Börsenstart der Siemenstochter: Börsenneuling Osram schlägt sich tapfer

Börsenstart der Siemenstochter: Börsenneuling Osram schlägt sich tapfer

, aktualisiert 08. Juli 2013, 19:34 Uhr
von Stefan Hajek

Dass der Lichtkonzern Osram im zweiten Anlauf den Schritt in die Selbstständigkeit geschafft hat, bescherte Siemens am Montag kräftige Kursgewinne. Am Abend gingen die Papiere mit 23,80 Euro aus dem Handel und notierten damit nicht weit unter dem Startkurs von 24,00 Euro.

Im dritten Anlauf hat es nun geklappt: Siemens ist seine Lichttochter Osram losgeworden. Im April 2011 hatte der Konzern versucht, Osram an die Börse zu bringen, da sie nicht mehr ins „strategische Konzept“ passe, so die offizielle Version. Doch der Börsengang musste abgeblasen werden. Investoren bemängelten die schwache Profitabilität, das teils veraltete Produktportfolio und die große Marktunsicherheit in der Leuchtmittelindustrie, die gerade in der größten Umwälzung seit Erfindung der Glühbirne steckt. 2012 wurde auch ein Verkauf an Investoren geprüft, es gab aber angeblich keine ernsthaften Gebote.

Deshalb wurde Osram nun abgespalten. Zum Start auf dem Parkett schlug sich der Lichtspezialist am Montag tapfer. Am Abend gingen die Papiere mit 23,80 Euro aus dem Handel und notierten damit nicht weit unter dem Startkurs von 24,00 Euro. Wo die Reise hingeht, dürfte sich aber ohnehin erst in den kommenden Tagen und Wochen zeigen.

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Das Verfahren ist selten, denn es bringt weder Mutter noch Tochter frisches Geld. Am Abend des 5. Juli wurden 80,5 Prozent der 104,7 Millionen Osram-Aktien unter den Siemens-Aktionären verteilt; diese bekommen je zehn Siemens eine Osram. Siemens behält rund 17 Prozent; 2,5 Prozent bekommt die eigene Pensionskasse übertragen. Für Anleger, die sowohl Siemens- als auch Osram-Aktien im Depot haben, kommt es darauf an, ob die Börse die Summe der beiden Papiere höher bewerten wird als die alten Siemens-Aktien. Hoffnung besteht. Bayer wählte 2005 ein Spin-off, um die damals margenschwache Färb- und Gerb-Chemie sowie die Kautschukproduktion loszuwerden. Lanxess wurde saniert und gewann an der Börse zeitweise 250 Prozent.

Börsenneuling Osram im Check
BrancheLichttechnik
Mitarbeiter39.000
ISINDE000LED4000
KonsortialbankenDeutsche Bank, Goldman Sachs, UBS
Erstnotiz8. Juli 13
Wert der ausgegebenen Aktien12,96 Milliarden Euro
Börsenwert¹'²3,66 Milliarden Euro
Umsatz 2011/12/13/14/15³5031/5399/5290/5400/5550
Nettogewinn 2011/12/13/14/15³246/(–378)/18/200/300
Kurs-Gewinn-Verhältnis 2011/12/13/14/1515/Verlust/203/18/12
fairer Wert⁴27 Euro
Risikohoch
Empfehlungnicht kaufen
¹ bei einem Aktienkurs im mittleren Bereich der Analystenschätzungen (= 35 Euro); ² inklusive der bei Siemens verbleibenden 19,5 Prozent Osram-Aktien; ³ in Millionen Euro; 2013, 2014 und 2015 geschätzt; ⁴ WirtschaftsWoche-Schätzung; Quelle: Prospekt, Banken

Mit Osram werden die Anleger mehr Geduld brauchen: Weil viele Siemens-Aktionäre, etwa Dax-Indexfonds, mit dem Papier nichts anfangen können, droht Verkaufsdruck. Mehr als 40 Prozent der Osram-Aktien könnten den Besitzer wechseln, auch haben sich Siemens und die Pensionskasse keine bindenden Haltefristen (Lock-ups) für die bei ihnen verbleibenden rund 20 Millionen Osram-Aktien auferlegt. Schließlich könnten Hedgefonds verlockt werden, die Papiere zu leihen und auf den Markt zu werfen, um so den Preis zu drücken. Wäre der Kurs erst tief genug, könnten allerdings Schnäppchenjäger die Aktie einsammeln. Immerhin ist Osram neben Philips der weltweit führende Leuchtmittelhersteller.

Der Markt ist nicht uninteressant: Er wächst pro Jahr um vier Prozent und dürfte 2020 ein Volumen von 115 Milliarden Euro haben. Banken schätzen, dass Osram 2015 zwischen 5,5 Milliarden und 6,2 Milliarden Euro umsetzen wird. Doch die Prognose ist unsicher, denn der Markt ändert sich rapide. Das Geschäft mit Glühbirnen, in dem Osram ein komfortables Auskommen im globalen Oligopol (mit Philips und GE) gefunden hatte, ist tot; mit Energiesparlampen, Halogen und Neonröhren wird Osram noch ein paar Jahre gutes Geld verdienen können, dann sind auch deren Tage gezählt.

Die Zukunft gehört der Lichterzeugung mit Halbleitern, LEDs. Die Leuchtdioden brauchen bis zu 90 Prozent weniger Strom als Birnen, da sie keine Hitze entwickeln, und werden dank Massenproduktion in Fernost immer billiger, derzeit pro Jahr um bis zu 15 Prozent. Zwar hat Osram den Technologiewechsel gemeistert und verdient etwa mit LED-Scheinwerfern in Autos schon Geld, schleppt aber noch zu viele Altlasten mit.

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