aus einem 18-Mann-Betrieb hat Ma einen Konzern mit rund 25.000 Mitarbeitern und 300 Millionen Kunden geformt.

Damit wagt ein Quasi-Monopolist aus seinem abgeschotteten Markt im bevölkerungsreichsten Land der Erde den Sprung in das Herz des Kapitalismus. Die Vorfreude in New York auf den Rekord-IPO ist groß, die Voraussetzungen für einen erfolgreiche Börsenstory sind günstig. Alibaba wird das größte Unternehmen aus China an einer US-Börse sein.

Alibaba-Gründer Jack Ma tourt bereits um die Welt, um Käufer für die neuen Aktien zu finden. Er will mindestens 21,1 Milliarden Dollar für die Anteile. Nur wenn die Nachfrage hoch genug ist, sollen weitere Aktien nochmal 3,2 Milliarden Dollar einbringen. Deshalb bietet er zunächst 320 Millionen Aktien für einen Preis zwischen 60 und 66 Dollar das Stück an. Innerhalb dieser Preisspanne können Investoren Angebote für Aktienpakete abgeben.

Wenn die Aktien reichlich Abnehmer für 66 Dollar finden, dürfte die Mehrzuteilungsoption für weitere 48 Millionen Aktien an die Börse kommen. Am 18. September will Alibaba mitteilen, zu welchem Preis die Papiere an die Investoren ausgegeben werden.

Die wichtigsten Bereiche von Alibaba

  • Tmall

    Die B2C-Plattform bietet seit 2008 Unternehmen die Möglichkeit, Produkte an private Endverbraucher zu verkaufen. Rund 70 000 Marken chinesischer und westlicher Hersteller sind gelistet, im Gegensatz zu Taobao werden dort keine Fälschungen gehandelt. „Tmall kann für ausländische Unternehmen sehr interessant werden, um chinesische Kunden zu erreichen“, sagt der in Peking ansässige Technologieexperte Bill Bishop.

  • Taobao

    Die Plattform für Privatgeschäfte ist das größte und wichtigste Alibaba-Feld. Sie ging 2003 online und funktioniert ähnlich wie der amerikanische Konkurrent Ebay. Auf Taobao treffen Konsumenten auf andere Konsumenten und Kleinunternehmer, im Gegensatz zu Ebay sind die Preise aber fest. Mitte 2012 waren 500 Millionen Nutzer registriert, damit zählt Taobao zu den 20 am häufigsten besuchten Web-Sites weltweit. 2012 lag das Verkaufsvolumen von Taobao und Tmall zusammen bei umgerechnet rund 125 Milliarden Euro.

  • Alipay

    Alipay ist das Online-Bezahlsystem von Alibaba und mit dem Ebay-Ableger Paypal vergleichbar. Ende 2012 waren dort 800 Millionen Nutzer registriert. Wie Paypal hat Alipay eine Treuhand-Funktion und überweist das Geld des Käufers erst an den Verkäufer, wenn die Ware eingetroffen ist. Alipay geht nicht mit Alibaba an die Börse.

  • Alibaba.com

    Die kommerzielle Handelsplattform ist die älteste Einheit des Konzerns und auf den internationalen Handel ausgerichtet. Sie war von 2007 bis 2012 schon einmal börsennotiert. 2012 waren dort 36,7 Millionen Unternehmen aus 240 Ländern registriert.

Das alles klingt nach Goldrausch und Kursrakete. Dabei kannte noch vor ein paar Monaten hierzulande und in Übersee kaum jemand Alibaba und seinen Gründer Jack Ma - der zugleich der reichste Mann Chinas ist. Das hat einen guten Grund, denn Alibaba profitiert davon, dass westliche Internetriesen wie Amazon, Ebay, Google und Facebook in China nicht erwünscht sind, weil sie sich nicht an die dortigen Spielregeln halten wollen, etwa zur Zensur. Somit bleibt es Chinas Unternehmen selbst vorbehalten, den riesigen heimischen Markt zu bedienen - unbeeinflusst von der mächtigen Konkurrenz aus den USA.

Das hat Alibaba groß gemacht. Das Internet-Versandhaus ist seit seiner Gründung vor 15 Jahren rasant gewachsen. Über Alibaba-Portale werden heute weit mehr Waren verkauft als bei Amazon und Ebay zusammen. Mit den Milliarden aus dem Börsengang will Alibaba noch viel größer werden. Die spannende Frage ist daher, wozu Jack Ma die Milliarden aus dem Aktienverkauf verwenden will und wie seine Wachstumsstrategie aussieht. Ist soviel Geld überhaupt nötig oder sinnvoll einsetzbar?

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