Brexit-Crash: Dax kann auf 8.000 Punkte fallen

Brexit-Crash: Dax kann auf 8.000 Punkte fallen

, aktualisiert 25. Juni 2016, 12:39 Uhr
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Das britische Votum hat die Märkte nachhaltig erschüttert.

von Georgios KokologiannisQuelle:Handelsblatt Online

Nach dem weltweiten Kurskollaps am schwarzen Freitag raten Experten zur Zurückhaltung am Aktienmarkt. Panik sei zwar nicht angebracht. Kurzfristig aber können die Notierungen noch kräftig unter Druck geraten.

FrankfurtEs ist ein Börsenbeben an den Kapitalmärkten wie es Investoren zuletzt gar nicht mehr für möglich gehalten hatten: Mit knapper Mehrheit haben sich die britischen Wähler am Donnerstag für einen Austritt aus der Europäischen Union entschieden. Anleger reagierten panisch. Ab dem frühen Freitagmorgen kam es zu heftigen Verwerfungen an den internationalen Finanzmärkten. Dort hatte man kurz vor dem britischen Urnengang mehrheitlich mit einem Verbleib in der Staatengemeinschaft gerechnet. „Das Votum ist ein Schock und straft alle Marktteilnehmer, die bereits im Lauf der Woche auf einen Verbleib der Briten gesetzt hatten“, sagt Stefan Kreuzkamp, Chief Investment Officer der Deutschen Asset Management.

Im Referendum sprachen sich 51,9 Prozent für den „Brexit“ aus, 48,1 votierten für den Verbleib in der EU. „Innerhalb weniger Tage ist aus dem Brexit-Risiko ein Fakt geworden. Die Auswirkungen werden nicht schön sein, weder auf den Finanzmärkten noch in der Politik“, ergänzt Kreuzkamp.

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Die Furcht vor einer Abkühlung der Weltkonjunktur im Zuge des EU-Austritts der Briten brachte weltweit die Börsenkurse zum Absturz. Der deutsche Aktienindex Dax brach im frühen Handel zeitweise um ein Zehntel auf 9.226 Punkte ein - der größte Kurssturz seit dem Höhepunkt der Finanzkrise im Jahr 2008. Ähnlich heftige Verluste gab es auch an den Börsen in Großbritannien, Frankreich, und anderer EU-Staaten sowie in der Schweiz. Schon am frühen Morgen war der japanische Börsenindex Nikkei knapp acht Prozent abgerutscht.

Zu großen Verwerfungen kam es zum Wochenschluss auch an den Renten- und Devisenmärkten. Der Schweizer Franken, der Investoren in unsicheren Zeiten traditionell als Fluchtwährung dient, kletterte zum Euro auf den höchsten Stand seit Sommer 2015. Das britische Pfund kollabierte dagegen regelrecht zum Dollar um über elf Prozent - auf das tiefste Niveau seit September 1985. Der Euro fiel zum US-Dollar deutlich zurück, während die Gemeinschaftswährung deutliche Kursgewinne gegenüber dem britischen Pfund verbuchte. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen fiel auf ein neues Allzeittief und gab in der Spitze bis auf Minus 0,16 Prozent nach. Der Bundfuture prägte markierte im Gegenzug ein neues Rekordhoch bei 168,86 Punkten.

Die Nerven der Investoren lagen zeitweise blank, bis sich die Märkte im Verlauf etwas fangen konnten. Der Dax etwa verringerte seine Verluste bis zum Handelsende auf knapp sieben Prozent und schloss 700 Punkte tiefer bei 9.557 Zählern.


Wie entwickeln sich Dax & Co. nun weiter?

Wie geht es nun weiter? Experten warnen Anleger zwar mehrheitlich vor Panikverkäufen, sehen aber kurzfristig kaum Chancen auf eine nachhaltige Erholung der Börsennotierungen. „Der Brexit ist kein Weltuntergang“, betont zum Beispiel Bo Bejstrup Christensen, Chefanalyst von Danske Invest. Dennoch empfiehlt er, die Entwicklung erst einmal abzuwarten. Negative Indikatoren gebe es nun viele: „Das britische Pfund fällt wie ein Stein. Die Zinsen gehen auf Tauchstation. Die Aktienmärkte in Asien, Europa und sicherlich auch in den USA geben kräftig nach.“

Der Markt habe deutlich auf den EU-Ausstieg der Briten reagiert. Ein neuer Kollaps stehe zwar nicht bevor, den richtigen Zeitpunkt für einen Aktienkauf sieht der dänische Chefanalyst aber ebenfalls nicht: „Kurzfristig werden europäische Aktien leiden. Das gleiche gilt für globale Aktien, aber wahrscheinlich zu einem geringeren Grad“, so Christensen.

Eine Zinsanhebung in den USA sei jetzt zwar erst einmal vom Tisch, aber nicht komplett gestrichen. „Und auch wenn wir mit unserer Erwartung, dass der globale Aufschwung die politische Unsicherheit überlebt, rechtbehalten sollten, rechnen wir trotzdem mit einem niedrigeren chinesischen Wachstum in der zweiten Jahreshälfte 2016.” Man sehe nur einige Faktoren, die die Aktienmärkte nach dem Brexit dauerhaft wieder nach oben treiben können. Deshalb sei jetzt nicht der richtige Zeitpunkt für Heldentaten.

Zur Vorsicht rät auch James Athey, Investment Manager beim Vermögensverwalter Aberdeen Asset Management: „Investoren auf der ganzen Welt werden in den kommenden Monaten mit Adleraugen die Stimmung beobachten und die ökonomischen Daten danach untersuchen, ob es irgendein Anzeichen dafür gibt, dass ein negatives Sentiment zu einem Rückgang des Wirtschaftswachstums führen könnte“, so der Experte. Sollte das Wachstum nachlassen, würden die Zentralbanken aber wahrscheinlich einspringen, um die Wirtschaft wieder zu stimulieren.

Notenbankinterventionen gab es bereits am Freitag: Die Schweizer Nationalbank (SNB) stemmte sich mit Interventionen am Devisenmarkt gegen einen weiteren Höhenflug des Franken. Hintergrund: Ein starker Franken bremst die exportlastige Wirtschaft des Alpenlandes. Deshalb wird die Notenbank dort immer wieder aktiv. Zudem stellte die Bank von England zur Geldversorgung der Geschäftsbanken 250 Milliarden Pfund zur Verfügung. Die Europäische Zentralbank (EZB) gab bekannt, sie stehe bereit, Banken mit ausreichend Liquidität zu versorgen. Und in Asien intervenierten Händlern zufolge mindestens zwei Notenbanken, um ihre Landeswährungen zu stützen.

Schon am Sonntag steht nach dem Brexit-Votum der Briten und einem schwarzen Freitag Europas Börsen die nächste Zerreißprobe bevor. „Öl ins Feuer könnte dabei durch die Parlamentswahlen in Spanien am Sonntag gegossen werden, denn die Spanier müssen erneut zur Urne schreiten, nachdem die Wahlen vom 20. Dezember 2015 nicht zu einer Regierungsbildung führten“, geben Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt zu bedenken.


Nächstes politisches Risiko: Die Wahlen in Spanien

Experten fürchten, dass EU-Kritiker wie das spanische Linksbündnis Podemos bei der Entscheidung am Sonntag noch mehr Zulauf bekommen und Investoren auf den Austritt weiterer Länder spekulieren könnten. Anleger müssen sich in jedem Fall auf weiter hohe Kursschwankungen und Verluste an den Aktienmärkten einstellen
Die Unsicherheit nach dem Ja der Briten zum EU-Ausstieg werde schrittweise wieder sinken, aber noch eine längere Zeit ungewöhnlich hoch bleiben, sagt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer: „Das könnte der Realwirtschaft nicht nur in Großbritannien, sondern auch in Kontinentaleuropa schaden.“ Vor allem die Wahlen am Sonntag in Spanien könnten die Nervosität der Anleger noch verstärken.

Das überraschend deutliche Votum der Briten werde den Anti-EU-Parteien in vielen EU-Ländern Rückenwind geben, meint Krämer. Jüngsten Umfragen zufolge droht eine Hängepartie wie bei den Wahlen im Dezember, als der amtierende Ministerpräsident Mariano Rajoy keinen Koalitionspartner fand und König Felipe das Parlament auflöste.

Experten befürchten Kursturbulenzen, wenn das linke Lager mehr Anhänger finden sollte. Vor allem spanische Staatsanleihen dürften in diesem Szenario laut HSBC unter Druck kommen. Doch die Risikoaufschläge für Bonds anderen Peripheriestaaten wie Portugal und Italien dürften dann in die Höhe schießen, die Aktienkurse an den südeuropäischen Börsen tief fallen.


DZ-Bank rechnet mit Dax zwischen 8.500 und 8.000 Punkte

Das größte Risiko für die Finanzmärkte nach dem Brexit sei, wenn auf den Austritt weiterer Länder spekuliert würde, sagt Targobank-Chefvolkswirt Otmar Lang. NordLB-Stratege Tobias Basse hält beim Dax einen Rutsch unter die psychologisch wichtige Marke von 9.000 Punkten in nächster Zeit für möglich. Die DZ Bank ist nach dem heftigen Absturz zum Wochenschluss sogar noch pessimistischer und rechnet mit Verlusten bis in den Bereich von 8.000 bis 8.500 Punkten.

Daher dürften in den kommenden Woche laut den Experten von HSBC „sichere Häfen“ wie der japanische Yen und der Schweizer Franken weiter profitieren dürften, die Volatilität an den Kapitalmärkten insgesamt aber hoch bleiben.

Das dürfte Analysten zufolge auch die US-Notenbank Fed davon abhalten, die Zinsen weiter anzuheben. Die Fed hatte im Juni die Zinsen nicht angetastet und ihr Stillhalten vor allem mit dem Brexit-Referendum begründet. Die Folgen eines britischen EU-Austritts könnten auch die US-Wirtschaft treffen, hieß es von der Notenbank. Die Währungshüter hatten Mitte Juni dennoch signalisiert, dass sie 2016 noch zwei Zinsschritte nach oben wagen wollen. „Das dürfte jetzt vom Tisch sein”, sagt NordLB-Mann Basse.

Bei den US-Konjunkturdaten dürften am Dienstag die Daten zum Verbrauchervertrauen im Juni die meiste Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Am Donnerstag gibt der Einkaufsmanager-Index Aufschluss über das Wachstum im Großraum Chicago. Zudem werden Anleger bei einer Rede des Fed-Mitglieds auf weitere Zinssignale lauern.
In Deutschland werden Anleger kommende Woche einige Einzelaktien im Fokus haben –etwa die Papiere von Volkswagen. Bei VW wird es am Dienstag in Sachen Dieselskandal wieder spannend. Dann läuft die verlängerte Frist für den Vergleich mit den US-Behörden aus. Anleger könnten also Aufschluss darüber bekommen, wie viel der Skandal VW in den USA kosten wird.
In den USA legt der Saatgutkonzern Monsanto seine Geschäftszahlen für das dritte Quartal vor. Investoren warten auf Bewegung im Übernahmepoker mit Bayer.

Mit Material von Reuters.

Quelle:  Handelsblatt Online
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