Das große Fressen : Was das Börsenjahr 2015 prägte

Das große Fressen : Was das Börsenjahr 2015 prägte

von Stefan Hajek, Tim Rahmann, Hauke Reimer, Christof Schürmann und Heike Schwerdtfeger

Entzauberte Hedgefondsikonen, bis vor Kurzem undenkbare Abstürze im Dax und fulminante Gewinne bei Techaktien: So turbulent war das Börsenjahr.

Am Ende warnt Robert Shiller noch einmal eindringlich: „Es herrscht eine aggressive Stimmung an der Wall Street“, sagt der Ökonomie-Nobelpreisträger. „Die Wall Street zieht merkwürdige Typen an“, so Shiller. „Sie handeln eiskalt. Das können nur Leute mit einer bestimmten Persönlichkeit.“ Höflich umschrieben – aber selbst die Haie, die Shiller meint, gewinnen nicht immer. So mancher Investor, der einem der Superstars sein Geld anvertraut hatte, musste das in diesem Jahr einsehen.

Etwa, als im Oktober die Aktie des kanadischen Pharmawerts Valeant abstürzte. Bilanztrickserei wirft eine Analysefirma den Kanadiern vor. Zeitweise notierten die Valeant-Papiere 70 Prozent unter ihrem Höchststand von Anfang August. Der Crash des Pharmariesen erschütterte die Wall Street, schließlich gehört Valeant laut Investmentbank Goldman Sachs „zu den zehn wichtigsten Aktien“ der US-Hedgefonds.

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Kaum zu glauben: Auch die Gurus rennen manchmal alle in eine Richtung, ganz so, wie die viel belächelte Anlegerherde. Fast jeder große Investor ist getroffen, auch die Wall-Street-Ikonen John Paulson und Bill Ackman. Letzterer reagierte auf seine Weise – er kaufte weitere 2,1 Millionen Aktien von Valeant. Den Abwärtstrend aber hielt er damit nicht auf, weder den von Valeant noch den seines Fonds Pershing Square. Seit Jahresanfang liegt der 20 Prozent im Minus. Weh tat Ackman auch die Kursrally von Herbalife, einem Anbieter von Diät- und Kosmetikprodukten. Ackman wettete auf fallende Kurse, die Aktie aber stieg um 50 Prozent.

Mit Paulson, Ackman und David Einhorn wurden Hedgefondsmanager, die in der Finanzkrise groß geworden waren, in diesem Sommer entzaubert. Dabei hätte die heftig schwankende Börse – mit einem Dax zwischen 12 400 und 9400 Punkten – eigentlich ein gefundenes Fressen sein müssen, für die angeblich so ausgebufften Profis. Liquidität floss an die Märkte wie nie. Ideal für Hedgefonds: Die Kurse schwankten stark, bildeten insgesamt aber immer wieder über mehrere Monate klare Trends aus.

Zudem liefen die Fusionsmärkte heiß, mit den Brauriesen AnheuserBusch Inbev und SAB Miller sowie in der Chemie Dow Chemical und DuPont standen zwei der größten Übernahmen aller Zeiten auf dem Menü – jeweils mit Gegenwerten jenseits der 100-Milliarden-Dollar-Marke.

Aus dieser Gemengelage, so das Versprechen der Hedgies, lasse sich Kapital schlagen. Doch davon war nichts zu sehen. Die vermeintlichen Alleskönner schlossen das Jahr mit Minus ab, liegen weit abgeschlagen hinter den zweistelligen Steigerungen, die Euro-Land-Anleger an vielen Aktienmärkten einstreichen konnten. Selbst die langlaufenden Staatsanleihen im Euro-Land haben Anlegern noch drei Prozent beschert. Der Grund ist klar: Von Zinswende keine Spur, in Europa jedenfalls, also laufen die alten Papiere gut.

Großanleger wie der kalifornische Pensionsfonds Calpers haben sich schon enttäuscht aus Hedgefonds verabschiedet. Sie glauben nicht mehr daran, dass komplizierte Wetten mehr bringen als einfache Mischungen aus der Aktien- und Anleihewelt.

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