Börsenkommentar: Weniger Zins ist manchmal mehr

KommentarBörsenkommentar: Weniger Zins ist manchmal mehr

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Annina Reimann

von Annina Reimann

Mittelständler sammeln Geld am Kapitalmarkt. Leichtfertig geben sollten wir es ihnen nicht.

Nach nur drei Tagen hatten Anleger die 50 Millionen Euro schwere 7,5-Prozent-Anleihe des Werkzeugmaschinenherstellers MAG komplett gekauft. Auch der 50-Millionen-Euro-Bond des Solarmodulbauers Centrosolar läuft gut: In den ersten beiden Tagen der Zeichnungsfrist legten sich Investoren schon zweistellige Millionenbeträge ins Depot. Anleger reißen sich um renditeträchtige Papiere mittelständischer Unternehmen. 6,5 bis 9,25 Prozent Zinsen versprechen diese fünf Jahre lang zu bezahlen. Die Börsen wittern neues Geschäft und befeuern das Interesse, sie haben dreistellige Millionenemissionen in der Pipeline. Der Erfolg der -Börse Stuttgart mit dem Mittelstandssegment Bondm ruft Nachahmer auf den Plan. Nach München (m:access bonds, seit November) und Düsseldorf (Mittelstandsmarkt, bis April) erweitert die Börse Frankfurt am 14. Februar ihr Handelssegment Entry Standard um Unternehmensanleihen.

Anleger sollten Prospekte studieren

Doch bevor Anleger Papiere von Bondneulingen wie MAG oder Centrosolar ins Depot packen, sollten sie deren Wertpapierprospekte studieren. Da lesen sie zum Beispiel, dass die meisten mittelständischen Papiere mit einem Emittenten-Kündigungsrecht versehen sind. Centrosolar etwa kann ihre Anleihe mit einer Frist von sechs Wochen jeweils zum 14. Februar eines Jahres zum Nennbetrag kündigen. Will heißen: Anleger bekommen im Falle einer Kündigung 100 Prozent (1000 Euro je Anleihe) überwiesen. Dann aber verlören sie mögliche Kursgewinne. Centrosolar zahlt sieben Prozent Zinsen, und viele Hochzinsanleihen machen schnell ein paar Prozent Kursgewinn.

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Bei der Emission von 3W Power Holdings (AEG Power Solutions) störte etwas anderes: Die Berliner Makler von mwb fairtrade handelten das Papier schon weit unter 100 Prozent, als die Bank Close Brothers Seydler und die Börse Stuttgart Zeichnern die Anleihe zu 100 ins Depot schoben.

Kleine Portionen

Anleger müssen bei kapitalmarktunerfahrenen Firmen auch mit nur schleppendem Informationsfluss rechnen. So gab beim Maschinenbauer Rena eine freundliche Dame aus der Marketingabteilung (!) Informationen. Die Banken haben es bis heute nicht geschafft, alle Rena-Anleihen für 75 Millionen Euro zu platzieren. Anleger zeichneten seit Dezember trotz sieben Prozent Kupon erst 30 Millionen. Das ist schlecht für die Liquidität: Je weniger Volumen ein Bond hat, desto weniger Käufer und Verkäufer gibt es täglich an der Börse. Wenn viele schnell verkaufen, finden Anleger kaum Käufer, die Kurse schnellen nach unten. 

Wer investiert, sollte in kleinen Portionen kaufen. Wenn man zehn verschiedene Anleihen zu je 1000 Euro kauft, dauert es bei 5,5 Prozent Rendite zwei Jahre, um den Ausfall eines einzigen Papiers zu verkraften. Erst dann gleichen die Zinsen der restlichen neun Firmen 1000 Euro Verlust aus.

Manchmal ist weniger Zins eben doch mehr.

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