Computerhandel: Die Strategien des Algo-Trading

Computerhandel: Die Strategien des Algo-Trading

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Der Aktienverlauf des 6. Mai 2010. Der Flash Crash verunsicherte viele Anleger.

von Annina Reimann

Schon 40 Prozent der Aktienumsätze in Europa kommen von Computerprogrammen, die automatisch handeln. Ein Überblick über die Strategien der Programmierer.

An den Börsen ist das Duell der Geldmaschinen in vollem Gange: Software, die mit der blitzschnellen Analyse von Börsendaten auch auf kleinste Kursunterschiede setzt und automatisch Börsenorders platziert, ist inzwischen für einen Großteil des Börsenhandels verantwortlich. Programmierer speisen in die Handelscomputer immer neue Strategien ein:

Schnüffeln (Sniffing)

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Sniffer versuchen, andere Algorithmen aufzuspüren und sie auszubooten. Beispiel: Ein Anleger platziert eine große Kauforder, die den Kurs nach oben bewegen wird. Blitzschnell versucht der Algorithmus, Erster zu sein und Aktien, die noch nicht im Preis gestiegen sind, zuerst zu kaufen. Steigt der Kurs, verkauft der Computer Aktien schnell mit einem Minigewinn. Um das zu verhindern, teilen institutionelle Anleger Orders auf. Wer kleine Stückzahlen jedoch nach festem Muster handelt, wird aufgrund dessen von einem fremden räuberischen Algorithmus erkannt und ausgetrickst.Umsatz vortäuschen Trader programmieren Algorithmen so, dass die mit sich selbst hin und her handeln. So täuschen sie Umsatz vor. Springen andere Marktteilnehmer darauf an, verkauft der Algorithmus ihnen Papiere mit Profit.Leitung verstopfen (Quote Stuffing) Bei dieser Strategie sendet der Algorithmus so viele Anfragen ins System, dass die Leitung verstopft. „Nicht jede Börse kann die Geschwindigkeit der Orders verarbeiten“, sagt Moulange. Der Datenfluss verlangsamt sich, der Trader versucht mit Algorithmen am Unterschied zwischen dem alten und dem schnell ermittelten aktuellen Preis zu verdienen. Die Deutsche Börse wehrt sich mit Filtern und lässt pro Börsenzugang eines Händlers nur noch 150 Orders in der Sekunde zu. Allerdings kann jeder mehrere Zugänge bestellen. Möglich ist Quote Stuffing, weil Händler Orders beliebig stornieren dürfen. „Nur durchschnittlich ein Prozent der Orders in Nordamerika und Europa führt heute noch zu einem Geschäft“, sagt Steinbach. Der Rest wird storniert oder läuft ins Leere.

Besser schlau als nur schnell

Handel auf Nachrichten

Der Trader kauft bei Reuters, der Deutschen Börse oder Dow Jones maschinenlesbare Konjunkturzahlen und Unternehmensnachrichten. Wer Algorithmen programmiert hat, die handeln, bevor andere reagieren oder Privatanleger Aufträge platzieren, gewinnt. Um das Geschäft zu forcieren, hat die Deutsche Börse gerade das US-Unternehmen Kingsbury gekauft. Aktienkurse reagieren gewöhnlich mit heftigen Kursausschlägen auf den Chicagoer Einkaufsmanagerindex, den Kingsbury berechnet. Trendfolge Eine der am weitesten verbreiteten Strategien, die auch viele computergesteuerte Fonds nutzen, die an Private verkauft werden: Der Trader programmiert seine Maschine so, dass sie Trends folgt. Steigt zum Beispiel die SAP-Aktie plötzlich innerhalb von drei Sekunden um mehr als ein Prozent, kauft der Algorithmus automatisch SAP – so lange, bis der Trend stoppt. Der Algorithmus fängt dann sofort an zu verkaufen. Künstliche Intelligenz Wer den besseren Algorithmus hat, kann auf den Kampf um die letzte Millisekunde verzichten. Christian Haag, Fondsmanager des NeuroBayes beim Frankfurter Fondshaus Lupus Alpha, setzt auf künstliche Intelligenz. Sein Computer lernt ständig dazu. Das Programm analysiert mit-- hilfe von Algorithmen 900 Aktien. Auf Basis von Daten der letzten zehn Jahre berechnet es jeden Tag, wie wahrscheinlich es ist, dass die Kurse binnen 24 -Stunden steigen oder fallen. Seit dem Jahr 2000 feilen Physiker der Uni Karlsruhe an dem Programm. „Das System lernt aus den Daten und erkennt, welche statistisch relevant sind. Danach baut es jeden Tag ein neues Portfolio und wälzt täglich knapp 100 Millionen Euro um“, sagt Haag.

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