
BerlinSinkender Zins, steigende Nachfrage: Der Bund hat die erste Auktion von Staatsanleihen im neuen Jahr erfolgreich bestanden. Die Aufstockung einer zehnjährigen Bundesanleihe spülte 4,057 Milliarden Euro in die Kassen, teilte die für das Schuldenmanagement zuständige Finanzagentur mit.
Der durchschnittliche Zins sank auf 1,93 Prozent, nachdem er im November bei 1,98 Prozent gelegen hatte. Trotz der extrem niedrigen Rendite war die Nachfrage robust: Die Investoren boten insgesamt 5,142 Milliarden Euro. Damit war die Auktion 1,3-fach überzeichnet, während sich vor sechs Wochen für fast 40 Prozent des angebotenen Volumens keine Geldgeber fanden.
Experten sprachen deshalb von einer gelungenen Premiere 2012. „Die Auktion ist zufriedenstellend ausgefallen, wenn auch nicht sensationell“, sagte der Chefanalyst der Bremer Landesbank, Folker Hellmeyer. Der Bund könne sich zum aktuellen Marktzins refinanzieren. „Die Emission war relativ unspektakulär“, sagte auch Viola Stork von der Helaba. Die Nachfrage habe sich im üblichen Rahmen bewegt. 2011 waren die Auktionen zehnjähriger Bundesanleihen im Schnitt 1,54-fach überzeichnet.
Die Versteigerung war mit einiger Spannung erwartet worden, weil es bei der Auktion einer zehnjährigen Anleihe am 23. November einen Käuferstreik gab. Sechs Milliarden Euro wurden den Anlegern angeboten, sie wollten aber nicht einmal vier Milliarden haben. Einige Experten begründeten den Ausrutscher mit dem nervösen Marktumfeld. Andere sagten, am Jahresende hätten viele Anleger ihre Bücher geschlossen und deshalb kein Interesse mehr gehabt.
Deutschland profitiert vom Sicherheitsimage
Deutschland profitiert in der Schuldenkrise bislang von seinem Status als sicherer Hafen. Anleger sind deshalb bereit, einen Zinsabschlag zu gewähren. Umgekehrt ist die Lage in Krisenländern wie Italien und Spanien. Dort verlangen Investoren wegen der hohen Verschuldung und des schwachen Wachstums eine Risikoprämie. Die Rendite für italienische Papiere lag bei knapp 6,9 Prozent, die für spanische Anleihen bei 5,4 Prozent.
Beide Länder zapfen nächste Woche zum ersten Mal den Kapitalmarkt an. Frankreich will bereits an diesem Donnerstag bis zu acht Milliarden Euro bei Anlegern einsammeln. Auch der Marktzins des Nachbarn liegt mit 3,3 Prozent deutlich über dem für Bundespapiere.
Der Bund will sich 2012 deutlich weniger Geld von Investoren leihen. 250 Milliarden Euro sollen durch den Verkauf von Bundeswertpapieren in die Staatskassen gespült werden. 2011 waren es 275 Milliarden Euro. Allerdings gehen Experten davon aus, dass sich diese Summe noch erhöhen wird. Die Planungen der Finanzagentur beruhen auf dem im November beschlossenen Haushalt 2012. Darin sind aber die Kosten für das Vorziehen des Euro-Rettungsschirms ESM auf Mitte 2012 noch nicht enthalten.
Das hatten die EU-Staats- und Regierungschefs erst bei ihrem Gipfel im Dezember beschlossen. Damit kommen auf den Bundeshaushalt mindestens 4,3 Milliarden Euro an zusätzlichen Kosten zu. Die Regierung plant derzeit noch mit einer Neuverschuldung von gut 26 Milliarden Euro, 2011 dürfte sie unter 20 Milliarden Euro gelegen haben.








