Dax 2017: Was Anleger im kommenden Jahr erwartet

Dax 2017: Was Anleger im kommenden Jahr erwartet

, aktualisiert 23. November 2016, 17:21 Uhr
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Ein Fernsehbild zeigt den designierten US-Präsidenten vor der Dax-Kurve. Trump dürfte nach Meinung von Experten die US-Börsen beflügeln, nicht aber den deutschen Leitindex.

von Peter KöhlerQuelle:Handelsblatt Online

Aktien bleiben im nächsten Jahr die erste Wahl für die Anleger. Doch die Musik spielt wegen des Trump-Faktors an den US-Börsen. An politischen Risiken herrscht kein Mangel. Aber die größte Gefahr lauert woanders.

FrankfurtUlrich Stephan, der Chefanlagestratege der Deutschen Bank für Privat- und Firmenkunden, war nervös. Allerdings trieben ihn am Mittwoch bei der Vorstellung des Kapitalmarktausblicks nicht Sorgen um die Finanzmärkte um. Nein, er bangte um seinen „Lieblingsverein“ Borussia Mönchengladbach, der am Mittwochabend gegen Manchester City in der Champions League antreten muss. Zu den Finanzmärkten stellte er im Zwillingsturm der Bank eher die Chancen im kommenden Jahr heraus.

Die Entwicklung an den Finanzmärkten werde zwar von politischen Unsicherheiten bestimmt sein. Allerdings dürften die Anleger an den Aktienbörsen am Ende noch ganz gut bedient werden. „Wir sehen den Aktienmarkt eher auf der Gewinnseite“, sagte Stephan. An politischen Großereignissen herrscht auch 2017 kein Mangel, in wichtigen europäischen Ländern wie Deutschland oder Frankreich wird gewählt, zusätzlich lassen sich die Auswirkungen des Brexits und der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten noch nicht vollständig abschätzen. Das könnte zu erhöhten Schwankungen an den Finanzmärkten führen.

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Große Sprünge sind an den Aktienmärkten deshalb nicht zu erwarten. Den Dax sieht Stephan Ende 2017 bei 11 300 Punkten. Das würde im Vergleich zum heutigen Stand einem Plus von etwa 640 Punkten entsprechen. Damit ist er etwas zurückhaltender als die DZ-Bank, die in ihrem Kapitalmarktausblick einen Anstieg auf 12.000 Punkte prognostiziert hatte.

Als Reaktion auf die Wahl von Donald Trump erwartet Christophe Foliot, Leiter International Equities bei Edmond de Rothschild Asset Management, in den kommenden Monaten eine Erholung der zyklischen Titel. „Donald Trumps erste Äußerungen als designierter Präsident stehen in krassem Gegensatz zu seiner populistischen Wahlkampfrhetorik und werden zyklische Aktien dorthin zurückbringen, wo sie hingehören“, sagte er in seinem jüngsten Marktbericht.

In den vergangenen zwei Jahren hätten Anleger Bewertungszahlen ignoriert und stattdessen bevorzugt Aktien von konjunkturunempfindlichen Unternehmen mit langfristigem Wachstumspotenzial gekauft. Trumps Wahlsieg dürfte nun zu einem Rückgang der Bewertungsabstände führen.


Prognosen für Euro Stoxx und Dow Jones

Die Prognose der Deutschen Bank sieht den Euro Stoxx 50 Ende 2017 bei 3 100 Punkten und den Dow Jones bei etwa 20 000 Punkten, etwa 1000 Punkte mehr als momentan. Stephan favorisiert auch im kommenden Jahr US-Aktien. „Sie sind nicht billig, aber auf ihnen ruhen die größten Wachstumshoffnungen“, sagte er unter Verweis auf das geplante Investitionsprogramm für die amerikanische Infrastruktur und die steuerpolitischen Anreize.

Besonderes Augenmerk verdienten Aktien aus den Bereichen Gesundheit, Technologie, Versorgung, Telekommunikation sowie Finanzen. Dagegen seien Öl- und Gasaktien schon zu stark gestiegen in Erwartung höherer Energiepreise. Europäische Medienwerte seien wegen der Chancen im Internet ebenfalls zu beachten, meint die Deutsche Bank. Bei Automobilaktien sei man vorsichtig, weil nicht klar sei, wer den Durchbruch bei alternativen Antrieben schafft.

Das größte Rückschlagsrisiko sieht Anlagestratege Stephan am Rentenmarkt. Die entscheidende Frage sei, ob die Anleger Kursrückgänge als Kaufgelegenheiten sähen oder ob sie dann in Panik alles verkauften. Er selbst glaubt nicht an den Crash am Bond-Markt. Stephan erwartet Anfang 2017 eine Seitwärtsbewegung und prognostiziert in gut zwölf Monaten Renditen bei den zehnjährigen Papieren von 0,35 Prozent bei der Bundesanleihe und 2,30 Prozent bei den US-Staatsanleihen. Von den erwarteten Zinserhöhungen in den USA dürfte der Greenback profitieren, Deutsche-Bank-Volkswirt Oliver Rakau sieht den Dollar auf 0,95 je Euro aufwerten, die Gemeinschaftswährung würde also unter die Parität sinken.

Bei der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung sagen die Analysten der Deutschen Bank für 2017 ein weltweites Wachstum von 3,5 Prozent voraus, für Europa gilt das aber nicht. Im Gegenteil. Der Kontinent sei ein „großer Bremsfaktor“ für das globale Wachstum, sagte Rakau. Das liege insbesondere an Großbritannien, dem die Analysten sinkende Wachstumszahlen wegen des Brexits voraussagen, selbst wenn davon bis jetzt noch nicht viel zu sehen ist.

„Es dauert immer zwei bis drei Quartale, bis die Investitionen auf Unsicherheit reagieren“, so Rakau. Auch für Deutschland erwartet er, dass sich das Wachstum von 1,9 auf 1,0 Prozent nahezu halbieren wird. Trotzdem ist Rakau „fundamental optimistisch“, weil der Arbeitsmarkt robust und die Binnenkonjunktur solide sei.

Positiv ist hingegen die Prognose für die USA. Die Analysten gehen davon aus, dass geplante Steuersenkungen für Unternehmen und Gelder für Brücken, Häfen und Straßen sowie Energienetze die US-Wirtschaft positiv beeinflussen werden. Die BIP-Prognose für 2017 wurde deshalb von 1,7 Prozent auf 2,3 Prozent und für 2018 von 1,9 Prozent auf 3,5 Prozent nach oben korrigiert. „Wir sehen den größeren Wachstumsschub aber erst Ende 2017 und Anfang 2018“, sagte Rakau. Viele Vorhaben würden eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen. „Wir haben jetzt einen Elefanten im Raum, der die Dinge verändern kann. Der Kongress wird Trump in Teilen aber wieder einholen“, sagte Stephan.

Die Banque of Luxemburg ist hingegen weniger optimistisch. „Die Erwartungen, die in eine Wirtschaftsbeschleunigung durch höhere Infrastrukturausgaben gesetzt werden, erscheinen unverhältnismäßig“, heißt es in einer Analyse. Auch bei der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung sind die Experten skeptisch. Die aktuellen Fundamentaldaten würden sogar auf eine Konjunkturverlangsamung hindeuten.

Quelle:  Handelsblatt Online
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