China-Experte Ma Jianhong : "Führung funktioniert in China grundlegend anders"

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InterviewChina-Experte Ma Jianhong : "Führung funktioniert in China grundlegend anders"

von Philipp Mattheis

Warum deutsche und chinesische Kollegen oder Geschäftspartner so oft aneinander vorbeireden. Und was Tiger, die Bibel und teurer Rotwein damit zu tun haben.

WirtschaftsWoche: Professor Ma, Manager ausländischer Unternehmen in China klagen oft darüber, wie anstrengend es ist, chinesische Mitarbeiter zu führen. Ist das wirklich so schwer?

Ma Jianhong: Führung von Mitarbeitern funktioniert in China grundlegend anders, als ausländische Manager es gewohnt sind. Managementsysteme, die im Westen sehr erfolgreich sind, versagen oft in China, wenn sie nicht an die hiesige Kultur angepasst werden.

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Können Sie ein Beispiel nennen?

Das fängt schon bei scheinbar banalen Dingen an: Wir haben zum Beispiel oft gehört, dass chinesische Mitarbeiter mit den Computerprogrammen von SAP nicht gut zurechtkommen. Chinesen sind damit nicht sehr glücklich – weil wir parallel denken.

Parallel denken – was meinen Sie damit?

Die Kognitionspsychologie unterscheidet zwischen zwei Prozessen: dem Treffen einer Entscheidung und ihrer Implementierung. Gerade die Deutschen verwenden sehr viel Zeit darauf, im Vorfeld zu planen, auf dieser Basis eine Entscheidung zu treffen und diese dann auch exakt so umzusetzen. Chinesen dagegen planen nicht gern, sie probieren lieber aus und treffen die Entscheidung irgendwann unterwegs. Chinesen wollen sich einfach alle Möglichkeiten so lange wie möglich offenhalten. Bei einem System wie SAP funktioniert das genauso wenig wie zum Beispiel im Einkauf.

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Warum?

Ein Einkäufer von General Electric hat sich einmal beklagt, von chinesischen Geschäftspartnern nie einen klaren Preis für ein Produkt oder eine Dienstleistung genannt zu bekommen. Das chinesische Unternehmen habe versucht, die endgültige Festlegung so lange wie möglich hinauszuzögern. Manchmal nennen Chinesen in Verhandlungen auch einfach zwei Preise oder machen den Preis vom jeweiligen Kunden abhängig. Für Westler ist dieses Verhalten verwirrend und wirkt intransparent.

Woher kommt diese Mentalität?

Von den unterschiedlichen kulturellen Wurzeln. Während der Westen von der Bibel geprägt ist, hatten die Chinesen Yi Qing, das „Buch der Wandlungen“. Alles ist demnach im Prozess begriffen und wird nicht festgelegt. Das hängt direkt mit der Frage zusammen, wie viel Unsicherheit eine Kultur erträgt. In China ist dieser Faktor sehr hoch, in Deutschland wohl extrem niedrig. Wenn ein Westler einen Tiger sieht, studiert er erst genau das Verhalten des Tieres und überlegt dann, was zu tun ist. Wir Chinesen setzen uns erst mal auf den Rücken des Tigers und probieren, ob man auf ihm reiten kann.

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