Chaos-Szenario: Londoner Broker simuliert den Zerfall der Euro-Zone

Chaos-Szenario: Londoner Broker simuliert den Zerfall der Euro-Zone

, aktualisiert 29. November 2011, 08:24 Uhr
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Drachme oder Euro? Devisenbroker bereiten sich auf den Ernstfall in Griechenland vor.

von Michael MaischQuelle:Handelsblatt Online

Der weltgrößte Währungs- und Anleihebroker Icap trifft konkrete Vorbereitungen für einen Ausstieg Griechenlands und anderer Staaten aus der Währungsunion. Die Drachme könnte jederzeit wieder gehandelt werden.

LondonAm größten Finanzplatz Europas ist das Auseinanderbrechen der Euro-Zone längst mehr als eine theoretische Option. Der weltgrößte Währungs- und Anleihebroker Icap trifft bereits konkrete Vorbereitungen für einen Ausstieg Griechenlands und anderer Krisenstaaten aus der Währungsunion.

"Angesichts der wachsenden Sorgen unserer Kunden über die Zukunft der Euro-Zone haben wir über die weltgrößte Devisenhandels-Plattform EBS die Wiedereinführung der Drachme durchgerechnet", erläuterte ein Icap-Sprecher gestern. Dabei simulierte das Londoner Brokerhaus den Handel zwischen den Währungspaaren Euro/Drachme und Dollar/Drachme. "Wir haben diese Szenarien rund sechs Monate lang getestet", betonte der Sprecher. "Unser Ziel ist es, vorbereitet zu sein, um im Falle eines Falles so schnell wie möglich reagieren zu können. Über die Icap-Plattform wickeln rund 3 000 Großinvestoren aus aller Welt ihre Devisengeschäfte ab.

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Nachdem die Diskussion über eine Volksabstimmung in Griechenland Anfang November zu neuem Chaos an den Finanzmärkten führte, greift die Furcht vor einem Ende der Euro-Zone in ihrer heutigen Form immer weiter um sich. In einer Umfrage der britischen Großbank Barclays unter rund 1 000 ihrer Investment-Banking-Kunden gingen rund 50 Prozent der Teilnehmer davon aus, dass im kommenden Jahr mindestens ein Land aus der Währungsunion aussteigen muss. 35 Prozent der Euro-Skeptiker erwarteten, dass Griechenland der einzige Wackelkandidat bleiben wird. Aber immerhin 20 Prozent der Zweifler befürchteten, dass alle fünf Krisenstaaten die Euro-Zone verlassen müssen.

Auch beim Großbroker Icap will man nicht ausschließen, dass am Ende mehr als ein Euro-Teilnehmer seine alte Währung wieder einführen wird. "Wenn wir den Handel mit der Drachme simulieren, heißt das, dass wir auch jede andere neue Devise handeln können, wir wollen schließlich für alle Eventualitäten gewappnet sein", machte der Icap-Sprecher klar.

In der vergangenen Woche hatte bereits die britische Finanzaufsicht Financial Services Authority alle Banken in der Londoner City aufgefordert, Vorkehrungen für einen ungeordneten Ausstieg eines oder mehrerer Mitglieder aus der Währungsunion zu treffen. "Als Aufseher ist uns sehr daran gelegen, dass die Institute auch von chaotischen Konsequenzen aus der Krise in der Euro-Zone nicht überrascht werden", betonte Andrew Bailey, verantwortlich für die Bankenaufsicht beim britischen Regulierer. Gutes Risikomanagement heiße, sich auch auf unwahrscheinliche, aber sehr ernste Szenarien vorzubereiten.

Das sieht die internationale Beratungsgesellschaft Accenture ähnlich: "Der Euro wurde in mehreren Stufen über Jahre hinweg eingeführt, der Austritt eines Mitglieds wird sich vermutlich an einem einzigen Wochenende abspielen", warnt Accenture in einer aktuellen Studie.

Quelle:  Handelsblatt Online
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