Brexit: "Irgendwann wird die EZB Aktien kaufen"

Brexit: "Irgendwann wird die EZB Aktien kaufen"

von Heike Schwerdtfeger

Der Brexit versetzt die Aktienmärkte in Bewegung. Viele Kapitalmarkteilnehmer wurden böse überrascht, andere nutzen die Chance.

Ein Tagesminus von zeitweise zehn Prozent beim Dax, das wirkt gewaltig. Andererseits hatte der Dax zeitweise mit 9125 Punkten am Morgen des Brexit das Niveau erreicht, auf dem er schon im März notierte. Aktuell hat er den Stand, den er auch vor drei Wochen hatte, als die Brexit-Angst ebenfalls noch hoch war.

Einen tragischen Wendepunkt in der Stimmung gab es vor einer Woche, als die britische Labour-Abgeordnete und Verbleib-Befürworterin Jo Cox ermordet wurde. Seitdem hatten immer weniger Kapitalmarkteilnehmer mit einem Brexit gerechnet und wurden heute morgen böse überrascht. Den Absturz der Kurse nutzten allerdings andererseits Marktteilnehmer, um sich bereits zuvor ausgeguckte Aktien zu günstigeren Preisen ins Depot zu holen. 

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Cameron wird Austritts-Prozedere nicht durchführen

Märkte nach dem Brexit Noch keine Schnäppchenkurse im Dax

Auf welchen Niveaus die 30 Papiere im deutschen Elite-Index wirklich billig wären.

Händler an der Börse in Frankfurt Quelle: REUTERS

Die Frage, "How to exit", müssen sich die Briten jetzt selbst beantworten. Die Arbeit des Austritt-Prozederes will sich derjenige, der den Briten die Entscheidung angeboten hat, um selbst eine Wahl zu gewinnen, nicht mehr machen. Noch-Premier David Cameron wird in drei Monaten zurücktreten.

Dax-Sturz wegen Brexit "Im schlimmsten Fall herrscht den ganzen Sommer über Unsicherheit"

Der Aktienmarkt wird vom EU-Austritt der Briten überrumpelt. "Bis die Börse wieder eine Richtung findet, dürfte es dauern", sagt Ralf Zimmermann, der Chefstratege Aktien des Bankhaus Lampe, im Interview.

Die Frankfurter Börse am Morgen des Brexits. Quelle: REUTERS

Dass sich die Aktienmärkte bis dahin von einem Teil der Verluste erholt haben werden, ist nicht sicher, aber dürfte wahrscheinlich sein. Die Vermögensverwalter werden nach dem Schock stärker selektieren. "Dass etwa Unternehmen wie der deutsche Wohnimmobilien-Bestandshalter Vonovia oder der Telekom-Wert Freenet zweitweise vier Prozent verlieren, ist nicht zu verstehen und wurde auch vom Markt schnell korrigiert", sagt ein Fondsmanager.

Allerdings hält er Aussichten für weitere Kurssteigerungen zunächst für beschränkt, weil das Wirtschaftswachstum durch aufgeschobene Investitionen leiden könne. "Erst wenn das schwache Wachstum in Europa noch schwächer werden sollte, könnte die paradoxe Situation entstehen, dass die Aktienkurse wieder stark ansteigen", sagt der Fondsmanager. Denn irgendwann sei auch die Europäische Zentralbank an dem Punkt angelangt, dass ihre herkömmlichen Instrumente nicht mehr funktionierten. Dann könnte der Markt darauf spekulieren, dass sie dem Vorbild der japanischen Notenbank folge und noch Aktien kaufe. Das würde ein Kursfeuerwerk auslösen. 

Renditen von Bundesanleihen hingegen sind noch weiter gefallen. Großanleger wie Lebensversicherer und Pensionsvermögensverwalter haben dadurch künftig immer größere Schwierigkeiten ihre Verpflichtungen zu erfüllen.

Besonders stark gelitten haben die britische Bank Barclays mit einem Minus von 26 Prozent und die aus Britisch Airways und Iberia bestehende Flugallianz IAG International Consolidated Airlines Group (Iberia, British Airways) mit einem zeitweisen Minus von 33 Prozent einer der stärksten Kursverlierer. Doch auch sie hat sich bereits wieder erholt und notiert jetzt bei einem Minus von zwölf Prozent. Die Dramatik lässt an den Börsen bereits etwas nach.

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