Daniel Maier: "Twitter ist nur eine Modeerscheinung"

InterviewDaniel Maier: "Twitter ist nur eine Modeerscheinung"

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Die Twitter-Aktie ist in dieser Woche auf den tiefsten Kurs seit dem Börsengang gefallen.

Die Twitter-Aktie fiel in dieser Woche auf ein Allzeit-Tief. Der Tech-Aktien-Analyst Daniel Maier glaubt nicht, dass das Unternehmen seine Probleme schnell löst. Potenzial sieht er bei klassischen sozialen Netzwerken.

WirtschaftsWoche: Herr Maier, Twitter ist in einer tiefen Krise. Der Dienst lockt kaum neue Nutzer an, die Aktie sank in dieser Woche auf ein Allzeit-Tief. Bei Facebook hingegen läuft es blendend. Wieso tut sich Twitter so schwer?

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Analyst Daniel Maier im Interview mit WirtschaftsWoche. Quelle: Presse

Analyst Daniel Maier im Interview mit WirtschaftsWoche.

Bild: Presse

Daniel Maier: Das Bloggen von extrem kurzen Nachrichten wie bei Twitter ist für mich eine vorübergehende Modeerscheinung. Twitter vereinfacht die Informationsaufnahme nicht. User werden oft mit zu vielen Informationen versorgt. Aufgrund der kurzen Verweildauer auf diesen Seiten ist Werbung weniger lukrativ als bei anderen Social-Media-Konzepten. Dies spiegelt sich auch in der geringeren Marge von Twitter gegenüber Facebook oder LinkedIn wider. Meiner Meinung nach haben diejenigen sozialen Netzwerke die besten Chancen, die dem Nutzer langfristig einen Mehrwert bringen. Zum Beispiel LinkedIn, eine Plattform, die beim beruflichen Networking und zur Jobsuche hilfreich ist. Bei privaten sozialen Netzwerken hat Facebook die Vormachtstellung, mit einem App-Portfolio der drei bedeutendsten Social-Network-Apps Facebook, Whatsapp und Instagram.

Ein entscheidender Faktor für die Aktien von Sozialen Netzwerken ist das Nutzerwachstum. Wo können Soziale Netzwerke denn überhaupt noch wachsen?

In den USA und Europa sind schon über 90 Prozent der Online-User in sozialen Netzwerken aktiv. In Lateinamerika sieht es ähnlich aus. Stark wachsen können soziale Netzwerke noch in China und Japan. Aber nicht jedes Netzwerk passt kulturell in diese Länder. Facebook zum Beispiel ist in China gesperrt, genauso wie Twitter.     

Aktien wie Facebook, LinkedIn oder Yelp sind momentan – gemessen am Gewinn – sehr hoch bewertet. Sind das Zeichen einer Blase oder können die Plattformen in die Preise hineinwachsen?

Die Gewinnerwartungen bei vielen Unternehmen aus diesem Bereich zeigen weiterhin nach oben. Andere Bereiche innerhalb von IT wie Cyber-Sicherheit oder Cloud Computing weisen teilweise höhere Bewertungen auf. Außerdem haben viele Social Media-Unternehmen eine Menge Bargeld. Damit können Sie Aktien zurück kaufen, sodass das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) wieder zurückgeht. Diese Bewertungskennzahl lässt sich also leicht wieder nach unten schrauben.

Zur Person

  • Daniel Maier

    Daniel Maier ist seit 2013 Analyst bei der Fondsgesellschaft TBF Global Asset Management. Er beschäftigt sich insbesondere mit der Analyse von Unternehmen aus den Bereichen Technologie, Industrie und Energiewirtschaft. Maier betreut unter anderem den 4Q-GROWTH Fonds, einen international ausgerichteten Technologiefonds. Vor seiner Zeit bei TBF hat der studierte Betriebswirt in der Auto- und Bankenbranche gearbeitet.

Aber auch ein zweiter Indikator, das Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV), deutet bei Social Media-Aktien auf eine Blase hin. Xing oder LinkedIn zum Beispiel kosten achtmal so viel, wie die Unternehmen pro Jahr erlösen. Bei Facebook ist das Verhältnis noch höher.

Ganz klar, auf Basis der Umsätze sieht der Sektor hoch bewertet aus. Allerdings darf man nicht vergessen, dass Unternehmen wie Facebook oder LinkedIn auch mit 30 bis 40 Prozent im Jahr wachsen – und das über die nächsten Jahre.

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