Dax-Ausblick: Anleger, fürchtet Euch nicht!

Dax-Ausblick: Anleger, fürchtet Euch nicht!

, aktualisiert 18. Oktober 2014, 13:32 Uhr
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Die Sorgen der Anleger sind groß. Experten sehen aber noch längst keine Rezession.

von Katharina SchneiderQuelle:Handelsblatt Online

Die Delle in der Entwicklung der Konjunktur lässt sich nicht leugnen. Aber sollten Anleger deshalb gleich in Panik verfallen? Wie Finanzmarktexperten das Risiko einer Rezession bewerten und was das für den Dax bedeutet.

DüsseldorfAn den Börsen geht die Angst um, die Angst vor einer Rezession. Doch aller Konjunkturabkühlung zum Trotz, Finanzexperten sehen keinen Grund zur Panik. Die Abwärtsrisiken für die Konjunktur sind in den vergangenen Wochen zwar größer geworden. Eine Rezession sieht aber anders aus.

Die Nerven der Anleger wurden zuletzt stark strapaziert. In nur einem Monat hat der Dax knapp elf Prozent verloren. Daran konnte auch der versöhnliche Wochenausklang nichts ändern. Am Freitag ging der deutsche Leitindex mit einem Plus von 3,1 Prozent bei 8850 Punkten aus dem Handel. Doch an den Vortagen hatte er stets mit nur minimalen Gewinnen oder deutlichen Verlusten von bis zu drei Prozent geschlossen.

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Auslöser für die Verunsicherung waren vor allem Konjunkturmeldungen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) bezifferte das Risiko, dass die Euro-Zone erneut in eine Rezession rutscht, auf bis zu 40 Prozent. Die wichtigsten Frühindikatoren haben sich mehrheitlich verschlechtert. Darunter beispielsweise das Ergebnis der ZEW-Umfrage unter Anlegern und Analysten – der Wert liegt erstmals seit November 2012 wieder im negativen Bereich.

Auch die Bundesregierung hatte ihre Wachstumsprognose für das kommende Jahr in dieser Woche von bisher 1,8 Prozent auf nur noch 1,2 Prozent gesenkt. „Eine konjunkturelle Delle in Deutschland und in Europa kann zum heutigen Zeitpunkt als sicher erachtet werden“, heißt es vom Research-Team bei M.M. Warburg & Co.

Eine Delle, ja, aber keine Rezession. „Selbst wir als Konjunkturpessimisten erwarten keine Rezession“, sagt Jörg Krämer, Chef-Volkswirt der Commerzbank. „Zum einen ist die US-Konjunktur robust. Zum anderen ist die Schuldenblase im Euro-Raum bereits 2008 geplatzt.“ Auch sein Ausblick für den Aktienmarkt klingt optimistisch: „Der Dax dürfte in den kommenden Tagen und Wochen volatil bleiben, aber mittelfristig sollten sich die Kurse wieder erholen.“ Dafür spreche auch die Politik der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Wahrscheinlichkeit sei deutlich gestiegen, dass die EZB nicht erst Anfang 2015, sondern noch in diesem Jahr in großem Stil Staatsanleihen kaufe.

Auch das Warburg-Team erwartet keinen „wirtschaftlichen ‚Strömungsabriss‘“, im Gegenteil: „Wir halten es für wahrscheinlich, dass die September-Daten eine Gegenreaktion zeigen und stärker als üblich ausfallen.“ Ob sie Recht behalten, wird sich erst am 5. November zeigen. Dann werden die Zahlen zu den Aufträgen, zur Produktion und zu den Exporten im September veröffentlicht. Und für das kommende Jahr? „Hier deuten die Indikatoren aus unserer Sicht darauf hin, dass die Phase des geringen Wachstums erst einmal anhalten wird“, so das Research-Team von M.M. Warburg.


Wie hoch können die Indizes wieder steigen?

Müssen sich Anleger deshalb Sorgen machen? Nein, meinen die Banker: „Aus unserer Sicht könnte die bisherige Veränderung der wirtschaftlichen Perspektiven am Aktienmarkt in den vergangenen Wochen hinreichend eingepreist worden sein.“ Und die Korrekturen haben auch etwas Positives: Die Bewertungen an den Aktienmärkten sind gefallen: Beim Dax ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für die kommenden zwölf Monate seit Anfang September um 0,8 Zähler auf 11,6 gefallen. Die Gelegenheit für den Einstieg oder für Zukäufe scheint also günstig.

Die Frage ist jedoch, wie hoch es dann bei den Kursen wieder hinausgeht. „Wir gehen davon aus, dass die Aktienmärkte in den kommenden Monaten einen Großteil der Verluste wieder aufholen werden. Jedoch ist es inzwischen unwahrscheinlich, dass Dax und Euro Stoxx 50 bis Ende Juni 2015 wieder in unmittelbarer Nähe ihrer diesjährigen Kurshochs bei 10.000 beziehungsweise 3.300 Punkten notieren werden“, heißt es beim Research-Team der DZ Bank. Zu stark habe sich in den vergangenen Wochen das weltwirtschaftliche Umfeld für das restliche Jahr und für 2015 eingetrübt.

Und neben der wirtschaftlichen Lage drücken weitere Krisen auf die Stimmung der Anleger: Ebola, IS-Terror und Ukraine-Russland-Konflikt. „Insbesondere Ebola ist abseits der eigentlichen Krankheit geeignet, sich im Extremfall zu einer massiven psychologischen Belastung zu entwickeln“, sagt Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank. Aber auch er ist grundsätzlich optimistisch: „Die Versuche der Aktienmärkte, sich zwischenzeitlich gegen den Konsolidierungsdruck zu stemmen, zeigen, dass auch die pro-Aktienargumente nicht in Vergessenheit geraten sind.“

Es werde keine Neuauflage der Euro-Staatsschuldenkrise geben und der Euro-Konjunkturkrise werde mit neuen Schulden entgegengewirkt, meint Halver. „Damit ist stimmungsseitiges Erholungspotenzial grundsätzlich gegeben.“ Damit es noch zu einer Jahresendrally komme, seien allerdings „stimmungsverbessernde Maßnahmen“ der Politik gefragt. Konkret: Staatsschulden, so der Kapitalmarktexperte.


Jahresendrally scheint noch möglich

Für eine Jahresendrally haben die Märkte immerhin noch knapp zweieinhalb Monate Zeit. In der nächsten Woche geht erst einmal die US-Berichtssaison zum dritten Quartal 2014 weiter. Am Montag legt unter anderem Apple seine Zahlen vor, am Donnerstag ist der Baumaschinen-Hersteller Caterpillar dran und der weltgrößte Paketdienst UPS folgt am Freitag. Auch die deutschen Unternehmen beginnen, Rechenschaft abzulegen.

„Der IT-Konzern SAP dürfte dank einer stabilen Auftragslage bei gleichzeitigen Sparmaßnahmen ein solides Ergebnis präsentieren“, sagt Halver und prognostiziert, dass die Unternehmensausblicke angesichts der Krisen eine besondere Beachtung finden werden. „Daimler wird seine bereits im Vorfeld präsentierten, soliden Zahlen bestätigen. Im Ergebnis von BASF dürfte sich die Euro-Konjunkturabschwächung widerspiegeln.“

Besonderes Augenmerk dürften die Anleger in der neuen Woche auch auf die Bankwerte legen. Händlern zufolge dürfte die Nervosität vor der Veröffentlichung des EZB-Stresstests wachsen. Schon in den vergangenen Tagen hatten die europäischen Finanztitel zum Teil deutliche Verluste hinnehmen müssen. Offizielle Ergebnisse für alle rund 130 Teilnehmer an der Belastungsprobe sollen am 26. Oktober vorgestellt werden.

Für schlechte Stimmung könnte in den kommenden Tagen China sorgen. Am Dienstag stehen die Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) und zur Industrieproduktion an. Analysten gehen davon aus, dass sich das Wirtschaftswachstum der Volksrepublik im dritten Quartal auf 7,2 Prozent von 7,5 Prozent abgeschwächt hat. Das wäre das kleinste Plus seit mehr als fünf Jahren. Etwas optimistischer sind die Experten für die Industrieproduktion gestimmt. Diese dürfte im September etwas stärker zugelegt haben als im August. Wie es um Deutschland und die Euro-Zone bestellt ist, dürften am Donnerstag vor allem die Einkaufmanagerindizes für Industrie und Dienstleistungen zeigen.

Quellle:  Handelsblatt Online
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