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Dax-Ausblick: Anleger setzen auf die EZB

Quelle: Handelsblatt Online

Die Freude an den Börsen über die Beschlüsse des EU-Gipfels währt nur kurz. Kommende Woche kehren die Konjunktursorgen zurück und drücken die Kurse. Einziger Lichtblick: Die mögliche Leitzinssenkung der EZB.

Fällt der EZB-Leitzins kommende Woche auf Rekordniveau? Quelle: dpa
Fällt der EZB-Leitzins kommende Woche auf Rekordniveau? Quelle: dpa

FrankfurtDie Freude von Investoren über die Ergebnisse des EU-Gipfels wird wohl schnell verpuffen. Stattdessen dürften angesichts der näher rückenden Bilanzsaison die Sorgen über die konjunkturellen Perspektiven verstärkt in den Fokus rücken, sagen Aktienstrategen. Von daher sei in den kommenden Tagen mit wieder sinkenden Kursen an der Börse zu rechnen.

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„Viele Anleger bejubeln die überraschende Aktivität der Regierungschefs. Schließlich war nicht viel erwartet worden“, schrieb Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann in einem Kommentar. „Nur muss man sich auch klarmachen, dass die Beschlüsse mittel- bis langfristig problematisch sind.“ So könne etwa die direkte Banken-Rekapitalisierung zu einer Vergemeinschaftung der Staatsschulden durch die Hintertür verkommen, erklärte der Experte. „Banken- und Fiskalrisiken sind in der Peripherie eng verwoben. In solchen Ländern, in denen die Geschäftsbanken im großen Umfang Staatsanleihen kaufen, können die fiskalischen Probleme so auf den Bankensektor abgewälzt werden, der dann, ohne dass der Fiskus involviert wird, Kapital vom ESM erhält - womöglich ohne makroökonomische Auflagen.“

„Nach der Feierlaune wird wohl Katerstimmung einziehen“, sagt Marktstratege Jörg Rahn vom Vermögensverwalter Marcard, Stein & Co. „Für Italien und Spanien sind die Beschlüsse vom EU-Gipfel zwar ein großer Schritt. Deren Banken haben jetzt eine viel größere Sicherheit, und die ganz große Panik konnte damit vermieden werden. Allerdings dürften sich die Anleger nun auf die verbleibenden Probleme konzentrieren und da rücken vor allem die konjunkturellen Sorgen in den Vordergrund.“

Börsianer mahnten zudem zur Vorsicht, da die Gipfelbeschlüsse noch den parlamentarischen Prozess in den Mitgliedsländern durchlaufen müssen. Die Haushälter der SPD und der Linken stellten bereits infrage, ob noch am Freitag im Bundestag über den dauerhaften Rettungsschirm ESM abgestimmt werden kann. Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte nach Abschluss des EU-Gipfels, durch die Beschlüsse der Eurogruppe zum ESM ergäben sich inhaltlich keine Änderungen für die Gesetze, die im Bundestag zur Abstimmung stünden.

In der vergangenen Börsenwoche gewann der Leitindex 2,4 Prozent auf 6.416 Zähler an Wert, allerdings hauptsächlich getragen von einem 4,3-prozentigen Plus am Freitag. Der europäische Stoxx50 schaffte im Wochenverlauf einen Anstieg um knapp drei Prozent auf 2.264 Stellen.

Die Teilnehmer des EU-Gipfels hatten sich in der Nacht auf Freitag darauf geeinigt, spar- und reformwilligen Ländern Hilfe ohne ein zusätzliches Anpassungsprogramm zu gewähren. Das heißt, dass keine Überwachung von außerhalb - etwa durch die EU oder den IWF - stattfindet. Zudem soll kurzfristig eine europäische Bankenaufsicht aufgebaut werden. Sobald diese steht, können Banken direkt Geld vom europäischen Rettungsfonds ESM erhalten.


Bei der Baumarktkette Praktiker stehen die Zeichen auf Sturm

Ein besonderes Ereignis in der neuen Woche dürfte die Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag werden. Volkswirte gehen davon aus, dass die Notenbank angesichts der schwächelnden Konjunktur den Leitzins erstmalig unter ein Prozent senken wird. Unter anderem erwartet die Commerzbank eine Senkung um 25 Basispunkte auf dann 0,75 Prozent. Die Währungshüter haben bereits entsprechende Signale ausgesendet. Selbst auf diesem Niveau läge der europäische Zinssatz aber noch über dem von Großbritannien, den USA und Japan.

Ob die Zentralbank weitere Maßnahmen zur Stützung der Wirtschaft verkünden wird, darüber sind Analysten uneins. „Kommt es zu der von uns erwarteten Zinssenkung, dürfte EZB-Präsident Draghi die Tür für weitere Maßnahmen mit dem üblichen ‚wir legen uns vorab nicht fest‘ offenhalten“, sagt Commerzbank-Volkswirt Michael Schubert. Besonders spannend für Investoren wird wohl, wie sich Mario Draghi zu den EU-Gipfelbeschlüssen äußert.

Von den anstehenden US-Daten erhoffen sich Volkswirte neue Hinweise darauf, wie es um die weltgrößte Volkswirtschaft bestellt ist. Das Hauptaugenmerk dürfte kommende Woche auf dem ISM-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe liegen, der am Montag veröffentlicht wird. „Ausgehend von einem schwachen Einkaufsmanagerindex aus der Region New York könnte sich der ISM-Index weiter abschwächen und somit eine Wachstumsschwäche für das dritte Quartal 2012 andeuten“, sagt Kapitalmarktstratege Stefan Scheurer von Allianz Global Investors.

Am Dienstag folgen die Auftragseingänge für die US-Industrie, die amerikanischen Arbeitsmarktdaten werden am Donnerstag und Freitag veröffentlicht. Für den offiziellen Arbeitsmarktbericht für Juni prognostizieren Analysten eine leichte Verbesserung: Sie sagen 89.000 neu geschaffene Stellen außerhalb der Landwirtschaft voraus. Im Mai waren es noch 69.000 Jobs.

Auf Unternehmensseite könnte die Hauptversammlung der angeschlagenen Baumarktkette Praktiker für Gesprächsstoff sorgen. Ursprüngliche wollte Großaktionär Maseltov auf dem Aktionärstreffen kommenden Mittwoch fast alle vom Unternehmen benannten Aufseher absetzen, weil er mit dem Sanierungskurs unzufrieden ist. Maseltov scheiterte allerdings vor Gericht mit dem Versuch, die Neuwahl des Aufsichtsrates per einstweiliger Verfügung durchzusetzen.

Daneben steht am Dienstag die Erstnotiz von Lotto24 auf dem Terminplan. In dieser Firma ist das Deutschland-Geschäft des Glücksspiel-Anbieters Tipp24 gebündelt.

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