Börsenherbst: "Für Aktien ein fast perfektes Szenario"

InterviewBörsenherbst: "Für Aktien ein fast perfektes Szenario"

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Robert Halver, Leiter der Kapitalmarktanalyse bei der Münchener Baader Bank an seinem Arbeitsplatz, der Frankfurter Börse

von Andreas Toller

Kaum jemand ist so nah am Börsengeschehen wie Robert Halver. Warum er trotz der Krisen in Syrien und Eurozone optimistisch bleibt, die Bundestagswahl fast egal ist und was Anleger im heißen Herbst erwartet.

Wiwo.de: Herr Halver, der Börsensommer lief für viele besser als erwartet. Aktuell belastet jedoch der Syrien-Konflikt die Märkte. Was sind die Befürchtungen?

Robert Halver: Geopolitische Risiken sind schwer einzuschätzen. Ist es ein kurzer Konflikt oder einer mit Kollateralschäden für die gesamte Region und die Ölversorgung? Einige Finanzmarktteilnehmer befürchten, dass es nicht bei einem kurzen, „chirurgischen“ Militärschlag gegen Syrien bleiben könnte. Denn Erfahrungen im Irak und Afghanistan zeigen, dass kriegerische Auseinandersetzungen deutlich länger andauern und die Weltbörsen nachhaltig verunsichern können. Außerdem ist Syrien ein hoch militarisierter Staat, der als Gegenreaktion auch die Nachbarländer Türkei oder Israel in Mitleidenschaft ziehen könnten. Schnell könnte das zu einem Regionalkonflikt eskalieren, der auch die verbündeten Syriens, den Iran, Russland und China, mit einbezieht.

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Wie würden die Märke darauf reagieren?

Sichere Häfen wie Gold und Silber, Staatsanleihen der USA, der Schweiz und Deutschlands wären heißbegehrt. Daneben würde der Ölpreis dramatisch ansteigen. Die Aktienmärkte hätten bei dieser Flucht in die Sicherheit das Nachsehen.

Zur Person

  • Robert Halver

    Robert Halver, Jahrgang 1963, ist seit 2008 Leiter der Kapitalmarktanalyse der Baader Bank. Seine Laufbahn begann er nach dem BWL-Studium als Wertpapieranalyst bei der Sparkasse Essen, später war er Wertpapierstratege beim Bankhaus Delbrück und der Schweizer Bank Vontobel. Halver ist gefragter Experte und eins der bekannten Gesichter vom Frankfurter Börsenparkett.

Gold, Ölpreis sowie Bundes- und US-Anleihen verzeichnen bereits Anstiege. Wird das so weitergehen?

Nach meiner Einschätzung nicht. Die USA, Großbritannien und Frankreich beabsichtigen nicht, das Regime Assad zu beseitigen, werden also keinen langwierigen Bodenkrieg durchführen. Es geht darum, ein Zeichen gegen den Gasangriff zu setzen. Die westliche Welt weiß um das politische und religiöse Pulverfass Syrien und hat aus den Konflikten mit Afghanistan und Irak gelernt. Interessanterweise bleiben auch die russische und chinesische Regierung vergleichsweise ruhig. Offensichtlich hat man sich mit Moskau und Peking schon auf einen begrenzten Militärschlag verständigt. Das nährt die Hoffnung, dass - wenn die Kanonen tatsächlich donnern, dies aber nur kurzfristig tun - wieder der positive konjunkturelle und geldpolitische Status Quo marktbestimmend sein wird und Aktien beflügelt werden.

Welche Themen entscheiden denn mittel- bis langfristig über den Börsentrend?

Die Stimmung ist aktuell verhalten. Darüber hinaus gibt es drei Themen, die den Aktienmarkt in Deutschland bewegen. Erstens: Wann und wie kommt das Tapering, also die Drosselung der milliardenschweren Geldspritzen durch die US-Notenbank. Dabei wird uns eine Liquiditätswüste sicherlich nicht drohen, im Gegenteil. Zweitens die Bundestagswahl - wobei die Börse sowohl mit Schwarz-Gelb als auch mit einer Großen Koalition zurechtkäme. Und drittens das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zu den Staatsanleihekäufen der Europäischen Zentralbank. Dabei gehe ich aber davon aus, dass die Karlsruher Richter das Ankaufprogramm für Staatsanleihen durch die EZB mit kleinen Auflagen durchwinken werden und somit von dieser Seite kein Ungemach für die weitere Euro-Stabilisierung droht.

Wann werden sich diese Faktoren an der Börse niederschlagen?

Entscheidend ist, dass diese Verunsicherungsfaktoren Anfang Herbst aus der Welt geschafft wurden, dass also aus Unsicherheit Fakten werden. Mit 8200 Punkten im DAX sind wir nicht wirklich weit vom Allzeithoch entfernt. Vor dem Hintergrund, dass die Probleme in der Eurozone zwar nicht gelöst, aber zumindest zugeschüttet sind, haben wir recht stabile Kurse. Es fehlen im Moment nur etwas die Anschlusskäufe, um die Börse nachhaltig über das Rekordhoch zu hieven. Pessimistisch muss man jedoch nicht sein.

Spricht die Konjunkturentwicklung für einen weiteren Kursanstieg, oder ist das schon längst eingepreist?

Ich erwarte für die Euro-Zone positive konjunkturelle Überraschungen, wenn auch absolut betrachtet auf immer noch schwachem Niveau. Einen kräftigen Aufschwung werden wir nicht erleben. 2014 wird es dann noch besser laufen, weil sich dann die Weltkonjunktur festigt - etwa in Amerika - und die Chinesen und Japaner mit billigem Geld nachhelfen. In Deutschland leben wir ganz gut von der Weltwirtschaft und haben ein gesundes Konsumklima entwickelt – auch weil wir auf unsere Sparbücher und Festgelder kaum Zinsen bekommen. Die Leute geben ihr Geld lieber aus.

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3 Kommentare zu Börsenherbst: "Für Aktien ein fast perfektes Szenario"

  • Fast jeder Vulkan hat eine Caldera - ist also auch zugeschüttet und dennoch wahnsinnig gefährlich. Er hat es auf den Punkt gebracht: kein einziges Problem wurde gelöst. Seit gestern steht jedenfalls die erste Rauchwolke über dem Vulkan; eigentlich schon länger, wenn man sich die Entwicklung des Bund Future anschaut. Dazu kommt: der September hat eine grottenschlechte Statistik, da hilft auch kein Schönreden.
    Erst Mitte Oktober wird man sehen was von den Märkten übriggeblieben ist. Im übrigen bin ich der Meinung, daß eine 4-jährige Fortsetzung dieser Rettungspolitik Deutschlands Untergang ist. Blockparteien abwählen.

  • Wenn "Interessenvertreter" argumentieren kann nur so was dabei rauskommen. Wir sind also "alle in besten Händen bei der Finanzwirtschaft"!? Ein wenig hier dran drehen, Schulden von links nach rechts verschieben, ab und an mal ne neue Badbank aufmachen, die Zentralbanken fehlendes (nicht erarbeitetes) Geld zur Verfügung stellen lassen, Aktien kaufen da Sachvermögen (bei den Unternehmensschulden dürfen aber auf keinen Fall mehr Käufer ausfallen, sonst gehen dort die Lichter aus als uns allen lieb ist), selten so einen "kreativen Müll gehört". Das könnte ja das Paradies sein, warum nicht aufhören zu arbeiten, mit 50 in Rente und statt dessen die Finanzwirtschaft völlig frei arbeiten lassen um somit das nötige Kapital aus dem "Nichts zu erzeugen". Es geht nichts über reale Wertschöpfung und Schulden die zur realen Wirtschaftsleistung passen. Davon entfernen wir uns seit Jahren, dank solcher "Zauberlehrlinge", die uns suggerieren, man könnte ein bestehendes Geldsystem ständig manipulieren und Grundsätze der Geldgesetzte außer Kraft setzen. Gewinner sind nur die Manipulateure, die restlichen 95% zahlen später im Crash die Zeche. In Deutschland haben schon die ersten Lebensversicherer Probleme ihre Zusagen zu erfüllen und das wird bestimmt nicht besser. E wird Zeit aus dem "Spielkasino" auszusteigen bevor es zu spät ist. Game over.

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