Brexit-Schatten werden länger: Warum das britische Pfund abgestürzt ist

Brexit-Schatten werden länger: Warum das britische Pfund abgestürzt ist

, aktualisiert 04. August 2017, 15:42 Uhr
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Queen Elisabeth prangt auf allen Scheinen. Der Wert stürzte dennoch ab.

von Felix HoltermannQuelle:Handelsblatt Online

Das britische Pfund kommt nicht aus dem Tief heraus. Nachdem die Währung am Donnerstag einen deutlichen Kurssturz erfuhr, ging es auch am Freitag weiter abwärts. Der Brexit wirft seinen Schatten voraus, sagen Analysten.

DüsseldorfDie Entscheidung der britischen Notenbank, angesichts unsicherer Konjunkturaussichten die Zinsen nicht zu erhöhen, hat auf dem Devisenmarkt für Turbulenzen gesorgt. Der Kurs des Pfund Sterling ließ deutlich nach. Am Donnerstag ging es gegenüber dem Dollar um mehr als 0,6 Prozent abwärts, zum Euro um über 0,7 Prozent. Beides ist auf dem Währungsmarkt eine sehr starke Bewegung innerhalb eines Tages.

Auch am Freitag erholte sich der Kurs nicht. Das Pfund notierte am Nachmittag erneut 0,4 Prozent schwächer bei 1,3079 Dollar und zur europäischen Gemeinschaftswährung 0,2 Prozent schwächer bei 1,1045 Euro.

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Grund für den Absturz war aus Analystensicht vor allem der Ausgang der Ratssitzung der Bank of England am Donnerstag. Die britische Notenbank beließ den geldpolitischen Schlüsselsatz auf dem Rekordtief von 0,25 Prozent und hielt auch den Umfang ihres Anleihenkaufprogramms bei 435 Milliarden Pfund (485,7 Milliarden Euro) konstant. Zuletzt hatten mehrere Währungshüter laut über eine Erhöhung des Leitzinses in der zweiten Jahreshälfte nachgedacht.

Seit dem Brexit-Votum im Juni 2016 verdüstert sich die Stimmung auf der Insel: Die Wirtschaft wuchs von Januar bis Juni so langsam wie seit fünf Jahren nicht mehr. Viele Großbanken haben angekündigt, Tausende Mitarbeiter von London aufs europäische Festland abzuziehen. Als Reaktion auf das Anti-EU-Votum hatte die Bank of England den Schlüsselzins auf das aktuelle Niveau gesenkt und das Anleihenkaufprogramm aufgestockt, ein Ende ist nach der jüngsten Sitzung weiter nicht in Sicht.

Bei Anlegern und Analysten kam die Entscheidung nicht gut an. Sie sorgen sich um die relativ hohe Inflation. Die Notenbank strebt eigentlich eine Rate von annähernd zwei Prozent an, mit zuletzt 2,6 Prozent lag sie deutlich darüber. Die Pfund-Abwertung nach der Brexit-Abstimmung hatte bereits in den vergangenen Monaten Importe verteuert, was die Inflation anheizt. Eigentlich sollten die britischen Exporteure vom schwachen Pfund profitieren, die Zeichen stehen aber auf Abschwung. Die Bank of England erwartet weniger Investitionen auf der Insel und senkte ihre Wachstumsprognose für dieses und das kommende Jahr.

„Damit dürfte das Ende der lockeren Geldpolitik weiter in die Ferne rücken“, sagt Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank. „Dass Notenbankchef Mark Carney während seiner Pressekonferenz auch noch einen Moment damit zögerte, eine Frage nach den künftigen britischen Handelsbeziehungen zu beantworten, mindert die Unsicherheit an den Märkten nicht gerade.“ Diese spreche zusammen mit der schwachen Währung und Konjunktur zurzeit eher gegen ein Engagement in Großbritannien, meint Stephan.

Mit einer schnellen und nachhaltigen Erholung des Pfund-Kurses ist also wohl nicht zu rechnen. Mit einer Zinserhöhung, die an den Märkten nicht vor dem dritten Quartal 2018 erwartet wird, könnte die Notenbank dem Pfund zwar Auftrieb verleihen. „Wir erwarten aber, dass die Notenbank für die Dauer der EU-Austrittsgespräche stillhalten wird“, prophezeit Unicredit-Chefökonom Erik Nielsen. Großbritannien will der EU am 29. März 2019 Goodbye sagen.

Mit Material von Reuters.

Quelle:  Handelsblatt Online
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