Chinas Börse: Trump bringt die Krise zurück

Chinas Börse: Trump bringt die Krise zurück

, aktualisiert 12. März 2017, 15:59 Uhr
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Die Börsen in China erholen sich noch vom Crash.

Quelle:Handelsblatt Online

Eigentlich erholt sich der Aktienmarkt in China gut vom Crash im vergangenen Jahr. Doch Donald Trump und seine Wirtschaftspläne könnten das verhindern. China steht vor einem monumentalen Wandel.

FrankfurtMehr als ein Jahr nach dem Börsencrash in China sehen Analysten eigentlich gute Chancen für eine Erholung des dortigen Aktienmarkts - wäre da nicht Donald Trump. Ein Handelskrieg mit den USA könnte den Anlegern im chinesischen Jahr des Feuer-Hahns einen Strich durch die Rechnung machen. Wichtig wird Experten zufolge auch sein, ob China nachhaltig und stabil wächst und seine immense Verschuldung sowie den heißgelaufenen Immobilienmarkt in den Griff bekommt.

„Das größte Risiko für Anleger in China liegt in einem möglichen Handelseinbruch infolge protektionistischer US-Politik“, sagt Kate Moore, Chef-Aktienstrategin beim BlackRock Investment Institute (BII). US-Präsident Trump hat der Volksrepublik wiederholt vorgeworfen, den Wechselkurs ihrer Währung zum Dollar künstlich niedrig zu halten, um der chinesischen Exportwirtschaft zu helfen. Das sorge für einen Jobverlust in Amerika. Zudem drohte er mit höheren Importzöllen für Waren aus China. Staatschef Xi Jinping warnt angesichts der harschen Töne bereits vor einem Handelskrieg. „Sollte die neue US-Regierung ihre Ankündigungen wahr machen, drohen ein Handelskonflikt und schwere diplomatische Spannungen zwischen den beiden Großmächten“, sagt Analyst Janis Hübner von der Dekabank.

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Seit ihren Tiefs im vergangenen Februar haben Chinas Aktienindizes Shanghai Composite und CSI300 jeweils rund 20 Prozent gutgemacht. Auslöser für die Verkaufswelle zum Jahresstart 2016, die Börsenturbulenzen rund um den Globus ausgelöst hatte, war die Abwertung des chinesischen Yuan. Das nährte die Furcht der Anleger vor einer weiteren Abkühlung der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft.

Experten sehen 2017 für Chinas Aktienmarkt aber weiteres Potenzial nach oben. Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank, verwaltet rund 3,5 Milliarden Euro in Dachfonds. Darin sei eine „nennenswerte Position“ in chinesischen Aktien angelegt, betont er. „Das würden wir nicht machen, wenn wir nicht an den chinesischen Aktienmarkt glauben würden.“ Der MSCI-China-Index, der momentan bei 65,15 Punkten steht, könne bis Jahresende „im mittleren einstelligen Prozentbereich“ zulegen.

„Bei Trump weiß man nach wie vor noch nicht so genau, was er will. Er wird es schwer haben, angedrohte Handelseinschränkungen wirklich durchzusetzen“, meint Stephan. So würden etliche Produkte wie beispielsweise Flachbildschirme, Toaster oder Föhne zu nahezu hundert Prozent in der industriereichen Region Guangdong hergestellt. „Wenn die USA Schutzzölle für Importe erheben, werden einige Güter für den US-Konsumenten sehr teuer“, erläutert Stephan. Auf diesen inflationären Effekt werde die US-Notenbank Fed mit steigenden Zinsen reagieren müssen. „Am Ende zahlt der amerikanische Konsument seine Steuer und nicht die Exporteure, die Trump eigentlich treffen wollte.“

Auch Blackrock-Expertin Moore sieht trotz der politischen Spannungen Aufwärtspotenzial in China. „Mittelfristig sind wir der Meinung, dass chinesische Aktien eine attraktive – und noch unterrepräsentierte – Anlage sind.“ Viele der Herausforderungen, vor denen China stehe, seien in den Aktienkursen eingepreist.

Doch Vorsicht ist geboten. Denn in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt stottert der Wachstumsmotor seit geraumer Zeit. 2017 solle die Wirtschaft um etwa 6,5 Prozent zulegen, sagte Ministerpräsident Li Keqiang zum Auftakt der Jahrestagung des Volkskongresses in Peking. 2016 hatte die Volksrepublik ein Plus von 6,7 Prozent geschafft – das war der geringste Zuwachs seit 26 Jahren. "Wenn China Probleme auf der Wachstumsseite bekommen würde, dann hätte das gravierende Auswirkungen auf den Rest der Welt", warnt Stephan.

Der Übergang von einer investitions- und exportgetriebenen in eine binnenmarkt- und konsumorientierte Volkswirtschaft sei nicht einfach. „Insofern steht zu befürchten, dass China in den nächsten Jahren wieder ein Auslöser für höhere Volatilitäten sein könnte.“ Kurzfristig verfüge Peking aber über die finanziellen und administrativen Mittel, um das Wachstum im Plan zu halten - vor allem, damit vor dem wichtigen Parteikongress im Herbst nichts anbrennt.

Quelle:  Handelsblatt Online
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