Bridgewater gegen den Dax: Weltgrößter Hedgefonds wettet auf weiteren Dax-Crash

Bridgewater gegen den Dax: Weltgrößter Hedgefonds wettet auf weiteren Dax-Crash

, aktualisiert 08. Februar 2018, 15:54 Uhr
von Jürgen Röder und Ilias StampoulisQuelle:Handelsblatt Online

Fünf Milliarden Euro hat Bridgewater auf fallende Dax-Kurse investiert. Doch anstatt Gewinne einzustreichen, legt der Hedgefonds noch einmal deutlich nach.

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06.02.2018, Hessen, Frankfurt: Im Sucher einer TV-Kamera ist die DAX-Kurve im Handelssaal der Börse zu erkennen. Nach deutlichen Abwärtstrends in den USA und in Asien hat der DAX die Einbrüche in Übersee bisher aber gut verkraftet. Foto: Boris Roessler/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Es schien leicht verdientes Geld am Aktienmarkt zu sein: Vom 26. Januar bis zum 2. Februar diesen Jahres hatte der weltweit größte Hedgefonds Bridgewater massiv auf Kursverluste bei deutschen Aktien gewettet – insgesamt im Wert von mehr als fünf Milliarden Euro.

Und die Rechnung ging auf: Das deutsche Börsenbarometer fiel am Dienstag dieser Woche auf 12.232 Punkte, vorbörslich notierte der Index sogar unter der Marke von 12.200 Zählern. Hatte Bridgewater mit seiner Wette die Kursverluste (mit-)ausgelöst?

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Die Frage ist nicht ganz eindeutig zu beantworten. Klar ist aber: Anstatt am vergangenen Montag die ersten Gewinne einzustreichen, wie viele Börsenexperten erwartet hatten, stockte der Hedgefonds seine Wette auf fallende Dax-Kurse auf – und zwar deutlich. Mittlerweile beträgt die Summe 6,3 Milliarden Euro. Offenbar rechnen die Amerikaner damit, dass der Crash am Aktienmarkt noch nicht vorbei ist.

Dabei legt Ray Dalio, Gründer, CEO und Chef-Anlagestratege des Hedgefonds ein bekanntes Verhalten an den Tag: Eine positive Einschätzung zu den Märkten abgeben und gleichzeitig auf fallende Kurse wetten. Am 23. Januar sagte er dem US-Fernsehsender CNBC während des Weltwirtschaftsforums in Davos, dass Cash zu halten ein großer Fehler wäre und die US-Märkte in einer wunderschönen „Goldilocks“-Periode seien.

Die Goldlöckchen-Metapher wird von Marktbeobachtern wie Fondsmanagern gerne benutzt, um einen Markt zu beschreiben, der einfach perfekt aussieht: Eine starke, noch nicht heiß gelaufene Konjunktur, dazu niedrige Zinsen und eine niedrige Inflation.

Anschließend fing Bridgewater Ende Januar an, fünf Milliarden Euro auf fallende Dax-Kurse setzen. Und am vergangenen Montag – an der Wall Street sprachen manche angesichts des größten absoluten Tagesverlustes von mehr als 1100 Dow-Jones-Punkten von einem „schwarzen Montag“ – meldete sich Dalio erneut zu Wort. Diese großen Kursrückgänge seien nur kleinere Korrekturen, meinte er in einem LinkedIn-Eintrag. Schließlich gebe es noch genügend Geld, das investiert werden müsse. Und vergrößerte gleichzeitig die Short-Spekulation um 1,3 Milliarden Euro.

Für diese Wette ist der Fonds bei 13 Dax-Aktien sogenannte Leerverkaufspositionen eingegangen. Bei Leerverkäufen leihen sich die Investoren Aktien von Unternehmen, bei denen sie mit Kursverlusten rechnen. Diese Papiere verkaufen sie danach und hoffen darauf, dass die Notierungen fallen. Dann können sie die Aktien später günstiger zurückkaufen und an den Verleiher zurückgeben.

Fällt der Kurs tatsächlich, behält der Investor die Differenz aus Verkaufs- und Kaufwert als Gewinn, abzüglich einer Leihgebühr. Steigen die Aktien hingegen, macht der Spekulant Verluste. Er muss sie teurer zurückkaufen als er sie abgegeben hat. Theoretisch sind so extreme Verluste möglich, wenn das Papier immer weiter raufklettert. Bridgewater war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Wie groß diese Positionen sind, zeigt eine Übersicht der entsprechenden Handelsblatt-Datenbank. Die Onlineanwendung zeigt alle Leerverkäufe von Investoren („Positionsinhaber“), die mehr als 0,5 Prozent der ausstehenden Aktien eines Unternehmens („Aktiengesellschaft“) ausmachen und im „Bundesanzeiger“ veröffentlicht werden. Dieser dient den deutschen Behörden neben dem Bundesgesetzblatt als Veröffentlichungsorgan für wichtige Bekanntmachungen.


Die Frage nach dem Wann

Dabei kaufte Bridgewater grob überschlagen Leerverkaufs-Positionen, die so hoch sind wie das gesamte Handelsvolumen der jeweiligen Aktie an zwei Tagen. Ihr Anteil an den ausgegeben Aktien beträgt zwischen 0,6 und 0,89 Prozent. Gekauft wurden in erster Linie die Dax-Papiere mit der höchsten Marktkapitalisierung wie SAP, Siemens, Allianz, Bayer, BASF, Daimler und Deutsche Telekom und Deutsche Post. Diese acht Werte haben auch das größte Gewicht innerhalb des Dax.

Hinzu kamen die Finanzwerte Deutsche Bank, Allianz und Munich Re, gefolgt von Eon und Fresenius. Dax-Werte mit vergleichsweise niedrigem Börsenwert wie RWE und Pro Sieben Sat1 blieben außen vor, diese Anteilsscheine hatten auch nicht von der Börsenhausse profitiert.

Bei der Deutschen Bank etwa bewiesen die Amerikaner ein gutes Händchen. Mit einem Volumen von 0,5 Prozent der handelbaren Aktien baute Bridgewater die erste Position an Leerverkäufen auf, das war am Montag vergangener Woche. Am Freitag dann präsentierte das führende Institut der Bundesrepublik enttäuschende Zahlen, der Kurs Aktienkurs sackte deutlich ab. Bridgewater stockte weiter auf: Aus gut 140 wurden 220 Millionen. Und die Scheine fielen weiter. Seit dem Aufbau der Position um mehr als 13 Prozent.

Die entscheidende Frage: Wann wird Bridgewater seine Leerverkaufspositionen wieder auflösen und die bisherigen Gewinne auf dem Papier einstreichen? Dafür muss Dalios Haus Aktien kaufen – was bei dieser Höhe kein einfacher Vorgang ist und zumindest kurzfristig die Aktienmärkte stützen dürfte. Zudem wurden einige Dax-Aktien am Dienstag in dieser Woche auf dem bisher tiefsten Stand der Crash-Phase gekauft.

In der Vergangenheit waren laut Bloomberg die Short-Wetten des Hedgefonds nicht immer erfolgreich. Weil die Aktien in den vergangenen drei Monaten zuvor deutlich gestiegen sind, waren von den insgesamt 20 Wetten 13 verlustreich.

Doch nicht nur in Deutschland, sondern auch am italienischen und spanischen Aktienmarkt wettet er auf fallende Kurse. Laut Bloomberg sind es Short-Wetten auf 18 italienische Aktien im Wert von drei Milliarden US-Dollar. Die größte Position soll auf die Großbank Intesa laufen.

Bridgewater verwaltet nach eigenen Angaben ein Vermögen von rund 160 Milliarden US-Dollar. Dalio hat diese Firma 1975 von seinem Zwei-Bed-Appartment in New gestartet und hat seitdem bis einschließlich 2017 laut Alpha Return einen Gewinn für seine Investoren in Höhe von 50 Milliarden US-Dollar erzielt. Nach Angaben des Magazin Forbes ist das Unternehmen 50 Milliarden Dollar wert.

Quelle:  Handelsblatt Online
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