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Chartgespräch mit Jörg Scherer: Der Bund-Future zeigt Schwäche

von Ralf Drescher Quelle: Handelsblatt Online

Im letzten Jahr kletterte der Bund Future von einem Hoch zum anderen. Das hat sich auch Anfang 2012 nur wenig geändert - bis jetzt. Jörg Scherer, technischer Analyst bei HSBC Trinkaus, erwartet eine stärkere Korrektur.

Händler an der Frankfurter Börse: 2012 hat sich das Blatt am Aktienmarkt gedreht. Quelle: Reuters
Händler an der Frankfurter Börse: 2012 hat sich das Blatt am Aktienmarkt gedreht. Quelle: Reuters

DüsseldorfDer Aktien- und der Rentenmarkt laufen nach klassischer Lehre gegenläufig. Lahmt die Konjunktur und die Unternehmensgewinne schwächeln, gehen die Investoren auf Nummer sicher und kaufen Anleihen. Brummt die Wirtschaft dagegen und den Unternehmen geht es gut, schalten die Anleger auf Risiko und trauen sich verstärkt in Aktien.

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So war es auch im vergangenen Jahr. Während der Deutsche Aktienindex Dax 2011, durchgeschüttelt von der europäischen Schuldenkrise und Sorgen vor einem Konjunkturrückschlag, um 15 Prozent abrutschte, kletterte der Bund-Future, Gradmesser für den europäischen Anleihemarkt, von einem Hoch zum anderen. In der Spitze stieg der Kurs des Terminkontrakts auf mehr als 140 Prozent.

Im laufenden Jahr hat sich das Blatt am Aktienmarkt gedreht. Seit Anfang Januar ist der Dax steil gestiegen. Rund 13 Prozent hat der Leitindex in den ersten Wochen des Jahres gutgemacht. Am Rentenmarkt drehte die Stimmung dagegen zunächst nicht. Der Bund-Future ist von seinem Hoch nur geringfügig zurückgekommen und hielt sich lange im Bereich von 140 Prozent. „Angesichts der guten Stimmung am Aktienmarkt und der deutlich rückläufigen Renditen italienischer und spanischer Staatsanleihen war das schon überraschend“, sagt Jörg Scherer, technischer Analyst bei HSBC Trinkaus.

In den letzten Tagen zeigte der Bund-Future aber doch Schwäche. Und der Abwärtstrend könnte sich Scherer zufolge noch deutlich beschleunigen. „Aktuell bewegt sich der Bund-Future an einer bedeutenden Marke“, erklärt Scherer. „Im Bereich von gut 137 Prozent treffen zwei Kursmuster zusammen. Im Tageschart stehen wir kurz vor der Vollendung einer Doppel-Top-Formation, im Wochenchart könnten wir schon bald eine Keilformation nach unten verlassen.“


Abwärtspotenzial bei unter 137 Punkten

Ein Doppel-Top ist aus Sicht der Charttechnik ein Umkehrmuster. Es entsteht, wenn der Kurs in einer Aufwärtsbewegung zweimal an einer oberen Marke scheitert und anschließend unter das Ausgangsniveau zurückfällt. Der Bund-Future prallte im vergangenen Jahr zweimal im Bereich von 140 Prozent nach unten ab. Sollte er unter 137,18 Punkte fallen, wäre die Formation vollendet.

Verstärkt würde der Abwärtsdruck dadurch, dass dann gleichzeitig eine Keilformation durchbrochen würde. Diese tritt ebenfalls meist dann auf, wenn eine Trendumkehr bevorsteht. Die untere Linie der Keil-Formation im Wochenchart verläuft aktuell bei 137,25 Prozent.

Sollte der Bund-Future tatsächlich den wichtigen Bereich oberhalb von 137 durchbrechen, ergibt sich Scherer zufolge ein beträchtliches Abwärtspotenzial. „Rechnerisch wäre ein Sturz bis auf 133 Punkte möglich“, beschreibt der HSBC-Analyst. Und es könnte noch schlimmer kommen. Denn „In diesem Bereich verläuft die Nackenlinie eines potenziellen großen Dreifachtops. Sollte diese Bastion ebenfalls kippen, ist auch ein Kursrutsch bis auf 125 Prozent denkbar, wo derzeit der Basisaufwärtstrend seit Sommer 2008 verläuft.“

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