Crash-Gefahren und Top-Aktien: Warum Investitionen in China kein Spiel mehr sind

Crash-Gefahren und Top-Aktien: Warum Investitionen in China kein Spiel mehr sind

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Glücksspiel: Chinas Wirtschaft steht auf der Kippe

von Frank Doll

Das Reich der Mitte kämpft mit den Exzessen der Vergangenheit, die Wirtschaft steht auf der Kippe. Wie es um Chinas Wirtschaft bestellt ist und warum Sie sich trotzdem chinesische Aktien zulegen können.

Casino Total hieß es noch vor knapp einem Jahr in der Welt-Spielhauptstadt Macau. Die Zockerpaläste und Entertainment-Parks in der chinesischen Sonderwirtschaftszone platzten aus allen Nähten. Im berühmten Venetian, einem Casino nebst venezianisch inspirierter Lagune, standen die chinesischen Gäste Schlange, um sich vom Markusplatz über den Canale Grande an 850 Spieltische und 4100 Glücksspielautomaten gondeln zu lassen. Die Casinos im 50 Kilometer westlich von Hongkong gelegenen Macau meldeten noch im Februar 2014 Umsatzrekorde, im Jahresvergleich zogen die Spielumsätze um atemberaubende 40,3 Prozent an. Doch nur wenige Monate später tragen die Gondeln Trauer. Die Spielumsätze brechen derzeit schneller ein als während der Finanzkrise:

Im Dezember setzten die Spieler 30,4 Prozent weniger ein als im Vorjahresmonat, der siebte Monatsrückgang in Folge. Auf Jahresbasis fielen die Spielumsätze um 2,6 Prozent auf umgerechnet 44,1 Milliarden Dollar. 2014 war damit das erste Jahr mit einem Umsatzrückgang überhaupt – seit Liberalisierung des Glücksspiels 2001.

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Ein Mann räumt auf

  • Die Macht des Xi Jinping

    Seit dem 1976 verstorbenen Staatsgründer Mao Tse-tung war kein chinesischer Politiker so mächtig wie der 61-jährige Xi Jinping.

  • Die Kampagne

    In einer großen Kampagne gegen Korruption hat er dafür gesorgt, dass mehr als 200.000 Beamte angeklagt wurden. Der Präsident nutzte die Kampagne aber auch zur Säuberung von Partei- und Regierungsspitze von wichtigen Gegenspielern.

Unter den Spielern in Macau sind viele chinesische Unternehmer – und die kennen ihre Auftragslage. In der Vergangenheit erwies sich die Entwicklung der Umsätze im Spielerparadies stets als verlässlicher Indikator für den chinesischen Konjunkturverlauf. Gilt das immer noch, dann könnte es weit düsterer um die chinesische Wirtschaft bestellt sein, als es die offiziellen Daten anzeigen.

Analysten erklären die plötzliche Abwärtsdynamik in Macau mit strengeren Visa-Vorschriften für Festlandchinesen, die in das Spielerparadies reisen wollen, vor allem aber mit dem Kampf der obersten Parteiführung gegen die Korruption im Land. Richtig: Führende Figuren aus der Glücksspielszene wurden wegen illegaler Aktivitäten verhaftet. So manches Vermögen wurde von den Behörden wegen des Verdachts auf Korruption und Geldwäsche eingefroren.

Korruption blüht weiter

Gegen das Argument, dass der Kampf gegen Korruption die Wetteinsätze einbrechen ließ, spricht die Tatsache, dass die Antikorruptionskampagne des chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping schon seit zwei Jahren läuft. Und dass diese offenbar wenig bewirkt hat: Seit 2012 ist China auf der von Transparency International jährlich aufgestellten Länderliste von Rang 80 auf Rang 100 abgerutscht. Die Erklärungsversuche für den Einbruch der Spielumsätze könnten also ebenso fragwürdig sein wie die offiziellen Wirtschaftsdaten.

Diese Daten würden von der Kommunistischen Partei frisiert, argwöhnt Marc Faber. „China wächst höchstens um vier Prozent pro Jahr“, schätzt der Investor und Chinakenner. Für das dritte Quartal 2014 meldete die Statistikbehörde noch 7,3 Prozent Wachstum. Selbst wenn die Zahl stimmt, wäre dies das niedrigste Quartalswachstum seit fünf Jahren gewesen. Peking zeigt Züge von Panik: Industriekreisen zufolge hat die Regierung in dieser Woche die beschleunigte Umsetzung von 300 Infrastrukturprojekten mit einem Investitionsvolumen von insgesamt rund 1100 Milliarden Dollar für 2015 beschlossen, um die Konjunktur zu stützen.

Sollte es Peking nicht mehr gelingen, für ausreichend hohes Wirtschaftswachstum zu sorgen, würde die Schuldenlast der chinesischen Volkswirtschaft zu schwer, es drohte eine harte Landung. Analysten von Credit Suisse rechnen damit innerhalb der kommenden drei Jahre. Die Strategen der Schweizer Großbank konstatieren für China eine Dreifachblase – bei Krediten, Immobilien und Investitionen.

Andy Xie Top-Ökonom prophezeit Platzen der China-Blase

Die Öffnung des chinesischen Aktienmarkt für ausländische Anleger hält er für ein Ablenkungsmanöver: Andy Xie, Chinas kritischster Ökonom, warnt vor Immobiliencrash und Deflation.

Andy Xie gilt als Chinas kritischster Ökonom. Seine Analysten schätzen selbst an höchsten Stellen im Reich der Mitte. Quelle: Bloomberg

Der damalige chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao hatte bereits vor fast acht Jahren das chinesische Wirtschaftsmodell als instabil, unausgewogen und nicht auf Dauer angelegt bezeichnet. Geändert hat das nichts, und so kämpft China heute mit den Folgen vergangener Exzesse:

Megaboom auf Pump

Zur Jahrtausendwende hatte China den größten kreditfinanzierten Wirtschaftsboom entfesselt, den die Welt je erlebt hat. Allein zwischen 2000 und 2014 hat sich die gesamtwirtschaftliche Kreditmenge von 1000 auf 25.000 Milliarden Dollar erhöht. Angetrieben von diesem Kreditwachstum erhöhte sich die jährliche Wirtschaftsleistung von 1000 auf 9240 Milliarden Dollar.

Chinas aktuelle Situation ähnelt jener von Japan in den späten Achtzigerjahren und von Südkorea Mitte der Neunziger: Wie China haben beide Länder auf Schulden gesetzt, nachdem Urbanisierung und Technologieimporte keine positiven Wirkungen mehr auf das Wachstum zeigten. Schwächt sich in einer solchen Situation die Wirtschaftsdynamik ab, kommen immer mehr faule Kredite zum Vorschein – bis das Kartenhaus zusammenbricht.

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