Börsenstart 8.Juli: Osram-Aktie wird zur trüben Funzel

Börsenstart 8.Juli: Osram-Aktie wird zur trüben Funzel

Siemens bringt Aktien seiner Leuchtmitteltochter Osram an die Börse. Auf ein Kursfeuerwerk sollte aber vorerst kein Anleger hoffen. Selbst das Management ist für den Börsenstart pessimistisch.

Osram ist nicht nur ein namhafter wie traditionsreicher Hersteller von Leuchtmitteln – die früher Glühbirnen genannt werden durften und heute vorzugsweise aus stromsparenden LEDs bestehen. Osram sollte ursprünglich beim Börsengang auch für Aktienanleger hell strahlen. Aber die Börsenpläne von 2011 scheiterten am schwierigen Kapitalmarkt und der notwendigen Umstrukturierung des Unternehmens. Siemens will seine Tochter offenbar um jeden Preis loswerden, weil sich das Geschäft mit Leuchtmitteln zur Dauerbaustelle entwickelt hat. Nach der Präsentation des Börsenprospekts wird einmal mehr deutlich: Große Leuchtkraft wird die Osram-Aktie an der Börse so schnell nicht entfalten. Osram selbst warnt sogar vorsorglich vor Kursverlusten nach Aufnahme der Börsennotierung.

Dabei gibt es die Aktie für Siemens-Aktionäre sogar kostenlos. Der Münchner Konzern wollte nicht mehr in das zunehmend unsichere und umkämpfte Leuchtmittelgeschäft investieren und zog es vor, die Aktien an seine Eigentümer zu verschenken. Der Münchener Industriekonzern hatte vergeblich versucht, seine Lichtsparte, die bereits seit 1920 zum Konzern gehört, auf normalem Weg an die Börse zu bringen. Nachdem dies scheiterte, beschloss die Konzernspitze stattdessen, 80,5 Prozent der Papiere an die Siemens-Aktionäre zu verteilen. Vom Rest verbleiben 17 Prozent bei Siemens sowie 2,5 Prozent beim eigenen Pensionsfonds.

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Die Siemens-Aktionäre bekommen am Abend des 5. Juli gut 84 Millionen Osram-Papiere zu einem rechnerischen Wert von jeweils 30,85 Euro ins Depot gebucht. Am Montag darauf, dem 8. Juli, wird die Aktie erstmals eigenständig an der Börse gehandelt. Mit einem Volumen von mehr als 2,5 Milliarden Euro zählt die Osram-Aktienplatzierung zu den größten des Jahres.

Quelle: dpa/Montage

Aber zahlreiche Siemens-Aktionäre, die die Osram-Aktien automatisch ins Depot gebucht bekommen, dürften diese bald nach der Erstnotiz am 8. Juli gleich wieder auf den Markt werfen, heißt es in dem Börsenprospekt. So können zum Beispiel Index-Fonds, die den Dax abbilden, nichts mit Osram-Anteilsscheinen anfangen. Es sei daher nicht unwahrscheinlich, dass unmittelbar nach Zulassung der Aktien zur amtlichen Notierung ein erheblicher Verkaufsdruck entsteht, lautet der Kommentar im Wertpapierprospekt. Ein Investmentbanker schätzt gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, dass rund um den Börsengang 40 bis 50 Prozent der Osram-Aktien einen neuen Eigentümer bekommen werden - ein Milliardenvolumen. Anleger, die trotz der wirtschaftlichen Schwierigkeiten in Osram investieren wollen, sollten also zumindest das befürchtete Kursgewitter abwarten, bevor sie einsteigen.

Spekulationen Kion setzt zum Sprung an die Börse an

Der Wiesbadener Gabelstaplerhersteller Kion steht Insidern zufolge in den Startlöchern für einen Börsengang. "Kion wird seine Pläne Anfang der Woche vorstellen", sagte eine mit den Börsenplänen vertraute Person.

Der Wiesbadener Gabelstaplerhersteller Kion steht Insidern zufolge in den Startlöchern für einen Börsengang. "Kion wird seine Pläne Anfang der Woche vorstellen", sagte eine mit den Börsenplänen vertraute Person. Quelle: dpa

Allein der Buchwert von Osram – also das Unternehmensvermögen vermindert um Schulden und Abschreibungen - liegt laut Börsenprospekt bei 2,18 Milliarden Euro. Der von Siemens errechnete Wert des Unternehmens soll hingegen bei 3,23 Milliarden Euro liegen. Das entspräche einem Kurs von 20,85 Euro. Die Commerzbank, die bei der Osram-Platzierung hilft, kommt in einer Analyse auf einen Wert von 32 bis 40 Euro je Aktie, die ebenfalls beteiligte Hamburger Privatbank Berenberg errechnet in einer Studie einen etwas niedrigeren Wert. Bei einer Aktienausgabe zu 30,85 Euro je Papier ist die Aktie daher ehrgeizig bewertet. Selbst als Gratisaktie spricht seitens der neuen Aktionäre also einiges dafür, schnell Kasse zu machen. Wer mag, kann darauf setzen, dass die Aktien später billiger zu haben sind.

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