Bond-Plattform: Nasdaq kauft Handelsplattform für Anleihen

Bond-Plattform: Nasdaq kauft Handelsplattform für Anleihen

Die US-Technologiebörse Nasdaq breitet sich im Handel mit Anleihen aus. Sie übernimmt die darauf spezialisierte elektronische Plattform eSpeed für 750 Millionen Dollar in bar.

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Der US-Börsenbetreiber Nasdaq baut den elektronischen Handel mit Anleihen und Zertifikaten aus und will die Plattform eSpeed von BGC Partners für 750 Millionen Dollar kaufen. Zusätzlich sei eine Gewinnbeteiligung von bis zu 484 Millionen Dollar vereinbart worden, die über 15 Jahre ausgezahlt würden. Die Deutsche Bank agierte bei dem Geschäft als finanzieller Berater.

Der US-Börsenbetreiber Nasdaq steigt mit einer Übernahme groß in den Handel mit Staatsanleihen ein. Das New Yorker Unternehmen legt für die auf Bonds spezialisierte Handelsplattform eSpeed 750 Millionen Dollar auf den Tisch, wie die Nasdaq am Montagabend ankündigte. In den nächsten 15 Jahren kann der bisherige eSpeed-Eigentümer, der Broker BGC Partners, zudem auf erfolgsabhängige Zahlungen von bis zu 484 Millionen Dollar in Form von Nasdaq-Aktien hoffen. Der Gesamtpreis für die Handelsplattform könnte damit auf 1,23 Milliarden Dollar klettern.

Die Nasdaq will nun in Gesprächen mit ihren Kunden ausloten, welche Produkte diese über eSpeed handeln wollen. "Am tiefsten hängen die Früchte im Markt mit US-Staatsanleihen", wie Nasdaq-Chef Robert Greifeld erklärte. Jeden Tag wechseln US-Bonds im Wert von mehr als 500 Milliarden Dollar den Besitzer. Da die US-Notenbank Fed zum Ankurbeln der Konjunktur massenhaft amerikanische Staatsanleihen aufkauft, halten sich Volatilität und Handelsvolumen derzeit allerdings in Grenzen.

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Nasdaq interessiert sich auch für Euronext

Die Nasdaq reduziert mit der Übernahme ihre Abhängigkeit vom Aktien-Geschäft, an dem klassische Börsenbetreiber wegen der Zurückhaltung der Investoren und steigender Konkurrenz durch alternative Handelsplattformen derzeit nur wenig Freude haben. Wie viele Konkurrenten will die Nasdaq deshalb im stabileren Geschäft mit Technologie und Marktdaten wachsen und in neue Geschäftsbereiche vorstoßen. Zusammen mit SharesPost arbeitet die Nasdaq beispielsweise an einer Handelplattform für Anteile von Firmen, die nicht an der Börse notiert sind.

Bereits im Dezember hat die Nasdaq angekündigt, dem Finanzdaten-Spezialisten Thomson Reuters das Geschäft mit Public- und Investor-Relations sowie Multimedia-Lösungen abzukaufen. Auch an der europäischen Mehrländerbörse Euronext hat der US-Börsenbetreiber Interesse signalisiert. In Kürze will der Konzern in Europa zudem mit der Derivate-Börse NLX an den Start gehen. Damit will sie vor allem der Deutsche-Börse -Tochter Eurex und dem Nyse -Ableger Liffe Kunden abjagen.

Neuordnung der Börsenordnung

Die Nasdaq geht bei der Expansion in neue Geschäftsfelder aggressiver vor als viele Konkurrenten. Der Schuldenberg der traditionsreichen US-Börse, der sich zuletzt auf 1,5 Milliarden Dollar belief, dürfte durch die eSpeed-Übernahme weiter wachsen. Die Ratingagentur Moody's kündigte deshalb umgehend an, eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit der Nasdaq zu prüfen.

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Angesichts der Flaute an den Märkten und neuer Vorschriften der Aufseher findet derzeit eine Neuordnung der Börsenlandschaft statt. Die US-Derivatebörse ICE ist dabei, die New York Stock Exchange zu schlucken. Auch andere Börsenbetreiber sehen sich nach Kooperations- und Zukaufsmöglichkeiten um. Die Eigentümer von eSpeed, die die Handelsplattform Insidern zufolge bereits seit Jahren zu Geld machen wollten, haben dieses Umfeld nun genutzt, um zu verkaufen. Die Nasdaq, die bei dem Geschäft von der Deutschen Bank beraten wurde, will die Übernahe bis Mitte des Jahres abschließen. Sie soll dann innerhalb von zwölf Monaten zum Nasdaq-Gewinn beitragen.

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