Bulle & Bär: Politiker verspielen das Vertrauen der Anleger

Bulle & Bär: Politiker verspielen das Vertrauen der Anleger

, aktualisiert 28. Juni 2011, 06:43 Uhr
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Ein Händler an der Frankfurter Börse

von Udo RettbergQuelle:Handelsblatt Online

Sie wurschteln vor sich hin und versuchen Zeit zu gewinnen. Krisenpolitiker und Notenbanker in den westlichen Industrieländern suchen verzweifelt nach Lösungen aus der Schuldenkrise. Überzeugend ist ihr Handeln – oder ihr Nichthandeln – keineswegs. Anlegern gefällt das gar nicht.

FrankfurtWahre Lösungen erfordern vor allem eines: die Offenlegung von Wahrheiten, auch unbequemen. Hier können Alltagssituationen helfen. Ist ein privater Schuldner insolvent, ziehen Banken die Konsequenz. Neue Kreditzusagen bleiben aus, der Schuldner muss einen Neustart versuchen. Kreditgeber schreiben ihre Forderungen in den Wind – einen Teil zumindest.

Ähnlich muss bei jenen Staaten und Unternehmen vorgegangen werden, die hochverschuldet, ja überschuldet sind. Die unbequeme Wahrheit ist: Zahlreiche Staaten sind ohne neue Kredite schlichtweg zahlungsunfähig. Sie können Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen. Wenn – wie im Falle Griechenlands – über Währungssysteme verbundene Regierungen dann mit neuen Krediten aushelfen, tun sie zwar auf den ersten Blick etwas Gutes. Sie verringern zum einen die Ansteckungsgefahr, und sie verhindern zum anderen, dass Banken und große Asset Manager in ihren Ländern ins Wanken geraten – und damit auch ihre eigenen Renten- und Sozialsysteme.

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Keine wirkliche Lösung

Doch wenn Kredite nur noch vergeben werden, um fällige Kredite zu refinanzieren, wenn die Kreditmittel nicht mehr produktiv in den Pleite-Volkswirtschaften eingesetzt werden, dann sind neue Kapitalzusagen keine wirkliche Lösung. Was derzeit geschieht – und zwar nicht nur in den Euro-Peripheriestaaten, sondern auch in bisher politisch und finanziell wesentlich stabiler erscheinenden Ländern wie in den USA –, hat allein ein Ziel: Regierungen erkaufen sich Zeit, mehr nicht.

Möglicherweise hoffen sie darauf, die gigantischen Schuldenberge in der Zukunft durch Inflation wertlos zu machen. Das Problem: In einem wachstumsschwachen Umfeld Inflation zu erzeugen, ist schwierig, ja beinahe unmöglich. So drängt sich der Eindruck auf, dass die Politiker nicht wirklich wissen, wie die Lösung der Schuldenkrise nach Ablauf der jetzt erkauften Zeit aussehen soll.

Klar – dieses Spiel kann so lange gut gehen, wie Anleger an die Fähigkeiten der Politiker glauben. Geht dieses Vertrauen dann jedoch verloren – und dazu wird es kommen –, wird es wie bei Aufnahmen zu Katastrophenfilmen lauten: „Krise, die nächste!“ Was Märkte hassen, ist Unsicherheit – und genau daran mangelt es angesichts des Aktionismus der Politiker nicht. Was die Märkte brauchen, ist Vertrauen. Das Vertrauen der Anleger zu stärken, ist nur dann möglich, wenn man ihnen die Wahrheit sagt – und zwar ungeschminkt. Die Aussichten für die Kapitalmärkte und Börsen sind trübe. Finanzkrise reloaded!

Quelle:  Handelsblatt Online
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