Britisches Pfund: Im tiefen Tal

Britisches Pfund: Im tiefen Tal

, aktualisiert 10. Januar 2017, 16:43 Uhr
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Die Währung reagiert empfindlich auf die Äußerungen der britischen Premierministerin zur Brexit-Strategie.

von Katharina SlodczykQuelle:Handelsblatt Online

Die Brexit-Planlosigkeit der britischen Regierung versetzt dem Pfund einen neuen Schlag. Besserung ist vorerst nicht in Sicht. Jeder Aufwärtstrend der Währung dürfte nur von kurzer Dauer sein.

LondonTheresa May ist dieses Mal ohne ihre inhaltsleere Formel „Brexit heißt Brexit“ ausgekommen. Dennoch war alles, was die britische Premierministerin bei ihrem ersten großen Auftritt in diesem Jahr zum Austritt des Landes aus der EU sagte, ähnlich vage und ratlos. Dies hat der britischen Währung Anfang dieser Woche einen neuen Schlag versetzt. Am Montag ist das Pfund um 1,3 Prozent gegenüber dem Dollar gefallen. Und am Dienstag setzte sich der Abwärtstrend fort.

May beharrte am Sonntag in einem Interview mit dem Nachrichtensender Sky darauf, dass sich die von ihr angestrebten Einwanderungskontrollen durchaus mit dem Zugang zum EU-Binnenmarkt vereinbaren lassen – und das, obwohl Brüssel das als Widerspruch ansieht. Das hat erneut die Sorge verstärkt, dass es zu einem radikalen Bruch der Beziehungen zwischen London und Brüssel kommen könnte, zu einem so genannten harten Brexit. Die britische Wirtschaft will das eigentlich vermeiden.

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Seit Mays Interview am Sonntag ist aber bei Investoren aber noch eine weitere Sorge hinzugekommen: dass die Premierministerin auch sechs Monate nach Einzug in 10 Downing Street noch immer keinen Plan hat, wie der Brexit und die künftigen Beziehungen zur EU aussehen sollen und dass sie möglicherweise schlecht vorbereitet in die wichtigen Verhandlungen den restlichen 27 EU-Ländern reingehen wird.

May hatte für den Beginn des neuen Jahres mehr Details ihrer Brexit-Strategie in Aussicht gestellt. Doch bisher ist davon nichts zu sehen. Genau diese Enttäuschung spiegelt der erneute Fall des Pfunds wider. Medienberichten zufolge könnte Mays wegweisende Brexit-Rede nächste Woche kommen.

Die Währung ist nach dem Brexit-Referendum Ende Juni tief gestürzt – zwischenzeitlich erreichte das Pfund gegenüber dem Dollar ein Niveau, das das Land zuletzt Mitte der 1980er- Jahre erlebte. Nach und nach erholte sich die Währung wieder und hielt sich bei etwa 1,25 Dollar je Pfund.

Es waren wohl vor allem zwei Faktoren, die dazu beigetragen haben: Einige Minister in Mays Kabinett, vor allem Finanzminister Philip Hammond, machten sich für einen Übergangsdeal mit der EU stark, damit britische Unternehmen nach dem Brexit mehr Zeit bleib, um sich auf die Veränderungen einzustellen und die Folgen abzufedern. Und die britische Wirtschaft ist nicht, wie von einigen Experten vorhergesagt, nach dem Referendum in eine Rezession gestürzt, sondern hat sich überraschend gut gehalten.


Währungsexperten erwarten weiteren Kursverfall

Dass May jetzt aber ihr erstes großes Interview in diesem Jahr ungenutzt ließ, um mehr Brexit-Details bekannt zu geben und dem Land zu versichern, dass sie weiß, was sie will, war ein neuer Rückschlag. Es erinnerte Investoren mit großer Deutlichkeit an die massive Unsicherheit, die die Brexit-Verhandlungen in den nächsten Monaten auch noch auslösen werden. May will die offiziellen Scheidungsgespräche bis Ende März in Gang bringen.

Experten wie etwa Währungsstrategen der Deutschen Bank erwarten, dass das Pfund bis zum Jahresende um bis zu 7,5 Prozent nachgeben könnte. Andere Fachleute sind pessimistischer und halten einen noch tieferen Fall für möglich, je nachdem wie sich die Austrittsgespräche zwischen London und Brüssel entwickeln und die künftigen Handelsbeziehungen aussehen werden.

Die britische Währung war bereits vor dem Referendum ein Barometer für die EU-Skepsis im Lande und die Wahrscheinlichkeit eines Brexits. Seit dem Votum spiegelt die Entwicklung des Pfunds recht unmittelbar die Sorgen der Investoren wider. Die britische Währung ist dafür am anfälligsten, da dies Fachleuten zufolge als der liquideste britische Markt gilt.

May hat durchaus bewiesen, dass sie das Pfund nach unten, aber auch nach oben bewegen kann. Ende November etwa, als sie in einer Rede niedrigere Unternehmenssteuern ins Aussicht stellte und Erleichterungen für Konzerne, um ihnen den Übergang in die Nach-Brexit-Ära zu erleichtern, hat die Währung gegenüber dem Dollar um mehr als ein Prozent zugelegt.

Ähnliches könnte sich wiederholen, wenn die Premierministerin in den kommenden Wochen mehr Details ihrer Brexit-Strategie offenlegt. Doch jeder Aufwärtstrend beim Pfund dürfte nur von kurzer Dauer sein, solange der Ausgang der Austrittsgespräche unklar bleibt.

Quelle:  Handelsblatt Online
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