Dax-Ausblick: „Die Party geht nicht abrupt zu Ende“

Dax-Ausblick: „Die Party geht nicht abrupt zu Ende“

, aktualisiert 04. März 2017, 12:18 Uhr
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Der Dax kletterte in der ersten Märzwoche wieder über die 12.000-Punkte-Marke, US-Indizes erreichten sogar neue Rekordhochs.

von Susanne SchierQuelle:Handelsblatt Online

Die Rally an den Aktienmärkten ist nun schon acht Jahre alt. Nach den jüngsten Höhenflügen steht der Dax über 12.000 Punkten, der Dow Jones sogar über 21.000 Punkten. Und Anlageprofis rechnen mit weiteren Kursgewinnen.

Am Montag wird der aktuelle Bullenmarkt acht Jahre alt. Bereits in der Woche vor dem Jubiläum waren Aktienanleger in Feierstimmung: In Deutschland kletterte der Dax wieder die Schwelle von 12.000 Punkten, in den USA erreichten die wichtigen Indizes sogar neue Allzeithochs. Der Dow Jones-Index übersprang erstmals die 21.000 Punkte-Marke. Und nach Ansicht von Anlageprofis ist die Rally noch nicht vorbei: „Es gibt wenig Anzeichen, dass die Party abrupt zu Ende gehen sollte“, sagt DZ Bank-Analyst Michael Bissinger. „Jedoch, mit steigender Sorglosigkeit, zeigt die Historie, dass auch das Risiko einer Korrektur wächst.“

Seit der Wahl von Donald Trump zum neuen US-Präsidenten eilten die Märkte von einem Rekord zum nächsten. Die Investoren setzen auf einen Schub für die Konjunktur durch steigende Staatsausgaben, zahlreiche Deregulierungen und eine umfassende Steuerreform. Zwar ist Trump in seiner ersten Rede vor dem US-Kongress in der abgelaufenen Woche Details zu seinen Plänen schuldig geblieben. Die Anleger zeigten sich aber erleichtert, dass der Republikaner einen verhältnismäßig gemäßigten Ton an den Tag gelegt hatte.

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Selbst die Aussicht auf eine baldige Zinserhöhung in den USA konnte die Anleger nicht schrecken – sie werten dies offenbar als Zeichen, dass die Konjunktur robust ist. „Nachdem selbst die Tauben in der Fed für eine baldige Zinserhöhung plädieren, erwarten wir nun bereits für Mitte März einen Zinsschritt“, betont Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Als Tauben gelten Anhänger einer expansiven Geldpolitik. „Wir prognostizieren sowohl für dieses als auch für das kommende Jahr jeweils drei Zinserhöhungen“, so der Ökonom weiter.

Fed-Chefin Janet Yellen bestärkte noch am Freitag in einer Rede die Erwartungen: Sie sagte, die bisherige Geldpolitik habe die Wirtschaft immer noch unterstützt. Weil die Inflation sich dem Ziel von zwei Prozent nähere und der Arbeitsmarkt nahezu Vollbeschäftigung erreicht habe, „sieht das Komitee es jetzt als angemessen an, zu einer neutralen Politik überzugehen“, erklärte sie. Das dürfte einen Zinsschritt Mitte März um einen Viertel Prozentpunkt bedeuten, auf eine Spanne zwischen 0,75 und 1,0 Prozent. Interessant dürfte in dem Zusammenhang daher auch der US-Arbeitsmarktbericht für Februar werden, der am kommenden Freitag veröffentlicht wird.

Von der Europäischen Zentralbank (EZB), die am nächsten Donnerstag tagt, sind hingegen keine konkreten Maßnahmen zu erwarten. Zwar ist die Inflationsrate im Euroraum im Februar auf zwei Prozent gestiegen – das allerdings nur wegen höhere Energie- und Nahrungsmittelpreise. „Die EZB befindet sich mal wieder in einer schwierigen Lage. Der Inflationsanstieg hat die Diskussion über einen Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik befeuert“, sagt Ökonom Ulf Krauss von der Helaba. EZB-Chef Mario Draghi dürfte seiner Ansicht nach jedoch an seinem lockeren geldpolitischen Kurs festhalten.
Ähnlich sehen es die Volkswirte der Commerzbank: „Da die Löhne bis zuletzt nur verhalten zugelegt haben, dürfte die Kernteuerungsrate erst 2018 allmählich anziehen. Ein Kurswechsel der EZB steht noch lange nicht an“, schreiben sie im aktuellen Wochenausblick. Das Anleihekaufprogramm dürfte wie beschlossen ohne Abstriche fortgesetzt werden. Die EZB liefe sonst Gefahr, auf einen kurzen, vorübergehenden Ausreißer der Inflationsrate nach oben zu reagieren. Schließlich verharrte die Kernrate - ohne Energie und Nahrungsmittel - zuletzt bei 0,9 Prozent.


Im Fokus: Kapitalerhöhung der Deutschen Bank

Unter den Einzelwerten am Aktienmarkt dürfte in der neuen Woche vor allem die Deutsche Bank stark im Fokus stehen: Am Freitag berichteten mehrere Medien, dass das Geldhaus Optionen auslotet, wie sie ihre Kapitaldecke aufpolstern kann. Die Aktie zählte daher zu den Verlierern im Dax. Am späten Abend bestätigte das Institut „vorbereitende Schritte für eine potenzielle Kapitalerhöhung in Höhe von rund acht Milliarden Euro und verschiedene strategische Maßnahmen“. Die Postbank solle dabei im Konzern verbleiben, ein kleiner Teil der Deutsche Asset Management an die Börse gehen. Entscheidungen seien allerdings noch keine getroffen worden.

Bei den kleineren Werten rückt Aixtron in den Blick. Wie die Deutsche Börse am Freitagabend bekanntgeben hat, kehrt der Chipanlagenbauer am 20. März in den TecDax zurück. Das Unternehmen hatte den Index erst im Dezember verlassen müssen, weil mit der geplanten Übernahme durch einen chinesischen Investor der Börsenwert der frei handelbaren Aktien zu niedrig geworden war. Nach dem Scheitern der Transaktion reicht die Streubesitz-Marktkapitalisierung und der Orderbuchumsatz für einen Platz in dem Index wieder aus.

In der neuen Handelswoche stehen zudem bei einigen Unternehmen die Veröffentlichung von Quartals- und Jahreszahlen auf der Agenda. Aus dem Dax öffnen unter anderem Vonovia am Dienstag, Adidas und die Deutsche Post am Mittwoch sowie Merck am Donnerstag die Bücher. Daneben berichten im Lauf der Woche auch Axel Springer, Hugo Boss, RTL und Schaeffler aus dem MDax.

Daneben dürften nach und nach auch die Wahlen in Europa stärker ins Bewusstsein der Anleger geraten, bei denen die rechtspopulistischen Parteien zulegen könnten. Bereits am 15. März geht es mit der Wahl in den Niederlanden los. „Die Marktteilnehmer rechnen aktuell nicht damit, dass populistische Parteien außerhalb des traditionellen politischen Spektrums in den Niederlanden oder Frankreich an die Macht gelangen.“, meint Larry Hatheway, Chefökonom beim Vermögensverwalter GAM. Am Freitag hatte der Vorsprung des französischen Präsidentschaftskandidaten Emmanuel Macron vor seiner rechtsextremen Konkurrentin Marine Le Pen bei den jüngsten Umfragen zum ersten Wahlgang für Erleichterung bei Aktienanlegern gesorgt. Der Pariser Leitindex CAC40 knackte erstmals seit November 2015 die Marke von 5000 Punkten. Die Risikoaufschläge französischer Staatsanleihen gingen zurück.

Die Anleger sollten sich aber nicht zu früh freuen. Schließlich lagen die Prognosen vor dem britischen Referendum zum EU-Ausstieg und der US-Wahl im vergangenen Jahr überwiegend falsch. „Auslöser für einen Rückschlag an den Märkten liefert die politische Agenda im Jahr 2017 zur Genüge“, mahnt daher Bissinger von der DZ Bank, der kurzfristige Rückschläge aber als Kaufgelegenheit sehen würde.

Quelle:  Handelsblatt Online
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