Dax-Ausblick: Herbstliche Börsenimpulse gesucht

Dax-Ausblick: Herbstliche Börsenimpulse gesucht

, aktualisiert 18. November 2017, 12:23 Uhr
von Susanne SchierQuelle:Handelsblatt Online

Anlageprofis rechnen auch in der neuen Börsenwoche mit weiteren Gewinnmitnahmen – das dürfte den Dax aber nur kurz unter Druck setzen. Was passiert auf geldpolitischer Ebene? Anleger warten hier gespannt auf Hinweise.

FrankfurtDie Aktienmärkte haben eine weitere schwache Handelswoche hinter sich. Der deutsche Leitindex Dax, der noch zum Monatsanfang ein Allzeithoch bei knapp 13.526 Punkten erreicht hatte, kämpft nun wieder mit der Marke von 13.000 Punkten. Am Freitag schloss er sogar unter dieser psychologisch wichtigen Hürde. Manche Experten beschwören bereits das Ende der Hausse – andere bleiben vorsichtiger.

„Für weihnachtliche Vorfreude an den Aktienmärkten ist es noch etwas zu früh“, betont Claudia Windt, Analystin von der Helaba. Ähnlich sieht es DZ Bank-Analyst Michael Bissinger. Für ihn stehen vorübergehend weitere Gewinnmitnahmen auf der Tagesordnung. Diese seien eine direkte Antwort auf das sichtbare „Heißlaufen“ von Kursen und volkswirtschaftlichen Frühindikatoren. „Sollten die Aktien daher in den kommenden Tagen weiterhin verkauft werden, ergeben sich möglicherweise schon bald gute Möglichkeiten zum Kauf“, ist er überzeugt. Mittelfristig bleibt er positiv für die Aktienmärkte gestimmt. Er und seine Kollegen sehen den Dax Ende 2018 bei 14.000 Punkten stehen.

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Zuletzt hatten die Fortschritte bei der US-Steuerreform wieder neue Hoffnungen bei den Anlegern geweckt. Enttäuschungspotenzial gibt es dabei aber nach wie vor. Zwar hat der von Präsident Donald Trump vorgelegte Gesetzentwurf mit der Verabschiedung durch das Repräsentantenhaus eine erste Hürde genommen. Kurz danach gab der Finanzausschuss des Senats grünes Licht, um eine andere Version für das Steuersenkungspaket in der zweiten Kongresskammer zur Abstimmung vorzulegen.

Doch die eigentliche Herausforderung stehe mit der Abstimmung im Senat erst bevor, wendet Helaba-Expertin Windt ein: „Bislang hat es Trump nicht geschafft, seinen großartigen Ankündigungen auch Taten folgen zu lassen.“ Es sei unwahrscheinlich, dass sich die Reihen aller Republikaner schließen lassen, wenn die Steuerreform mit einem erheblichen Anstieg der Staatsverschuldung erkauft wird.

Für Impulse auf dem Aktienmarkt hatte zuletzt auch die starke Konjunktur gesorgt. In der neuen Börsenwoche allerdings stehen in den Vereinigten Staaten nur wenige Konjunkturdaten zur Veröffentlichung an. Wegen des Thanksgiving-Feiertags bleibt die Wall Street am Donnerstag ohnehin geschlossen, am Freitag ist der Handel verkürzt.

Neben der Steuerreform dürften Anleger ihr Augenmerk daher vor allem auf die Geldpolitik richten. Denn am Mittwoch macht die US-Notenbank Fed das Protokoll ihrer letzten Sitzung publik. „Das Protokoll dürfte die Zinserwartungen bezüglich der Fed bestätigen. Derzeit wird einer Zinsanhebung im Dezember eine Wahrscheinlichkeit von 90 Prozent beigemessen“, meint Markus Koch aus dem Zins und Credit Research der Commerzbank. Am Donnerstag steht dann auch im Euroraum das Protokoll der letzten Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) auf der Agenda.

Hiervon erhoffen sich Anleger weitere Einzelheiten zu der geplanten Reduzierung der Anleihekäufe ab dem Jahr 2018. Gleichwohl herrscht der Helaba zufolge Stillstand an den Rentenmärkten. Hier fehle es angesichts niedriger Inflationserwartungen an Vorstellungskraft, warum die Zinsen überhabt jemals wieder steigen sollten.

In der ablaufenden Woche goss EZB-Chef Mario Draghi selbst Öl ins Feuer. Seiner Einschätzung nach ist der Euroraum trotz Wirtschaftserholung weiterhin auf das billige Geld der Notenbank angewiesen. „Wir sind noch nicht an dem Punkt angelangt, an dem die Erholung der Inflation sich selbst trägt ohne unsere unterstützende Geldpolitik“, sagte er bei einem Bankenkongress in Frankfurt.


Wenig Neues auf der Firmenebene

Neue Daten zur Konjunkturentwicklung im Euro-Raum sind für Anleger daher besonders interessant. So werden am Donnerstag in der Eurozone die Einkaufsmanagerindizes (PMIs) für das verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungssektor veröffentlicht. Während der Index für den Dienstleistungssektor seit Mai in der Tendenz fällt, ist der Index für die Industrie zuletzt auf einen langjährigen Hochpunkt gestiegen. „Die Erfahrungen in der Vergangenheit sprechen dafür, den Rückgang des Dienstleistungs-PMIs ernster zu nehmen als den Anstieg des Index für die Industrie“, meint Commerzbank-Ökonom Christoph Weil. „Wir gehen davon aus, dass der Index für den Dienstleistungssektor im November auf dem aktuellen Niveau verharrt, was für eine Zunahme des realen Bruttoinlandsprodukts im Schlussquartal von gut einem halben Prozent sprechen würde.“

Aus Deutschland kommt am Freitag dann auch das ifo-Geschäftsklima für November. Im Oktober war der Index, der aus einer Umfrage unter etwa 7000 Firmen generiert wird, auf einen neuen Rekordwert von 116,7 Punkten gestiegen. Darüber hinaus gibt es von den Unternehmen nächste Woche wenig Neues: Die meisten Berichte für das dritte Quartal liegen bereits vor. Nur am Donnerstag steht mit der Jahresbilanz von Thyssen-Krupp noch ein Dax-Konzern im Terminkalender. Neben den Zahlen interessieren sich Anleger aber vor allem für Neuigkeiten rund um die geplante Stahlfusion mit Tata Steel. Bereits am Dienstag öffnen zudem die Börsenneulinge Hello Fresh und Vapiano ihre Bücher.

Insgesamt ist die Quartalssaison solide verlaufen – 64 Prozent der europäischen Unternehmen haben Ergebnisse auf oder über den Erwartungen vorgelegt, wie die Analysten von Société Générale betonen. Allerdings ist der Ausblick nicht mehr ganz so rosig wie noch vor ein paar Monaten. Vor allem in der Eurozone bremst der stärkere Euro. Am Freitag kletterte die Gemeinschaftswährung zeitweise über 1,18 Dollar. Anfang Januar war der Euro noch etwa 1,05 Dollar wert gewesen.

Die US-Währung notierte zum Wochenende hin wohl auch deshalb niedriger, weil es neue Enthüllungen in der Affäre um eine angebliche russische Einflussnahe bei den US-Präsidentschaftswahlen im vergangenen November gab. Das „Wall Street Journal“ hatte berichtet, dass US-Sonderermittler Robert Mueller im vergangenen Monat mehrere Mitglieder aus dem Wahlkampfteam von Präsident Donald Trump vorgeladen habe. Trumps Schwiegersohn Jared Kushner soll demnach besonders im Visier der Ermittler stehen.

Auch hierzulande geriet die Politik zuletzt stark in den Blick. Die stockenden Sondierungsgespräche der geplanten Jamaika-Koalition aus CDU/CSU, FDP und Grünen vermiesen vielen Wählern etwas die Stimmung. An der Börse perlt dies aber bislang weitgehend ab.

Am Ölmarkt wirft unterdessen die Sitzung des Ölkartells Opec am 30. November ihre Schatten voraus. War lange Zeit das Überangebot am Ölmarkt der wesentliche Bestimmungsfaktor für die Preise, könne davon momentan keine Rede mehr sein, meint LBBW-Chefvolkswirt Uwe Burkert. Seit dem zweiten Quartal dieses Jahres gebe es ein Angebotsdefizit: „Verantwortlich dafür ist zum einen die Opec, die mit mehreren Nicht-Opec-Staaten ein Abkommen getroffen hat, das die Ölförderung seit Anfang 2017 beschränkt.“

Dieses Abkommen ist bis März 2018 gültig und dürfte auf dem nächsten Opec-Treffen verlängert werden. Verantwortlich dafür sei aber auch das starke Weltwirtschaftswachstum, das für eine deutlich steigende Ölnachfrage sorgt. „Sofern die Weltwirtschaft auch im Jahr 2018 auf Kurs bleibt, dürfte sich das Angebotsdefizit am Ölmarkt sogar noch ausweiten“, erwartet Burkert, der daher den Brent-Ölpreis Ende 2018 bei 65 Dollar pro Fass sieht. Momentan liegen die Notierungen bei etwa 62 Dollar je Barrel.

Quelle:  Handelsblatt Online
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