Chinas Währung: Wann wird der Renminbi zur Reservewährung?

InterviewChinas Währung: Wann wird der Renminbi zur Reservewährung?

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Zhiwei Zhang: "Schon 2016 könnte der Renminbi globale Reservewährung werden."

von Mark Fehr und Saskia Littmann

Der Internationale Währungsfonds entscheidet darüber, ob der Renminbi schon bald zur internationalen Reservewährung wird. Ökonom Zhiwei Zhang erklärt die Chancen der Öffnung des chinesischen Marktes.

China ist an den internationalen Finanzmärkten längst kein Unbekannter mehr - in Zukunft könnte das Reich der Mitte gar zur Finanz-Supermacht werden. Denn vergangene Woche reiste eine Delegation des Internationalen Währungsfonds (IWF) nach China, um sich vor Ort einen Eindruck zu verschaffen von der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes. Besonders die chinesische Währung interessiert die Experten. Entwickelt diese sich wie erhofft, könnte der Renminbi schon bald in den Korb der Reservewährungen aufsteigen.

Dafür müsste der IWF den Renminbi in seinen Währungskorb aufnehmen, dessen Zusammensetzung in diesem Jahr überprüft wird. Eine Bedingung des IWF ist, dass der Renminbi frei handelbar ist. Bisher hat China die Währung an den Dollar gekoppelt und wird dafür kritisiert, sich auf diese Weise Wettbewerbsvorteile zu verschaffen. Aus diesem Grund hatte der IWF die Aufnahme des Renminbi in den Währungskorb auch bisher abgelehnt.

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Zur Person

  • Zhiwei Zhang

    Zhiwei Zhang, 41, ist Chefvolkswirt für China bei der Deutschen Bank. Der Ökonom studierte an der Universität des Chinesischen Volkes in Peking und promovierte in Hongkong.

Käme es tatsächlich zur Erhöhung des Renminbi dürfte auch dessen Bedeutung als Handelswährung deutlich steigen, auch deutsche Unternehmer dürften dann noch häufiger damit bezahlen. Schon jetzt wird ein beachtlicher Teil des globalen Handels in Renminbi abgewickelt, Chinas Währung nimmt Anlauf, um den japanischen Yen als viertwichtigste Handelswährung der Welt nach US-Dollar, Euro und britischem Pfund zu überholen.

Aktienkauf erlaubt

Grundsätzlich hat China seine Finanzmärkte zuletzt deutlich geöffnet. Chinesische Inlandsaktien sind nun auch für ausländische Investoren verfügbar, zudem besteht eine Verbindung zwischen den Festlandbörsen und Hongkong, welche den Handel ebenfalls erleichtern. So können beispielsweise deutsche Privatanleger mittlerweile börsennotierte Indexfonds kaufen, die in chinesische A-Aktien investieren. In der vergangenen Woche gab es allerdings einen Rückschlag, der Indexanbieter MSCI will chinesische Festlandaktien (die sogenannten A-Aktien) noch nicht in seinen Index aufnehmen. Noch gebe es Bedenken im Hinblick auf den Zugang zu den Papieren, so die Begründung. Allerdings könne die Aufnahme in den Index jederzeit nachgeholt werden.

Der China-Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Zhiwei Zhang, im Interview mit WirtschaftsWoche. (zum Vergrößern bitte anklicken) Quelle: Presse

Der China-Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Zhiwei Zhang, im Interview mit WirtschaftsWoche. (zum Vergrößern bitte anklicken)

Bild: Presse

Auch der IWF dürfte seine Bewertung des Renminbi nicht nur von den rein finanziellen Eckpunkten abhängig machen, auch die politischen Reformen Chinas müssen voranschreiten, um den Stand als Reservewährung zu rechtfertigen. Wie hoch die Chancen dafür sind, dass das klappt, erklärt Zhiwei Zhang, Chefvolkswirt für China bei der Deutschen Bank, im Interview mit der WirtschaftsWoche:

WirtschaftsWoche: Herr Zhang, China möchte, dass der Renminbi in den Währungskorb des Internationalen Währungsfonds (IWF) aufgenommen wird und damit den Status als globale Reservewährung erhält. Wie stehen die Chancen dafür?

Zhiwei Zhang: Die Aufnahme des Renminbi in den Währungskorb des IWF dürfte schneller gehen, als manche denken. Der Währungsfonds wird im vierten Quartal dieses Jahres eine Überprüfung vornehmen. Wenn die Aufnahme des Renminbi in diesem Jahr nicht klappt, gehen wir davon aus, dass er dann 2016 Teil des Währungskorbs wird. Ich erwarte, dass der Währungsfonds eine Liste mit Reformen vorlegt, die Peking abarbeiten muss. Sobald das erledigt ist, wird der IWF den Renminbi anerkennen.

Was muss China noch tun?

Der Renminbi muss konvertierbar werden. Dafür muss China Kapitalverkehrskontrollen abschaffen, die Börsen vollständig für ausländische Investoren öffnen und den Umtausch der Währung für Kapitalmarkttransaktionen zulassen. Vor allem auf dem Markt für Anleihen müssen Restriktionen für internationale Investoren fallen.

Die fünf großen Gefahren für Chinas Wirtschaftswachstum

  • Immobilienblase

    Seit Jahren schießen die Immobilienpreise in Chinas Großstädten in ungeahnte Höhen - seit Monaten mehren sich jedoch Zeichen für einen Kollaps.

  • Schattenbanken

    Neben den trägen Staatsbanken hat sich in China ein großer Markt von nicht-registrierten Geldinstituten etabliert, die der Staat bislang nicht kontrollieren kann.

  • Faule Kredite

    Banken haben ohne genaue Prüfung Firmen immense Kredite für unproduktive und verschwenderische Investitionen gegeben.

  • Überkapazitäten

    Mit Subventionen der Regierung haben viele Branchen gewaltige Überkapazitäten aufgebaut, beispielsweise die Solarindustrie. Aber sie werden ihre Produkte nicht los.

  • Internationale Krisen

    Chinas Wirtschaft hängt vom Export ab. Geraten wichtige Abnehmerländer in Krisen, hat auch China Probleme.

Wie weit ist die Regierung dabei?

Ein gutes Stück ist zurückgelegt. Peking hat zum Beispiel die Schwelle erhöht, ab der chinesische Unternehmen ohne Genehmigung Geld im Ausland investieren dürfen. Zudem öffnet die Regierung derzeit den Kapitalmarkt mit Riesenschritten für ausländische Investoren. Sie sollen bald auch im Banken- und Versicherungssektor zum Zug kommen. Devisengeschäfte sind bereits an vielen internationalen Standorten möglich, zum Beispiel im Renminbi-Handelszentrum in Frankfurt.

Was würde die Anerkennung als Reservewährung für China politisch bedeuten?

Einen Prestigegewinn. Es ist damit aber auch ein stärkerer Einfluss auf die Politik des IWF verbunden, der über wichtige Fragen des Welthandels und der internationalen Finanzmärkte entscheidet. China will endlich eine Rolle in der Weltpolitik spielen, die seinem gewachsenen ökonomischen Gewicht gerecht wird.

Zielt Chinas Initiative zum Aufbau der neuen Asiatischen Strukturentwicklungsbank AIIB in dieselbe Richtung?

Ja. China versucht schon lange, mehr Einfluss bei Weltbank und IWF zu erhalten, was bisher nicht wirklich geklappt hat. Also bauen die Chinesen mit asiatischen Partnern eine eigene Entwicklungsbank, durchaus in Konkurrenz zur Weltbank oder zur bereits bestehenden Asiatischen Entwicklungsbank (AIB), die von Japan und den USA dominiert wird.

weitere Artikel

Was ist von dem asiatischen Förderbankprojekt zu erwarten?

Es dürfte einen Boom an Investitionen in die Infrastruktur besonders in Schwellenländern auslösen. Häfen und Bahnlinien werden entstehen. Konkrete Pläne gibt es bereits in Thailand, wo ein Schnellzugnetz kommen soll. Weitere große Investitionen erwarte ich in Afrika und Südamerika.

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