Brexit-Folgen: Anleger meiden britische Fonds

Brexit-Folgen: Anleger meiden britische Fonds

, aktualisiert 29. Juni 2017, 12:04 Uhr
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Der Brexit wirkt sich auch auf den Finanzmärkten aus und schreckt Anleger ab.

Quelle:Handelsblatt Online

Während sich die Euro-Zone erholt, verschärft sich die wirtschaftliche Lage in Großbritannien - nicht zuletzt aufgrund des Brexit. Nun werben erste Fondsgesellschaften mit dem bewussten Ausschluss britischer Risiken.

FrankfurtWährend Großbritannien zunehmend im Nebel versinkt, lichten sich die Schwaden in der Euro-Zone. Die Strategie der Briten zum EU-Austritt steht mehr denn je in den Sternen und die britische Wirtschaft zeigt erste Schwächeanfälle. Anleger fragen daher verstärkt nach Fonds und Aktien aus der Euro-Zone, denn dort flachen sich die wirtschaftlichen und politischen Risiken ab. Erste Fondsgesellschaften werben mit Anlageprodukten, die - nach dem Motto „Europe ex-UK“ - britische Risiken bewusst ausschließen.

„Die beiden Regionen liefen schon immer separat, aber seit dem Brexit-Votum hat sich die Schere noch vergrößert“, sagt Portfolio-Manager Stephen Mitchell von der Fondsgesellschaft Jupiter Asset Management. Vor allem amerikanische Investoren hätten Großbritannien seit dem Referendum im Juni 2016 zum EU-Ausstieg den Rücken zugewandt und seien nicht wiedergekommen. „Die Unsicherheit über den Brexit und seine Folgen hält sie zurück.“

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Erkennbar ist der Trend bei den indexbasierten Fonds, den sogenannten ETFs, die Papiere aus der Euro-Zone einschließen. Einer der Größten, der iShares MSCI Eurozone ETF, verzeichnete von Januar bis Mai 2017 Daten der Thomson Reuters-Tochter Lipper zufolge Nettozuflüsse von 3,5 Milliarden Euro. Auf der anderen Seite zogen Kunden aus ETFs, die britische Papiere einschließen, in den ersten fünf Monaten 2017 Gelder ab. „Europe ex-UK“ ist zwar kein neues Anlage-Produkt, werde aber inzwischen immer häufiger angeboten, betonen Branchenkenner.

„Unabhängig vom Brexit gibt es inzwischen einen merklichen Kontrast zwischen Großbritannien und Kontinentaleuropa“, sagt Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für das Privat- und Firmenkundengeschäft bei der Deutschen Bank. „Während Europa vor kurzem noch politisch gespalten war, scheinen sich die guten Nachrichten aus Politik und Wirtschaft fast schon zu so etwas wie Euphorie zu vereinen.“ In Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien läuft der Konjunkturmotor rund. Die Wahl des EU-freundlichen französischen Präsidenten Emmanuel Macron beruhigte die Gemüter zusätzlich.

Die britische Wirtschaft kämpft dagegen mit dem Kursverfall des Pfund Sterling. Seit dem Brexit-Referendum verlor es rund 15 Prozent und notiert nun bei rund 1,29 Dollar. Anleger reißen sich bereits um Terminkontrakte, mit denen sie sich gegen einen weiteren Kurssturz absichern können.

Die Pfund-Schwäche macht Importe für die Briten teurer, die Verbraucherpreise ziehen an, die Inflation war zuletzt so hoch wie seit vier Jahren nicht. Weil die Löhne aber nicht mit den steigenden Preisen Schritt halten können, sinkt die Kaufkraft der Verbraucher. Das belastet die Umsätze der Einzelhändler. Anfang des Jahres verlangsamte sich das Wirtschaftswachstum auf der Insel bereits auf 0,2 Prozent von 0,7 Prozent Ende 2016. „Zum Zeit des Referendums hatte Großbritannien das stärkste Wachstum innerhalb der G7-Gruppe, ein Jahr später hat es das Schwächste“, zieht Chefvolkswirt Bruno Cavalier von der Bank Oddo BHF Bilanz.

Investoren sind vor allem verunsichert seit den Unterhaus-Wahlen am 8. Juni in Großbritannien. „Seitdem ist die ganze Brexit-Sache noch konfuser geworden und die Richtung, wohin die Reise geht, ist überhaupt nicht klar“, sagt der Chefvolkswirt der DekaBank, Ulrich Kater. Premierministerin Theresa May hatte zu dem Urnengang aufgerufen, um sich ein stärkeres Mandat für die Brexit-Verhandlungen mit der EU zu sichern, jedoch verlor sie überraschend ihre absolute Mehrheit.

Nun sind Mays Konservative zu einer Duldung einer Minderheitsregierung durch die nordirische DUP gezwungen. Experten erwarten zähe und schwierige Verhandlungen mit der EU. Analysten der Citigroup rechnen gar mit baldigen Neuwahlen. „Die Briten haben im günstigsten Fall 15 Monate, um den Vertrag über den EU-Ausstieg unter Dach und Fach zu bringen“, sagt Ralf Preusser, Chefanalyst bei Bank of America Merrill Lynch. „Das wird sportlich, die Herausforderungen sind enorm groß.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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