Dax-Ausblick: Erholung oder Absturz?

Dax-Ausblick: Erholung oder Absturz?

, aktualisiert 11. Juni 2016, 14:28 Uhr
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Lohnt sich jetzt schon der Einstieg an der Börse?

von Andrea CünnenQuelle:Handelsblatt Online

Die Nervosität vor dem Referendum der Briten über den Verbleib in der EU steigt. Das spiegelt sich in fallenden Börsenkursen wider. Die Helaba rät zum Dax-Kauf bei der Kursschwäche – andere Strategen raten zu Geduld.

FrankfurtLange Zeit spielte das mögliche Ausscheiden Großbritanniens aus der Europäischen Union an den Börsen keine Rolle. „Der Brexit ist ein Risiko, das vielleicht aktuell zu entspannt gesehen wird“, warnte noch Anfang Mai Martin Lück, Chefkapitalmarktstratege für Deutschland beim Fondshaus Blackrock, in einem Gespräch mit dem Handelsblatt. Er fürchtete schon damals einen Börsenabsturz um 20 Prozent, falls sich die Briten beim Referendum am 23. Juni gegen den Verbleib in der EU aussprechen. Lück begründete das damit, dass Investoren fürchten könnten, Großbritannien sei nur der erste Baustein der aus der EU rausfällt.

Mit jedem Tag, mit dem die Abstimmung näherrückt, scheinen sich die Investoren genau dies zu fragen. Die Nervosität an den Börsen steigt spürbar. Allein in vergangenen drei Handelstagen hat der Dax über vier Prozent eingebüßt, allein am Freitag ging es dabei um 2,5 Prozent begab. Erstmals seit zweieinhalb Wochen rutschte der Dax dabei unter die Marke von 10.000 Punkten und notierte zuletzt bei 9.834 Punkte.

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Und nun? „Anleger sollten die Kursschwäche zum Kauf nutzen“, ist Martin Reinwand von der Helaba überzeugt. Das hängt auch damit zusammen, dass Reinwand keinen Brexit erwartet. In seinem Basiszenario geht er deshalb davon aus, dass der Dax am Jahresende bei 12.000 Punkten stehen wird. Auch andere Strategen setzen darauf, dass die Briten in der EU bleiben, auch wenn die Prognosen der Wahlforschungsinstitute das nicht nahelegen. Bei manchen Instituten lagen zuletzt sogar die Brexit-Befürworter leicht vorne.

„Hoffnung für die Brexit-Gegner macht allerdings, dass sowohl vor dem schottischen Unabhängigkeitsreferendum als auch den letzten britischen Unterhauswahlen die führenden Prognoseinstitute den Wahlausgang falsch einschätzten“ betonen die Aktienstrategen der WGZ Bank. Zudem seien die Befürworter eines Verbleibs Großbritanniens in der bei den Wettanbietern - die bereits bei den letzten Wahlen richtig lagen - klar in Führung.

Dennoch rät auch die WGZ-Bank den Anlegern aktuell zur Zurückhaltung. Die Unsicherheit sei eben doch noch zu hoch. Werner Bader, Investmentanalyst bei der Landesbank Baden-Württemberg sieht das ähnlich: „Verständlicherweise will sich niemand vor der Abstimmung zu stark exponieren, um dann im schlechteren Fall auf dem falschen Fuß erwischt zu werden“, sagt er zu den jüngsten Kursverlusten an der Börse. Auch die DZ Bank geht davon aus, dass die Börsen erst nach dem Referendum wieder nach oben durchstarten – wenn alles gut geht, und die Briten ja zur EU sagen.


Fed hält Anleger nicht mehr bei Laune

Dass die Sorgen vor der Abstimmung sich so negativ an den Börsen durchschlagen, hängt auch damit zusammen, dass die US-Notenbank Fed ihnen keinen Rückenwind mehr bietet. „Bislang hatte die mögliche Verschiebung der Zinswende in den USA die Anleger bei Laune gehalten“, sagt Jochen Stanzl, Analyst des Online-Brokers CMC Markets, der Nachrichtenagentur Reuters: „Dieser Impuls hat seine Wirkung verloren.“

Dennoch werden Anleger am Mittwoch gebannt nach Washington schauen, wo die Fed tagt. Von der Pressekonferenz von Fed-Chefin Janet Yellen hoffen sie auf Hinweise auf den Zeitpunkt der geplanten nächsten Zinserhöhung. Auf eine Zinserhöhung bereits am Mittwoch setzt dabei niemand mehr. Die Arbeitsmarktdaten Anfang des Monats hatten zu sehr enttäuscht. Einer Reuters-Umfrage zufolge erwarten knapp zwei Drittel der befragten Ökonomen, dass die Fed frühestens im September an der Zinsschraube dreht.

Den Kursen an den Terminmärkten zufolge liegt die Wahrscheinlichkeit dafür dagegen nur bei 40 Prozent. Das hat die Renditen der US-Staatsanleihen zuletzt wieder sinken lassen. Zehnjährige sogenannte Treasuries werfen inzwischen weniger als 1,7 Prozent Rendite ab. In Deutschland steuert die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe auf glatt null Prozent oder darunter zu. Verglichen damit sind die Dividenden der Dax-Konzerne äußerst attraktiv. „Im Niedrigzinsumfeld spricht viel für die Aktienanlage“, betonen auch die Strategen der WGZ Bank.

Außer auf die Fed werden die Anleger zudem auf die Bank of England achten. Die britische Notenbank entscheidet am Donnerstag über den Leitzins. Auch hier wird keine Änderung erwartet, aber Anleger warten hier auf neue Aussagen von Notenbankchef Mark Carney zum Thema Brexit. Der Notenbankchef ist ein entschiedener Befürworter des Verbleibs der Briten in der EU.

Von den anstehenden US-Konjunkturdaten versprechen sich Experten dagegen keine größeren Impulse für die Finanzmärkte, da sie an der Verschiebung der Zinserhöhung wohl nichts ändern werden. Am Dienstag werden die Einzelhandelsumsätze im Mai publiziert, einen Tag später die zur Industrieproduktion und zur Stimmungslage im Großraum New York, den die dort ansässige Zentralbank erhebt. Der Stimmungsindikator der Notenbank von Philadelphia folgteam Donnerstag ebenso wie die US-Verbraucherpreise für Mai.

Aus der Euro-Zone stehen am Dienstag Daten zur Industrieproduktion an, am Donnerstag kommen die endgültigen Verbraucherpreise für den Monat Mai. An der Untermenensfront könnte es in der kommenden Woche ruhig bleiben – Veröffentlichungen stehen keine an.

Quelle:  Handelsblatt Online
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