Chaos beim Lottoanbieter: Tipp24 zieht Gewinnwarnung wieder zurück

Chaos beim Lottoanbieter: Tipp24 zieht Gewinnwarnung wieder zurück

, aktualisiert 02. September 2014, 13:25 Uhr
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Tipp24 ist ein Internet-Lottoanbieter.

Der Internet-Lottoanbieter Tipp24 musste seine Gewinnwarnung wieder revidieren. Seriöse Anlegerinformation geht anders. Jetzt prüft die BaFin den Fall.

So etwas erleben Börsianer nur selten. Der im S-Dax notierte Internet-Lottoanbieter Tipp24 hat am Montagabend seine jüngste Gewinn- und Umsatzwarnung wieder zurückgezogen. Die Firma kehre zu der am 6. August 2014 veröffentlichten früheren Prognose für das laufende Geschäftsjahr zurück, teilte das Unternehmen in einer Pflichtveröffentlichung mit. Demnach erwartet der Lottoanbieter einen Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 15 bis 25 Millionen Euro und einen Umsatz von 135 bis 145 Millionen.

Erst am Sonntag hatte Tipp24 seine Gewinnprognose für 2014 auf zehn bis 20 Millionen Euro gesenkt. Die ursprüngliche Umsatz-Prognose schraubte das Unternehmen auf 90 bis 100 Millionen Euro herab. Wie kann es sein, dass ein Konzern eine falsche Ad-hoc-Meldung herausgibt, und diese wieder zurückziehen muss?

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Auslöser für die Gewinnwarnung war ein angeblicher Lottogewinn bei der Tipp24-Minderheitsbeteiligung MyLotto24 Limited. Die, so sagte es ein Sprecher von Tipp24, habe dem Unternehmen am Sonntag gemeldet, dass der Jackpot in Höhe von 44 Millionen Euro war geknackt worden sei. Tipp24 sei deswegen verpflichtet gewesen, den Kapitalmarkt darüber zu informieren. Tipp24 hatte am Sonntag mitgeteilt, dass ein Teil des Spielgewinns bei MyLotto24 sei zwar durch Sicherungsinstrumente abgedeckt sei. Die hohe Auszahlung belaste aber trotzdem den Gewinn (Ebit) im laufenden Geschäftsjahr mit rund fünf Millionen Euro.

Hans Cornehl "Das Lottogeschäft geht ins Internet"

Aktuell laufen nur fünf Prozent der Lotterien weltweit online. Deutschland büßt wegen unklarer Regeln Steuern ein, erklärt der Chef von Tipp24, Hans Cornehl, im Interview mit unserer Redaktion.

Hans Cornehl, 47, ist promovierter Chemiker und führt seit 2010 den Vorstand des Wettanbieters Tipp24 SE. Das SDax-Unternehmen bietet über britische Wettlizenzen Glücksspiel im Internet an. Cornehl arbeitete zuvor beim Wagniskapitalgeber Earlybird und bei McKinsey. Quelle: Presse

Offenbar gab es den Gewinn aber gar nicht. "Die MyLotto24 Limited hat angegeben, dass der Bericht über den Spielgewinn unzutreffend war, was sich im Laufe weiterer Routine-Kontrollen herausgestellt hat", teilte Tipp24 in der Ad-hoc-Meldung vom Montagabend mit. Infolgedessen kehre das Unternehmen zur ursprünglich geltenden Prognose zurück.

Der Sprecher von Tipp24 sagte WirtschaftsWoche Online, dass die Kontrolle der Tippscheine „relativ aufwändig“ sei und sie mehrere Tage dauere. Am Tag der Meldung von MyLotto24 habe noch ein „kleines Restrisiko“ bestanden, welches sich leider bestätigt habe. Das sei ein „echter Einzelfall“. MyLotto24 operiere als „unabhängiges Unternehmen“. Da es sich bei MyLotto24 um eine Minderheitsbeteiligung handele, habe der Vorstand von Tipp24 keinen Einfluss auf die Beteiligung und sei abhängig von den Informationen aus dem Unternehmen.

Besonders tragisch: Auch bei der korrigierten Pflichtveröffentlichung von Tipp24 handelt es sich  um eine Gewinnwarnung. Die Firma hatte ihre Erwartungen für 2014 reduziert, weil sich die hohen Kosten für den Aufbau neuer Dienstleistungen und Produkte nicht so schnell auszahlen wie erhofft.

Gravierende Folgen für Anleger

Was auf den ersten Blick nach einem schlechten Scherz klingt, kann für Anleger gravierende Folgen haben. Entsprechend groß ist das Entsetzen unter Investoren. Denn in Folge einer Gewinnwarnung trennen sich viele Anleger von ihren Aktien. Auch das Tipp24-Papier verlor am Montag über sieben Prozent.

Wer beispielsweise Stoppkurse gesetzt hat, muss nun zunächst Kursverluste im Depot hinnehmen. Da hilft es nichts, dass die Aktie am Dienstag rund zwei Prozent im Plus lag (Stand: 11:30 Uhr) und damit einen Teil der Vortagesverluste wieder ausglich.

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Um eine mögliche Marktmanipulation zu überprüfen, schaut sich auch die Finanzaufsicht BaFin den Fall an. Die Behörde prüfe deren Rücknahme der Prognosesenkung, sagte ein BaFin-Sprecher am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. "Wir werden schauen, ob ein Fall von Marktmanipulation vorliegt". Ein Sprecher von Tipp24 betonte, die Überprüfung der BaFin sei reine Routine, die sie nicht fürchten müssten. Unternehmen sind nach dem Wertpapierhandelsgesetz dazu verpflichtet, Gewinnwarnungen herauszugeben. Dabei geht es unter anderem um Transparenz für Anleger und darum, Insidergeschäfte zu verhindern.

Tipp24 operiert seit 2012 nur noch von Großbritannien und Spanien aus. Sein ursprüngliches Lotto-Online-Vermittlungsgeschäft ist in Deutschland per Glücksspiel-Staatsvertrag verboten. Die Mehrheit an den mit einer britischen Lizenz ausgestatteten Auslandsgesellschaften von Tipp24 hält eine Schweizer Stiftung, sie werden aber voll konsolidiert. Tipp24 veranstaltet praktisch eine eigene Lotterie auf Basis der in Deutschland gezogenen Lottozahlen, die Gewinnsummen zahlt damit Tipp24.

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