Bundesbank-Präsident Weidmann: „Lange Niedrigzinspolitik darf keine Option sein“

Bundesbank-Präsident Weidmann: „Lange Niedrigzinspolitik darf keine Option sein“

Viele warnen vor der Gefahr einer Deflation, doch in diesem Punkt bleibt Bundesbank-Präsident Jens Weidmann gelassen. Seine Theorie: Gewinnen die Krisenländer wieder an Schwung, steigen auch die Preise.

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann sieht ungeachtet der jüngst sehr niedrigen Teuerung aktuell so gut wie keine Gefahr für eine Deflation. "Das von manchen heraufbeschworene Risiko einer sich selbst verstärkenden deflatorischen Abwärtsspirale aus sinkenden Löhnen und Preisen ist gering, trotz derzeit sehr niedriger Inflationsraten im Euro-Raum", sagte Weidmann am Dienstagabend in Berlin. "Diese sind vor allem Folge sinkender Energiepreise und der Anpassungsprozesse in den Krisenländern. Mit der zunehmenden wirtschaftlichen Erholung der Krisenländer dürfte dort auch der Preisauftrieb wieder an Schwung gewinnen."

Der EZB-Rat habe in der Erwartung steigender Inflationsraten vergangene Woche die geldpolitischen Zügel nicht weiter gelockert, sagte Weidmann. "Wir verfolgen die Entwicklung aber sehr genau und sind gegebenenfalls zu weiteren Maßnahmen bereit, um einer zu lange anhaltenden Periode niedriger Inflationsraten effektiv zu begegnen." Dabei müsse berücksichtigt werden, "dass wir mit allen derzeit im Raum stehenden geldpolitischen Maßnahmen Neuland betreten würden". Daher stellten sich Fragen nach der Effektivität solcher Maßnahmen und nach den mit ihnen verbundenen Risiken und Nebenwirkungen.

Trotz niedriger Inflation EZB belässt Leitzins bei 0,25 Prozent

Die Inflation sinkt immer tiefer, die Konjunkturerholung ist labil und der Eurokurs hoch - deshalb bleibt die EZB in Lauerstellung. Vorerst lockern die Geldpolitiker die Zinsschraube aber nicht noch weiter.

Neubau der EZB und Frankfurter Bankenviertel Quelle: dpa

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Klar sei aus seiner Sicht, dass die Risiken mit der Dauer der Niedrigzinspolitik zunehmen, während die positiven, stimulierenden Wirkungen nachlassen. "An der Niedrigzinspolitik für einen längeren Zeitraum festzuhalten, als es für die Sicherung der Preisstabilität notwendig wäre, um die Staatsschulden im Euro-Raum tragbarer zu machen, darf für uns keine Option sein."

Euro-Krise Schlechte Noten für Europas Krisenländer

Marode Banken und wackelige Regierungen: Die Euro-Krise hat auch 2013 den Kontinent in Atem gehalten. Drei der acht Krisenländer fielen positiv auf – für die anderen hagelt es teils miese Noten.

Auch 2013 hat die Finanzkrise Europa in Atem gehalten. Welches der acht Krisenländer fiel positiv auf, welches negativ? Wir haben den Check gemacht und verteilen Zeugnisse. Quelle: WirtschaftsWoche Online

EZB-Präsident Mario Draghi hatte vergangene Woche den Leitzins für die 18 Euro-Länder zwar bei 0,25 Prozent belassen. Die EZB hatte aber signalisiert, dass sie im Abwehrkampf gegen eine Deflation gegebenenfalls auch die Notenpresse anwerfen und in großem Stil Wertpapiere an den Finanzmärkten aufkaufen könnte. Kritiker einer solchen Politik warnen stets vor den damit verbundenen langfristigen Inflationsgefahren. Andere Notenbanken, etwa die Fed, hatten in den vergangenen Jahren mit einer solch laxen Geldpolitik jedoch durchaus Erfolg. Wertpapierkäufe an den Finanzmärkten sind der EZB durch ihr Statut grundsätzlich erlaubt, so lange es sich nicht um Staatsfinanzierung handelt.

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