Buchkritik "Flash Boys": Kreuzzug gegen die Wall Street

Buchkritik "Flash Boys": Kreuzzug gegen die Wall Street

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Ein neues Buch enthüllt die Hintergründe und Machenschaften des Hochfrequenzhandels.

von Axel PostinettQuelle:Handelsblatt Online

Es ist die vielleicht größte Kursmanipulation, die je aufgedeckt wurde: In seinem neuen Buch "Flash Boys" rechnet Autor Michael Lewis mit Hochfrequenzhändlern ab. Von den Enthüllungen profitiert er persönlich.

Nur einige Tage mehr – und es hätte noch so eben gereicht für die Wertpapierhandelsfirma Virtu und ihren Börsengang. 100 Millionen Dollar wollte Virtu einnehmen, die Krönung einer steilen Karriere an der Wall Street. Doch dann kam es heraus, dieses Buch. Praktisch unmittelbar nach dem Erscheinen von „Flash Boys – A Revolt on Wall Street“ von Michael Lewis beerdigte der Hochfrequenzhändler seine Börsenträume. „Vorläufig“, wie es in Marktkreisen heißt. Aber ob Firmen wie Virtu nach dem Enthüllungsbuch, das die Wall Street bis ins Mark erschüttert hat, noch eine Zukunft haben, ist nicht sicher. Es geht um die vielleicht größte Kursmanipulation der Geschichte der Börsen.

Es ist die Geschichte des Börsenhändlers Brad Katsuyama, der nicht mehr verstand, warum ihm seine Aktienkäufe am Ende immer teurer kamen als erwartet und ihm beim Verkauf immer weniger blieb als gedacht. Manchmal kann so etwas an der Börse schon passieren. Aber jedesmal und über Jahre? Katsuyama kommt schließlich hinter eines der bis dahin bestgehüteten Geheimnisse der Wall Street: „Hochfrequenzhandel“.  Präzise beschreibt Lewis, wie mit einem hochkomplexen System aus Hochleistungscomputern und Datennetzen Börsengeschäfte in Lichtgeschwindigkeit zur Routine werden. Die Hochfrequenzhandler „sehen“, wenn eine Kauf- oder Verkaufsorder auf einer langsamen Datenlandstraße auf die Börse zukommt. Dann sind sie aber schon auf der eigenen Datenautobahn zur Börse gerast.

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Hochfrequenzhandel Zeitvorsprung für zahlende Börsenhändler

Private Anbieter börsenrelevanter Konjunkturdaten verkaufen einen Informationsvorsprung an Hochfrequenzhändler. Wie die in nur zwei Sekunden Gewinne scheffeln und warum das nicht illegal ist.

Früher sehen, was anderen noch verborgen bleibt: Gegen Bezahlung sollen unter anderem Hochfrequenzhändler Sekunden vor allen anderen Handelsteilnehmern kursrelevante Konjunkturdaten erhalten - und damit ein gutes Geschäft machen Quelle: AP

Sie kaufen das Papier zu einem günstigeren Preis als dem, von dem sie wissen, dass er Millisekunden später erzielbar sein wird. Klingt verrückt? Vielleicht. Doch ist es sicher kein Zufall, dass Turbohändler Virtu in fünf Jahren Wertpapierhandel nur an einem einzigen Tag einen Verlust machte. Vor dem Börsengang nahm die Wall Street diese Information völlig konsterniert zur Kenntnis.

Es ist klar: Autor Michael Lewis ist auf einem Kreuzzug gegen die Wall Street. Bereits seine Bücher „The Blind Side“ oder „The Big Short: Inside the Doomsday Machine“ sorgten für Furore und legten den Finger auf blutende Wunden des Finanzkapitalismus. Aber diesmal ist es merkwürdig anders. In Flash Boys beschuldigt er eine Gruppe mächtiger Investoren die Börse „manipuliert“ zu haben – und nutzt die Gelegenheit für sich selbst.

Gemeinsam mit einigen der bekanntesten Hedge-Fonds-Milliardären New Yorks – einige von ihnen offenbar nicht unbeteiligt am großen Kursrutsch an der Wall Street 2010, dem „Flash Crash“ – gründet er eine neue Börse für den Hochfrequenzhandel; eine, die ohne „böses Treiben“ auskommen soll. Lewis und seine Kompagnons versprechen, dass an ihrem Markt alle hereinkommenden Orders gleichermaßen verlangsamt werden, um wieder Waffengleichheit herzustellen.

Es ist ein Schachzug, der Lewis große Häme einbringen sollte, nicht zuletzt von Seiten der US-Börsen selbst. „Ihr habt Tausende Leute fälschlicherweise angeschwärzt und möglicherweise Millionen von Anlegern verschreckt, nur um ein Geschäftsmodell zu bewerben“, bringt es William O'Brien, Chef der expandierenden US-Börse BATS, auf den Punkt.

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