Chancen für Anleger: Klimawandel an der Börse

KommentarChancen für Anleger: Klimawandel an der Börse

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Braunkohletagebau Garzweiler

von Heike Schwerdtfeger

Die Regierung hat endlich beschlossen, einige Kohlekraftwerke vom Netz zu nehmen, auch international nimmt die CO2-Debatte langsam Fahrt auf. Der Sinneswandel ist auch an der Börse angekommen.

Bislang stand „Decarb“ für eine Diät, bei der Brot, Nudeln und Bananen vom Speisezettel fliegen, weil sie als Dickmacher gelten. Nach dem G7-Gipfel in Elmau und mit der Umwelt-Enzyklika Laudato si des Papstes bekommt die Decarb-Debatte eine neue Bedeutung – mit ganz anderer Wucht.

Weltpolitiker und Vatikan wollen Ressourcenverbrauch und den Kohlendioxid-Ausstoß (englisch: „carbon dioxide“) auf Diät setzen, um die Erderwärmung aufzuhalten. Die Politik hat in der Klimadebatte schon diverse Anläufe genommen, jetzt verstärkt sie den Druck. Auch die Große Koalition hat am Mittwochabend endlich beschlossen, einige Braunkohlemeiler in Deutschland stillzulegen.

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So sehen Obamas Pläne zur CO2-Reduzierung aus

  • Was will die US-Regierung unternehmen?

    Die US-Umweltbehörde will nach Medienberichten mit neuen Regeln den Ausstoß von Treibhausgasen durch Kohlekraftwerke bis 2030 um fast ein Drittel reduzieren.

  • Wie will Obama seine Pläne umsetzen?

    Obama fußt seinen Plan auf den Clean Air Act, einem Bundesgesetz aus den 1970-er Jahren zur Kontrolle gesundheitsschädlicher Luftverschmutzung auf nationaler Ebene. Es ist in der Vergangenheit bereits wiederholt zur Regulierung von Schadstoffen wie Ruß, Quecksilber und Blei angewendet worden, aber erst seit kurzem auch im Kampf gegen die Treibhausgase.

    Im Gegensatz zu den Emissionen neuer Kraftwerke kann die US-Regierung den Schadstoffausstoß bestehender Anlagen nicht direkt regulieren. Stattdessen wird sie Richtlinien zur Verringerung der Emissionen erlassen und dann jeder Bundesstaat seinen eigenen Plan entwickeln, um diesen Richtlinien zu folgen. Wenn sich ein Staat weigert, kann die EPA einen eigenen Plan aufstellen.

  • Warum sind diese Regeln nötig?

    Kraftwerke sind die größte Quelle von Treibhausgas-Emissionen in den USA. Ohne kühne Aktionen, so warnen Umweltschützer und das Weiße Haus, werde sich der Klimawandel intensivieren und die Gesundheit der Menschen rund um die Welt gefährden. In ihrer diesjährigen Klima-Einschätzung warnte die Obama-Regierung, dass Erwärmung und unberechenbares Wetter ohne Gegenmaßnahmen zunehmend in das Leben der Menschen eingreifen würden. „Das ist nicht irgendein entferntes Zukunftsproblem. Das ist ein Problem, das die Amerikaner heute betrifft“, sagte Obama im Mai.

  • Wie stark werden die Verringerungen sein?

    Genau weiß das noch niemand. Die Regierung hat bisher nicht klar gesagt, ob sie sich für einen einheitlichen Standard oder verschiedene Standards für die einzelnen Bundesstaaten entschieden hat. Aber einer von Obamas Spitzenberatern, John Podesta, kündigte an, dass die Reduzierungen durch Flexibilität für die Staaten „so kosteneffektiv und effizient wie möglich“ gestaltet würden. Das könnte freie Wahl der Wege bedeuten, wie das Ziel erreicht wird: etwa durch eine stärkere Nutzung der Solar- und Atomenergie oder sauberer Brennstoffe, Programme zur Senkung des Energiebedarfs oder einen Emissionshandel zwischen verschiedenen Bundesstaaten.

  • Wie wirkt sich das auf Wirtschaft und Strompreise aus?

    Die Abhängigkeit von Kohlekraftwerken ist in den einzelnen Bundesstaaten unterschiedlich. Aber es ist durchaus möglich, dass die Strompreise steigen werden. Die USA produzieren 40 Prozent ihrer Elektrizität aus Kohlekraft. Aber Umweltschützer argumentieren, dass ein Teil der Kosten durch sinkende Ausgaben für die Gesundheitsfürsorge ausgeglichen werden.

  • Braucht Obama die Zustimmung des Kongresses?

    Nicht in diesem Fall. Nach einer Entscheidung des höchsten US-Gerichts im Jahr 2007 ist die EPA befugt, Kohlendioxid-Emissionen unter dem Clean Air Act zu regulieren. Aber das heißt nicht, dass es nicht heftigen Widerstand und langwierige gerichtliche Vorstöße gegen die Regeln geben wird. Die Regierung selbst erwartet das und bereitet sich darauf vor.

  • Wann werden erste Maßnahmen ergriffen?

    Auch ohne massive Opposition würden die Reduzierungen nach der Verkündung des Plans am Montag noch lange nicht anfangen. Erstmal wird es ein ganzes Jahr lang die Möglichkeit zu öffentlichen Kommentaren und Revisionen geben, und dann haben die US-Staaten ein weiteres Jahr Zeit, der EPA ihre Pläne zur Umsetzung der Regeln vorzulegen.

Dass der Westen damit Ölexporteuren wie Russland schadet, ist dabei eine vermutlich nicht unwillkommene Nebenwirkung.

Für die USA gab deren Umweltbehörde EPA gerade eine Studie zum Klimawandel heraus. Ohne rechtzeitige Gegenmaßnahmen rechnet die Behörde in den USA ab 2050 mit Tausenden Toten durch Luftverschmutzung und Überschwemmungen. Sollte der Meeresspiegel ansteigen, drohten Schäden an den Küsten, die Immobilienvermögen in Billionenhöhe vernichten könnten.

Mit der Decarb-Debatte ist hoffentlich ein Sinneswandel verbunden, der dazu führt, dass der Planet nicht noch bis zum letzten Öltropfen ausgepresst wird und die Welt etwa auf Ölbohrungen im Polarmeer verzichten kann. Dass wäre in jedem Fall eine gesunde Entwicklung – selbst wenn sie zu spät kommt, um den Klimawandel noch aufzuhalten. Viele halten das ohnehin für genauso unmöglich, wie die Kontinentalverschiebung zu stoppen.

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An den Börsen wurde bereits ein neues Zeitalter eingeläutet. Staatsfonds, Uni-Stiftungen und Versicherer ziehen sich aus Öl- und Kohleinvestments zurück, Nachhaltigkeitskonferenzen und -produkte gehören für große Fondshäuser zum guten Ton. Notierte der weltgrößte Kohleförderer, Peabody Energy aus den USA, vor vier Jahren noch bei umgerechnet 50 Euro, ist die Aktie heute mit 2,45 Euro auf dem Weg zum Pennystock. Die Versorger RWE und E.On, die stark auf Kohlekraftwerke setzen, haben ebenfalls nur noch ein Viertel ihres einstigen Werts. Der deutsche Vermögensverwalter Jochen Wermuth warnt, dass in den Bilanzen von Öl-, Gas- und Kohleunternehmen gewaltige Wertberichtigungen anstehen, weil diese nach den Beschlüssen des G7-Gipfels nur noch etwa 20 Prozent der bilanzierten Vorkommen ausbeuten könnten. Verlieren Öl exportierende Länder ihr gutes Bonitätsrating, weil ihr Rohstoff an Bedeutung verliert, dürfte dies die Anleihemärkte erschüttern.

Für Anleger tun sich Chancen auf. Seit Monaten entwickeln sich Windkraftanlagen-Bauer wie Vestas, Gamesa oder Xinjiang Goldwind besser als die Weltbörsen, während die Ölförderer BP oder Royal Dutch Shell schlechter laufen. Das französische Fondshaus Amundi hat jetzt einen Indexfonds zum Thema aufgelegt. Die Unternehmen darin sollen nur halb so viel CO2 ausstoßen wie die im Welt-Aktienindex MSCI. Immer nachvollziehbar ist die Aktienauswahl allerdings nicht: Die größte Aktie im Fonds ist ausgerechnet vom US-Ölförderer ExxonMobil.

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