Centralway-Chef Saidler im Interview: „Die Welt braucht nicht noch eine Bank“

Centralway-Chef Saidler im Interview: „Die Welt braucht nicht noch eine Bank“

, aktualisiert 27. Januar 2017, 14:00 Uhr
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Über die App können Kunden demnächst ein Konto bei der Postbank eröffnen.

von Katharina SchneiderQuelle:Handelsblatt Online

Mit seiner Banking-App Centralway Numbrs positioniert sich Martin Saidler als Partner der Banken. Im Interview erklärt er die Vorteile der neuen Bank-Kooperationen und den Nutzen umfangreicher Datenanalyse.

Die Banking-App Centralway Numbrs hat am Donnerstag zwei Bank-Kooperationen bekannt gegeben. Kunden können über die App Postbank-Konten eröffnen und Kredite bei der Postbank und der Norisbank beantragen. Im Gespräch mit dem Handelsblatt erklärt Centralway-Chef Martin Saidler, wie er das Angebot erweitern will wie die Kunden von Datenanalyse profitieren können.

Herr Saidler, Sie haben Ihren Numbrs Store mit Angeboten von zwei Banken gestartet. Für einen Marktvergleich ist das noch zu wenig. Wann folgen weitere?
Mit der Postbank und der Norisbank haben wir gleich zum Auftakt unseres neuen Angebots zwei renommierte Partner gefunden. Aktuell befinden wir uns mit zahlreichen weiteren Banken in Gesprächen und können in den nächsten Monaten hoffentlich möglichst viele von diesen einbinden.

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Das Produktspektrum umfasst bisher nur Kredite, Kreditkarten und Konten. Werden weitere Finanzprodukte folgen?
Wir arbeiten daran. Als nächstes sollen Sparprodukte folgen, angefangen mit Sparkonten. Das Angebot werden wir dann Stück für Stück erweitern. Langfristig haben wir den Anspruch, die Banking-App mit der größten Auswahl und dem besten Angebot an ganz unterschiedlichen Finanzdienstleistungen zu werden. Damit eröffnen wir Banken einen komplett neuen mobilen Vertriebskanal für ihre Finanzprodukte.

Das dürfte die Banken freuen, aber was hat der Nutzer von Ihrer App?
Wir bieten unseren Nutzern nicht nur einen Überblick über ihre Finanzen, sondern helfen ihnen zum Beispiel auch ihre Ausgaben in Kategorien einzuteilen und Budgets für die einzelnen Bereiche einzuhalten. Wenn das Ausgabenlimit für einen bestimmten Bereich überschritten wird, bekommt der Kunde einen Hinweis. Mit intelligenter Datenanalyse helfen wir unseren Kunden, ihre persönlichen Finanzen zu managen und ihre Kosten dafür zu reduzieren.

Wie sieht das aus?
Anhand der Kontobewegungen könnten wir beispielsweise die Kreditwürdigkeit der Kunden ermitteln. Wenn wir feststellen, dass der Kunde einen teuren Kredit hat, weisen wir ihn darauf hin und schlagen ihm vor, sich nach einer Alternative umzusehen. Ähnlich funktioniert es bei Konten: Wir können dem Kunden anzeigen, wenn er überdurchschnittlich viel für ein Produkt zahlt. Alternative Finanzprodukte gibt es dann in unserem Numbrs Store, wo unsere Nutzer Verträge direkt und bequem über ihr Smartphone und per Chat abschließen können.

Und Sie erhalten dann eine Vermittlungsprovision?
Ja, genau. Unsere App ist kostenlos, aber auch wir wollen Geld verdienen. Wenn der Kunde im Store ein Produkt abschließt, bekommen wir dafür eine Vermittlungsprovision. Das legen wir auch offen. Wichtig ist aber: Die Entscheidung für das konkrete Produkt trifft der Kunde allein. Wir beraten ihn nicht, sondern liefern ihm nur die Daten, die er für seine Entscheidungsfindung braucht.

Das sind sehr sensible Daten. Wie sind die gesichert?
Dieser Verantwortung sind wir uns absolut bewusst, deshalb hat die Sicherheit unserer Kundendaten eine sehr hohe Priorität. So speichern wir unsere Kundendaten anonymisiert in sicherheitszertifizierten Rechenzentren. Die Server stehen ausschließlich in deutschen Städten. Die Daten werden also nicht auf den Geräten der Kunden gespeichert, denn die Wahrscheinlichkeit, dass der Kunde sein Smartphone verliert, ist größer als die eines Hackerangriffs auf uns. Und selbstverständlich geben wir die Daten auch an niemanden weiter, auch nicht an unsere Bankpartner.


„Unsere Sicherheit ist zertifiziert“

Gerade erst gab es einen Hackerangriff auf die Internetbank N26. Wie schützen Sie sich vor solchen Angriffen?
Unsere App baut auf den Sicherheitsstandards der Banken auf, sie reduziert diese nicht. So muss der Nutzer für eine Überweisung weiterhin das TAN-Verfahren seiner Bank anwenden. Darüber hinaus ist die gesamte Datenkommunikation zwischen dem Smartphone und sicherheitszertifizierten Rechenzentren komplett verschlüsselt. Dafür nutzen wir komplexe Verschlüsselungsstandards. Die Sicherheit unserer Kundendaten wurde uns auch vom TÜV-Saarland zertifiziert.

Auch das ständige Prüfen der Kreditwürdigkeit dürfte Kunden abschrecken, die sich um ihre Daten sorgen.
Da darf man sich keine Illusionen machen. Schon heute berechnen Banken laufend die Kreditwürdigkeit, etwa, wenn der Kunde mit Kreditkarte zahlt. Bisher dient das aber vor allem der Absicherung der Geldinstitute und nicht unbedingt dem Kunden. Wir schaffen Transparenz, so dass der Kunde seine Einstufung einsehen und verbessern kann.

Wird es beim Vermitteln von Finanzprodukten bleiben oder streben Sie eine eigene Banklizenz an?
Die Welt braucht nicht noch eine Bank. Wir hatten das am Anfang überlegt, uns aber doch dagegen entschieden. Wir wollen den etablierten Banken keine Konkurrenz machen, sondern ein Partner für sie sein. In manchen Geschäftsfeldern gibt es bereits Anbieter, die besser sind als Banken, so etwa Paypal im Zahlungsverkehr. Aber das Einlagen- und Kreditgeschäft wird ihnen niemand streitig machen.

Bisher konzentriert sich Ihr Geschäft auf Deutschland. Sie hatten in der Vergangenheit aber eine Expansion nach Großbritannien und in die USA angekündigt. Wie weit sind die Pläne fortgeschritten?
In Großbritannien befinden wir uns gerade in der Beta-Phase, wir testen also die App mit ein paar tausend aktiven Nutzern. Für einen Markteintritt in den USA fehlt uns noch der passende Partner. Die Konkurrenz dort ist enorm. Deshalb muss eine Expansion gut vorbereitet sein.

Sie werben damit, dass Ihre App bereits 1,5 Millionen Mal heruntergeladen wurde. Wie viele Menschen nutzen diese auch?
Die genauen Nutzerzahlen kommunizieren wir noch nicht. Wir haben jedoch mehrere hunderttausend aktive Kunden, die fast täglich unsere App nutzen. In Deutschland sind schon mehr als 1,5 Millionen Bank- und Sparkonten bei uns angebunden.

Auf dem Markt gibt es etliche Banking-Apps. Was unterscheidet Sie von der Konkurrenz?
Wir bieten nicht nur eine App, sondern eine technologische Plattform. Meine Vorbilder sind so fantastische Unternehmen wie Google, Facebook und Amazon, die den Kunden mit ihrem technologischen Vorsprung echte Mehrwerte bieten.

Ihr Numbrs Store läuft gerade erst an. Wann kann Centralway Numbrs Gewinne machen?
Wir sind ein sehr gut finanziertes Unternehmen und haben deshalb keinen Ertragsdruck. Gerade erst ist die Investment Corporation of Dubai bei uns eingestiegen. Insgesamt haben wir nun 125 Millionen Dollar von Investoren eingesammelt. Wir haben wegen unserer vielen Fachleute zwar hohe Personalkosten, aber diese Summe reicht schon eine Weile.

Herr Saidler, vielen Dank für das Gespräch.

Quelle:  Handelsblatt Online
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