Chartgespräch: Eine Hausse ist noch nicht in Sicht

Chartgespräch: Eine Hausse ist noch nicht in Sicht

, aktualisiert 31. Oktober 2011, 13:10 Uhr
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Die Bewegungen an den Börsen sind so stark abhängig von der Politik wie selten zuvor.

von Ulf SommerQuelle:Handelsblatt Online

Die Ereignisse in der Politik haben jüngst Anlegern wieder Mut gemacht und der Talfahrt ein vorläufiges Ende beschert. Doch eine neue Hausse entsteht damit noch lange nicht, so Klaus Deppermann von der BHF-Bank.

DüsseldorfSelten, vielleicht sogar noch nie waren die Finanzmärkte so sehr von der Politik beeinflusst wie jetzt. Das macht es für Analysten naturgemäß schwer, aus der Verfassung der Firmen und des Marktes Prognosen zu erstellen.

So gültig diese Feststellung sein mag, so wenig sollte sich ein Analyst mit diesem Argument herausreden – sonst könnte die Zunft gleich ihr Geschäft aufgeben. Deshalb stellt sich Klaus Deppermann von der BHF-Bank dem Gespräch – wohl wissend, dass die Politik schon morgen den Höhenflug an den Börsen zunichte machen kann.

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Der Experte für Charts nähert sich seiner Prognose, indem er Wahrscheinliches vom Unwahrscheinlichen trennt. Am wenigsten wahrscheinlich ist für ihn, dass nach der jüngsten Rally nun ein lang anhaltender Aufschwung die mehrmonatige Talfahrt ablöst – die Baisse also in eine Hausse mündet. „Zu groß ist der angerichtete Schaden und zu eindeutig die negativen Signale“, sagt Deppermann. Die Gefahr, jetzt zu Höchstkursen einzusteigen, ist für ihn höher, als die Chance, demnächst zu niedrigeren Kursen kaufen zu können.

Grund für seine Skepsis ist die Entwicklung seit dem Frühjahr. Im Mai endete die zwei Jahre zuvor gestartete Hausse, als die Aktienkurse nur noch seitwärts auf- und abpendelten, ehe sie schließlich – charttechnisch mustergültig – Ende Juli abstürzten. Mustergültig deshalb, weil sich genauso große Trendwenden ankündigen: in diesem Fall das Ende einer Hausse und der Beginn einer Baisse.

Deppermann setzt darauf, dass sich die Börsen nach ihrer fulminanten Aufwärtsbewegung in den nächsten Wochen nur seitwärts bewegen, dabei maximal an die 200-Tage-Linie heranlaufen – das heißt an den Handelsdurchschnitt der vergangenen 200 Tage –, ehe sich die im Juli begonnene Baisse schließlich fortsetzen wird.


Ein sofortiger Absturz nach diesem Kurssprung wäre untypisch

Üblicherweise enden Bärenmarkt-Rallys, also Erholungen innerhalb einer Talfahrt, spätestens dann, wenn sich die Kurse einer fallenden 200-Tage-Linie nähern. In der Börsengeschichte gelang es den Börsen fast nie, eine fallende 200-Tage-Linie im ersten Anlauf zu überwinden. Im Gegenteil: Sobald sich die Kurse dieser Linie nähern, interpretieren dies viele Anleger als Signal zum Ausstieg und läuten so die neuerliche Talfahrt ein.

Deppermann ist allerdings mit Blick auf den nächsten Monat nicht so skeptisch, dass er nach der fulminanten Rally, die dem Dax in nur knapp vier Wochen 23 Prozent Zugewinn bescherten, sogleich wieder einen Absturz fürchtet. „Nach solch einer dynamischen Bewegung, wie wir sie jetzt erlebt haben, wäre ein sofortiger Absturz absolut untypisch.“

Der Grund: Marktteilnehmer haben einen Großteil ihrer extrem hohen Risikoscheu, wie sie bis Anfang Oktober dominierte, abgelegt und wieder neuen Mut gefasst. Und das in einem so großen Ausmaß, dass sie nicht bei der nächsten kleinen Hiobsbotschaft aus der Politik oder aus einem der Schuldenstaaten sogleich wieder panisch alle Aktien verkaufen.

Ablesen lässt sich diese neue Risikofreude an den Finanzmärkten an den stark steigenden Kursen, noch mehr aber an den geringen oder zuletzt ganz ausbleibenden Kursrückschlägen, sobald eine schlechte Nachricht die Anleger erreichte.

Anders ausgedrückt: So wenig sich zerstörtes Vertrauen im Nu wieder aufbaut, so wenig schmilzt einmal gewonnenes Vertrauen sofort wieder dahin.

Quelle:  Handelsblatt Online
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