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China: Freigabe des Yuan rückt näher

Quelle: Handelsblatt Online

Peking macht Ernst: Die Freigabe des Yuans könnte schneller kommen als gedacht. Erst soll die Währung in einer Sonderzone erprobt werden, dann die Welt erobern. Für Ausländer bedeutet das: viele neue Anlagemöglichkeiten.

Der Yuan soll die Welt erobern. Quelle: Reuters
Der Yuan soll die Welt erobern. Quelle: Reuters

PekingDie chinesische Regierung plant erstmals Versuche mit dem Währungshandel auf eigenem Boden. In den kommenden Jahren soll in der südlich gelegenen Großstadt Shenzhen eine Sonderfinanzzone entstehen, in der Yuan bis zu einem bestimmten Volumen frei tauschbar sein werden. „Die Regierung wird ein proaktives Experiment durchführen und Konvertierbarkeit innerhalb des Kapitalmarkts erforschen“, zitiert die Nachrichtenagentur Reuters den stellvertretenden Regierungssprecher Wang Zhongwei.
Die neuen Pläne zeigen, wie ernst es Peking mit der Internationalisierung des Yuan ist. „Es handelt sich um den nächsten logischen Schritt auf dem Weg der Öffnung des Kapitalmarkts“, sagt Ökonom Wei Yao von der Société Générale in Hongkong. China ist zwar bereits die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt und hat Deutschland als wichtigster Exporteur abgehängt. Doch die Währung des Landes, der Yuan, ist noch nicht frei handelbar. Wie zu kommunistischen Zeiten laufen Transfers über die Zentralbank, die zudem täglich die Kurse festsetzt.
Im Jahr 2005 hat jedoch eine groß angelegte Reform begonnen mit dem Langfristziel, den Yuan für den Handel zu öffnen und ihn als globale Reservewährung neben dem Dollar zu platzieren. „Das Anwendungsspektrum des Yuans unterscheidet sich kaum noch von dem des Dollars und des Euros“, sagt Xing Yujing, Abteilungsleiter bei der chinesischen Notenbank. „Es wird nicht mehr lange dauern, bis er voll konvertierbar wird.“
Für Freitag ist eine Pressekonferenz in Shenzhen geplant, bei der Vertreter des zentralen Planungsministeriums erste Details zu den Plänen einer Sonderfinanzzone bekanntgeben könnten. Die Stadt liegt direkt an der Grenze zu Hongkong. Im Gebiet zwischen den beiden chinesischen Territorien soll künftig die „Qianhai Shenzhen-Hong Kong Modern Service Industry Cooperation Zone“ entstehen, in der auch andere Finanzprodukte leichter handelbar werden sollen. Die Initiative steht im Zusammenhang mit dem fünfzehnten Jahrestag der Rückgabe der ehemaligen britischen Kolonie Hongkong an China. Klar ist: Für Ausländer gibt es dadurch in China viele neue Anlagemöglichkeiten.

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Auch London will mitspielen

Kern des Projekts ist die Weiterentwicklung des chinesischen Geldes selbst. Peking hat bereits Verträge zum Yuan-Handel mit zahlreichen Ländern getroffen, darunter Japan, Malaysia, Weißrussland oder Argentinien. Der Finanzplatz London hat sich darum bemüht, ein Auslandszentrum der chinesischen Währung zu werden, und diesen Status kürzlich auch erhalten. „Das ist günstig für London und bringt einen Wettbewerbsvorteil gegenüber Frankfurt“, sagt ein Banker im China-Geschäft.

Die Nachricht von der Sonderwährungszone in Shenzhen relativiert diesen Vorteil nun bereits, bevor er richtig zum Tragen kommt. Denn China will die vollständige Internationalisierung des Yuan offenbar viel schneller voranbringen als bisher gedacht. Wenn der freie Handel mit Yuan jedoch so normal wird wie der mit japanischem Yen, mit Dollar oder Euro, dann haben spezielle "Offshore-Zentren" keinen Sinn mehr.
Zurzeit steht Hongkong jedoch unverändert an der Spitze der Entwicklung. Der einstmals kommunistisch-langweilige Yuan entwickelt hier bereits ein Eigenleben, denn er ist hier in einer Art Parallelwelt frei handelbar. Die Kurse gegen seine wichtigste Referenzwährung, den Dollar, liegen daher in Hongkong zuweilen höher (zuweilen auch niedriger) als der offizielle Preis, den die Zentralbank bekanntgibt. Findige Unternehmen nutzen die Preisdifferenz bereits für sogenannte Arbitrage-Geschäfte mit den Yuan-Reserven auf ihren Konten: Sie schieben das Geld so hin und her, dass durch die Kursdifferenz ein Gewinn für sie herausspringt.

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