Börsengang von Steilmann: Unbeirrbar aufs Börsenparkett

Börsengang von Steilmann: Unbeirrbar aufs Börsenparkett

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Das Modeunternehmen Steilmann will durch einen Börsengang Kapital für die Mehrheitsübernahme an der Modekette Adler einsammeln

von Andreas Toller

Trotz schwierigen Aktienmarkts und zuletzt eher zäher Börsengänge bei Schaeffler, Covestro und Co. halten einige Kandidaten unbeirrt an ihren Plänen fest. Der Gang aufs Parkett wird so zum Sprung ins kalte Wasser.

Bei den Börsendebütanten der vergangenen Wochen lief es nur selten glatt, gleich mehrfach mussten sich die Aspiranten von ihren ehrgeizigen Plänen, das Geld der Anleger einzusammeln, verabschieden. Viele mussten und müssen nun kleinere Brötchen backen.

Mit Billigmode an die Börse

Das westfälische Modehaus Steilmann, deren Kollektionen etwa bei Galeria Kaufhof oder Karstadt angeboten werden, greift nach der Mehrheit an der Billigmodekette Adler. Bislang teilt sich Steilmann einen 53-Prozent-Anteil mit dem Finanzinvestor Equinox. Um dessen Anteile zu übernehmen, will das Unternehmen durch einen Börsengang das nötige Kapital einsammeln – insgesamt 98 Millionen Euro. Seit Montagabend liegt ein Börsenprospekt für das neue Aktienangebot vor und gewährt Einblick in Geschäfte und Pläne von Steilmann. Bis zu 19,55 Millionen Steilmann-Aktien können seit diesem Dienstag und noch bis zum 22. Oktober gezeichnet werden. Die Preisspanne liegt bei 3,50 bis 5,00 Euro je Aktie. Die Altaktionäre, darunter der italienische Familienclan Radici und Giazzi, wollen ihre Beteiligung damit auf bis zu 51 Prozent abschmelzen lassen. Sie selbst verkaufen aber keine Aktien.

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Börsengang von Steilmann Unbeirrbar aufs Börsenparkett

Trotz schwierigen Aktienmarkts und zuletzt eher zäher Börsengänge bei Schaeffler, Covestro und Co. halten einige Kandidaten unbeirrt an ihren Plänen fest. Der Gang aufs Parkett wird so zum Sprung ins kalte Wasser.

Das Modeunternehmen Steilmann will durch einen Börsengang Kapital für die Mehrheitsübernahme an der Modekette Adler einsammeln Quelle: dpa

Miro Radici und seine Co-Investoren hatten das 1958 von Klaus Steilmann gegründete, aber in Schieflage geratene Unternehmen 2006 übernommen und damit vor der Insolvenz gerettet. Am 27. Oktober soll der Handel mit Steilmann-Aktien an der Frankfurter Börse beginnen. Gelingt die Platzierung der Mode-Aktien, würde das Bergkamener Unternehmen mit 130 bis knapp 200 Millionen Euro bewertet. Gemessen am Umsatz mit der von eigenen Designern entworfenen und in Asien und Rumänien produzierten Mode für die Altersgruppe ab 45 Jahren erscheint das nicht zu hoch gegriffen, gemessen an dem Verlust von 4,2 Millionen Euro im Jahr 2014 und einem Minus von 19,5 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2015 allerdings schon. Die angestrebten 98 Millionen Euro Börsenerlös will Steilmann-Chef Michele Puller verwenden um Finanzinvestor Equinox aus Adler herauszukaufen. geschätzte Kosten: 41 Millionen Euro. Die übrigen 57 Millionen sollen vor allem in die Eröffnung neuer Verkaufsflächen und Übernahmen von Wettbewerbern fließen.

Chorus Clean Energy, Schaeffler und Covestro ohne Glanz und Gloria

Die Container-Reederei Hapag-Lloyd hält an ihren Börsenplänen fest, obwohl das Marktumfeld für Börsengänge alles andere als einfach ist. Die Bayer-Kunststoffsparte Covestro notiert zwar seit dem ersten Handelstag am vergangenen Dienstag deutlich oberhalb der 24 Euro, zu dem die Aktien nach Ablauf der Zeichnungsfrist zugeteilt wurden, hatte im Vorfeld aber Mühe, alle Aktien bei Investoren zu platzieren und musste den Börsenstart einige Tage nach hinten verschieben und die Preisspanne senken.

Fakten zu Hapag Lloyd

  • Umsatz 2009-2014

    2014: 6,808 Mrd. Euro

    2013: 6,567 Mrd. Euro

    2012: 6,844 Mrd. Euro

    2011: 6,103 Mrd. Euro

    2010: 6,204 Mrd. Euro

    2009: 3,326 Mrd. Euro

    Quelle: Hapag Lloyd

  • Konzernergebnis 2009-2014

    2014: -604 Mio. Euro

    2013: -97 Mio. Euro

    2012: -128 Mio. Euro

    2011: -29 Mio. Euro

    2010: 428 Mio. Euro

    2009: -678 Mio. Euro

    Quelle: Hapag Lloyd

  • Aktionäre

    - CSAV 34,0 %
    - Stadt Hamburg 23,2 %
    - Kühne Maritime (Klaus-Michael Kühne) 20.8 %
    - Tui 13,9 %
    - Signal Iduna Gruppe 3,3 %
    - Investorenpool unter Leitung von M.M. Warburg 1,9 %
    - HSH Nordbank 1,8 %
    - HanseMerkur Versicherungsgruppe 1,1 %

    Quelle: Alphaliner

Der Maschinenbauer Schaeffler strich die Aktienemission deutlich zusammen, ließ sich mit der Erstnotiz ein paar Tage mehr Zeit und verzichtete so ebenfalls auf viel frisches Geld. Mit 13,50 Euro lag der erste Börsenkurs nur einen Euro über dem Ausgabepreis und hält sich seitdem mühsam im Plus. Baustoffhersteller Xella sagte seinen Börsengang gleich komplett ab, der langjährige Vorstandschef Jan Buck-Emden verließ kurz darauf abrupt das Unternehmen.

Hapag-Lloyd im Börsenneulingscheck

  • Branche

    Reederei

    Quelle: Unternehmen, eigene Recherchen

    Stand: 01.10.2015

  • Umsatz

    2014: 6,8 Mrd. Euro

    2015¹: 9,1 Mrd. Euro

    2016¹: 9,2 Mrd. Euro

    ¹ Schätzung

  • Nettogewinn

    2014: -604 Mio. Euro

    2015¹: 198 Mio. Euro

    2016¹: 343 Mio. Euro

    ¹ Schätzung

  • Konsortialbanken

    Berenberg, Deutsche Bank, Goldman Sachs

  • Zeichnungsspanne (Preis pro Aktie)

    noch nicht bekannt

  • Wert der angebotenen Aktien

    Wert der angebotenen Aktien¹: bis zu 450 Millionen Euro

    davon aus Kapitalerhöhung: bis zu 357 Millionen Euro

    ¹ am oberen Ende der Preisspanne einschließlich Mehrzuteilungsoption

  • Marktkapitalisierung

    Marktkapitalisierung¹: bis zu 4,5 Milliarden Euro

    ¹ am oberen Ende der Preisspanne einschließlich Mehrzuteilungsoption

  • Kurs-Gewinn-Verhältnis

    Kurs-Gewinn-Verhältnis¹,²:

    2014: Verlust

    2015: 32,0

    2016: unter 10

    ¹ von 2015 an Schätzung

    ² am oberen Ende der Preisspanne einschließlich Mehrzuteilungsoption

  • Zeichnungsfrist

    kurzfristig

  • Erster Börsentag

    in den nächsten Wochen

  • ISIN

    noch nicht bekannt

  • Risiko

    erhöht

  • Empfehlung

    bis 28 Euro zeichnen

Das Ökostrom-Unternehmen Chorus Clean Energy kam beim Börsendebüt am vergangenen Mittwoch nicht über den Ausgabepreis von 9,75 Euro hinaus und musste in den folgenden Handelstagen sogar Kursverluste hinnehmen. Das Umfeld für Börsenneulinge bleibt somit schwierig. Zwar haben die Notenbanken viel Geld in die Märkte gepumpt, so dass die Investoren mit vollen Kassen auf Investmentchancen lauern. Doch sind sie bei der Auswahl kritisch und nicht bereit, große Risiken einzugehen oder hohe Summen auf einmal zu investieren. Die Zeit der Euphorie unter den Börsenkandidaten scheint sich ihrem Ende zu nähern, bevor sie richtig begonnen hat.

Hapag-Lloyd bleibt unbeirrt

Die Reederei Hapag-Lloyd gab hingegen am vergangenen Wochenende bekannt, an ihren Börsenplänen festzuhalten.

Aktien & Börse

Aus Unternehmenssicht ist es ein guter Moment", sagte Hapag-Chef Rolf Habben Jansen der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Nach der Rückkehr in die Gewinnzone und der erfolgreichen Übernahme und Integration des chilenischen Wettbewerbers CSAV gäbe es starke Argumente für die Gespräche mit Investoren. Allerdings fallen auch bei Hapag-Lloyd die Börsenpläne deutlich kleiner aus, als zunächst erwartet. Statt eines Milliardenvolumens sollen nun Aktien im Wert von 450 Millionen Euro angeboten werden.

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