Dax-Ausblick: Die Fed-Chefin treibt die Aktienkurse hoch

Dax-Ausblick: Die Fed-Chefin treibt die Aktienkurse hoch

, aktualisiert 27. August 2016, 11:43 Uhr
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Die Chefin der US-Notenbank hatte am Freitag Grund zum Lächeln: Ihre Rede beim Notenbanker-Treffen in Jackson Hole trieb die Aktienkurse nach oben.

von Reiner ReichelQuelle:Handelsblatt Online

Am Freitag war „High Noon“ bereits um 16 Uhr. Zumindest für die Börsen weltweit. Denn um diese Zeit redete Fed-Chefin Janet Yellen – und die Aktienkurse stiegen. Eine gute Voraussetzung für die kommende Börsenwoche.

DüsseldorfWir kennen das aus richtig spannenden Filmen: Dramatisch wird es zum Schluss und der Ausgang ist ungewiss. Insofern lief die vergangene Woche an den Börsen wie ein guter Film auf den Höhepunkt, Freitag, 16:00 Uhr mitteleuropäischer Zeit, hinaus: Auftritt Janet Yellen, Chefin der US-Notenbank Fed, beim alljährlichen Treffen der Notenbanker in Jackson Hole in den USA. Ungewiss war, ob sie sich für oder gegen eine Zinserhöhung aussprechen würde. Und ob eine Zinserhöhung schon am 21. September erfolgen könnte, wenn sich die Fed zu ihrer nächsten Sitzung trifft.

Als es soweit war, hörten die Anleger dieser Welt, dass die Argumente für eine Zinsanhebung nach Yellens Einschätzung zugenommen haben. Wann sie die Zinsen erhöhen wird, sagte sie nicht. Die Auguren interpretierten ihre Ausführungen allerdings so, dass dies noch in diesem Jahr geschehen wird.

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Aus von der Nachrichtenagentur Reuters gesammelten Reaktionen auf Yellens Rede lässt sich heraushören, dass sich die Experten schwer tun mit einer Einschätzung, wann die Zinserhöhung kommen wird.

„Wir haben nicht wirklich ein Signal für eine Anhebung im September erwartet. Aber sie hat die Tür offen gehalten, den Schritt eher früher als später zu machen“, sagte Subadra Rajappa von Societe General. Und Brian Jacobsen von Wells Fargo Funds Management meint: „Yellen möchte den Tisch für September decken. Vielleicht liefert sie die Zinserhöhung aber erst im November oder Dezember.“

Christine von Berg von der BayernLB ist eher enttäuscht von der Rede: „Eigentlich gibt es nicht viel Neues. Das dürfte die Märkte am Ende eher etwas enttäuscht haben." Über den zweiten Zinsschritt nach der Anhebung der Leitzinsen auf eine Spanne von 0,25 bis 0,5 Prozent Ende des vergangenen Jahres wird seit Frühjahr 2016 spekuliert.


Yellens Rede zieht Dax aus dem Minus

Der Deutsche Aktienindex (Dax) reagierte auf Yellens Rede prompt. In nur wenigen Minuten schoss er aus dem Minus von unter 10 520 Punkten auf mehr als 10 580 Zähler. Am Ende stand ein Plus von 0,6 Prozent gegenüber dem Vortag auf 10.587 Punkte zu Buche. Das europäische Barometer Euro Stoxx 50 reagierte in gleicher Weise. An der Wall Street sorgte Yellens Rede zunächst für Verluste des Dow Jones, die aber bald darauf wieder ausgeglichen wurden. Der Dollarkurs reagierte mit heftigen Auf-und-ab-Bewegungen.

Gemessen am turbulenten Höhepunkt des Börsenfilms zum Wochenende läuft ab Montag wohl eine weit weniger spannende Fortsetzung. Gewiss wird die Diskussion, ob Niedrig-, wenn nicht gar Negativzinsen überhaupt die gewünschte Reaktion auslösen: mehr Konsum, anziehende Konjunktur und im Idealfall die vom Chef der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, so sehr herbeigewünschten zwei Prozent Inflation. Die kann sich im Moment kaum ein Ökonom in absehbarer Zeit vorstellen. Wie weit wir in Deutschland davon weg sind, werden Interessierte am Dienstag erfahren, wenn die Entwicklung der Verbraucherpreise in Deutschland im August veröffentlicht werden.

Dass eine Verschärfung der Negativzinsen Europa weiter bringt, wird zunehmend in Frage gestellt. „Inzwischen streichen immer mehr Analyseabteilungen von Banken die Verschärfung der Strafzinsen aus ihren Prognosen“, schreibt die Helaba. Auch an den Terminmärkten weiche die Zinssenkungsfantasie.

Wenn nicht Yellens Ankündigung, die Zinsen zu einem noch nicht genannten Zeitpunkt zu erhöhen, die Aktienkurse in der neuen Woche stützt, dann sind es vielleicht Konjunkturdaten. Eine solche Stütze könnte der Arbeitsmarktbericht für August in den USA sein, der am Freitag veröffentlicht wird. Die Konjunkturexperten der BayernLB mutmaßen, er werde positiv ausfallen, wenn auch das hohe Tempo des Stellenaufbaus nicht durchgehalten werde. Die seit Wochen wachsende Beschäftigung könnte sich schon in den am Montag zur Bekanntgabe anstehenden Zahlen zu den privaten Einkommen im Juli niederschlagen. Die Helaba erwartet ein Plus von 0,5 Prozent.

Weltweit schauen Börsianer mit zunehmendem Interesse auf Konjunkturdaten aus China. Am Donnerstag kommt der Konjunkturindikator Caixin PMI für das Verarbeitende Gewerbe im August. Der Index misst die Wirtschaftsaktivitäten im produzierenden Gewerbe. Ein Wert über 50 Punkte signalisiert zunehmende Aktivitäten. Der Juli-Wert hatte die Marke von 50 Prozent überschritten. Die Helaba erwartet eine leichte Korrekturbewegung auf 50,3 Punkte, was aber immer noch einer deutlichen Expansion entspreche. Weil Produktionssteigerungen in China auch zunehmende Rohstoffnachfrage in dem Land, das zu den großen Rohstoffimporteuren der Welt zählt, erwarten lassen, wird der Caixin PMI auch auf den Rohstoffmärkten mit Interesse verfolgt.


VW atmet auf und die anderen Auto-Titel ziehen mit

Auf dem deutschen Aktienmarkt könnte der deutliche Rückgang des Ifo-Geschäftsklima-Indexes am vergangenen Donnerstag noch nachwirken. Zumal der Ifo-Index nichts Gutes verheißt für den Stimmungsindikator der Europäischen Kommission (ESI) im August. Die BayernLB geht von einem Rückgang des ESI auf 104,1 gegenüber 104,6 im Juli aus. Am Donnerstag hatte der Ifo-Index den Dax fast ein Prozent gekostet.

Die LBBW verkündet derweil, der Markt sei technisch überkauft und es stehe eine Konsolidierungsphase bevor. Allerdings schauten ihre Analysten schon am Freitag bis zum Jahresende voraus. Weil die europäische Wirtschaft den Brexit-Schock besser verdaut habe als erwartet und sich die politische Lage in Italien entspanne, gibt sie dem Dax 10.500 Punkte am Jahresende.

Unter den Einzeltiteln gehörten am Freitag die Verlierer der Vortage zu den Gewinnern: Autoaktien. Vor allem VW scheint mal wieder aufatmen zu können. Nachdem Ende des Streits mit einer Zulieferfirma wurde auch Einigung über die Entschädigung der US-Händler im Zusammenhang mit Dieselgate erzielt. Angeblich soll VW 1,2 Milliarden Dollar zahlen.

Die VW-Aktie lag als Dax-Spitzenreiter zeitweise um 2,8 Prozent im Plus und zog Daimler und BMW mit. Vorübergehend rangierten alle drei Auto-Werte unter den besten fünf Dax-Titeln. Ein gutes Ohmen für die kommende Woche.

Quelle:  Handelsblatt Online
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