D-Mark-Noten und -scheine: Der fast vergessene Milliardenschatz

D-Mark-Noten und -scheine: Der fast vergessene Milliardenschatz

, aktualisiert 12. Dezember 2017, 07:01 Uhr
Quelle:Handelsblatt Online

Versteckt in der Verkleidung eines Wohnwagens oder vergessen in Schubladen: Immer noch tauchen D-Mark-Scheine und -Münzen auf. Bei der Bundesbank kann man sie in Euro tauschen – und manchmal verbergen sich dahinter echte Schätze

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Anders als in vielen anderen Ländern der europäischen Währungsunion kann man die einstige deutsche Währung bis heute problemlos in Euro umtauschen.

FrankfurtMancher Bundesbürger wünscht sich die D-Mark zurück, bei anderen landet die alte Währung im Kachelofen. Glück im Unglück hatte eine Frau, die ihr abgelaufenes Sparbuch im vergangenen Jahr kurz vor Weihnachten verbrennen wollte. Dabei fielen 700 D-Mark mit ins Feuer. Die Frau konnte den Schatz noch aus den Flammen retten – auch wenn die Scheine bereits teils verbrannt waren, wie die Bundesbank berichtet. Doch die Reste reichten, um den Gegenwert in Euro zu erstatten.

Knapp 16 Jahre nach Einführung des Euro-Bargeldes sind noch immer D-Mark-Scheine und Münzen im Milliardenwert nicht umgetauscht. Ende November 2017 waren nach Daten der Bundesbank Scheine und Münzen im Gesamtwert von 12,64 Milliarden D-Mark (rund 6,46 Milliarden Euro) im Umlauf. Davon entfielen rund 5,93 Milliarden Mark auf Scheine und 6,71 Milliarden auf Münzen.

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„Scheine und Münzen im Wert von etwa 100 bis 150 Millionen D-Mark werden jährlich zurückgegeben. Es ist aber davon auszugehen, dass nicht die gesamten noch im Umlauf befindlichen D-Mark-Bestände umgetauscht werden“, sagt Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele. „Ein Teil der Münzen und Scheine dürfte verloren gegangen, vernichtet oder in Sammlerschatullen gelandet sein.“

Die alten Schätze tauchen häufig bei Haushaltsauflösungen oder Renovierungsarbeiten auf – versteckt in Schubladen, Büchern oder Einmachgläsern. Als eine Art „rollende Urlaubskasse“ diente ein Wohnwagen: Als das Gefährt verschrottet werden sollte, wurden hinter der Wandverkleidung 3.000 Mark gefunden.

Einen Teil der nicht umgetauschten Bestände vermutet die Notenbank im Ausland: „Die D-Mark war vor allem in Ost- und Südosteuropa als ein Mittel zur Wertaufbewahrung geschätzt“, schildert der für Zahlungsverkehr zuständige Bundesbank-Vorstand Thiele. Vor allem in Ländern mit hoher Inflation war die D-Mark als wertstabil beliebt.


Eine Hälfte vom D-Mark-Schein genügt

Doch nicht nur dort: So erhielt die Filiale der Bundesbank in Mainz unlängst Post aus Kanada. Der Inhalt des Kuverts: Ein 50-Mark-Schein und eine großformatige Kopie eines Tausenders. Den echten Fünfziger tauschte die Notenbank um. „Die Bundesbank nimmt D-Mark-Scheine und Münzen auch aus Vertrauensgründen unbegrenzt und unbefristet zurück. Wir zeigen damit, dass wir verlässlich sind“, betont Thiele. Auch beschädigte Scheine tauscht die Bundesbank um, wenn mindestens die Hälfte der Banknote noch erhalten ist.

In anderen Ländern des gemeinsamen Währungsraumes ist der Umtausch dagegen nicht mehr möglich. So sind die Fristen beispielsweise in Frankreich und Italien für Franc und Lira oder in Finnland für die Finnmark abgelaufen – ein gutes Geschäft für den Fiskus. Das bis dahin nicht umgetauschte Geld schlug in der Bilanz der Notenbanken als Gewinn zu Buche, der an den Staat floss.

Verbraucher sollten einen genauen Blick auf Mark und Pfennig werfen, empfiehlt der Bundesverband deutscher Banken (BdB). Alte Geldscheine aus den frühen Jahren der Bundesrepublik Deutschland seien mittlerweile zum Teil begehrte Sammlerobjekte, vor allem wenn sie druckfrisch erhalten seien. Auch für die frühen Fünf-Mark-Gedenkmünzen aus den 1950er Jahren seien Sammler bereit, tief in die Tasche zu greifen. „In diesen Fällen lohnt es sich, die Stücke dem Fachhandel anzubieten, anstatt sie bei der Bundesbank zum Nennwert einzutauschen“, rät der Verband.

Auch aus dem Alltag ist die gute alte D-Mark noch nicht ganz verschwunden. So wirbt beispielsweise ein Schoko-Früchtehändler auf dem Münchner Oktoberfest damit, dass man bei ihm noch mit Mark und Pfennig zahlen kann. Manche Handelsunternehmen nehmen dauerhaft oder im Rahmen von Sonderaktionen die alte Währung an. Der allergrößte Teil des D-Mark-Bargeldes wurde allerdings bereits umgetauscht, als klar war, dass 2002 der Euro die nationalen Währungen ersetzen wird.

Quelle:  Handelsblatt Online
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